Milliardenvorsorge Commerzbank fürchtet massive Zahlungsprobleme bei Kunden

Die Commerzbank blickt besorgt in die Zukunft: Das Geldhaus rechnet in der zweiten Jahreshälfte mit einer Zunahme von Kreditausfällen - viele Firmen wie Privatkunden bekommen Probleme, ihre Schulden zu bedienen. Schon jetzt hat das Institut vorsichtshalber knapp eine Milliarde Euro zurückgelegt.


Frankfurt am Main - Deutschlands zweitgrößtes Geldhaus fürchtet, die wahren Folgen der Rezession erst noch zu spüren zu bekommen. Angesichts steigender Arbeitslosenzahlen und der wachsenden Zahl von Firmenpleiten rechnet das Institut in der zweiten Jahreshälfte mit zunehmenden Kreditausfällen im Privat- und Geschäftskundenbereich. Das geht aus einem Zwischenbericht hervor, den die Bank am Donnerstag veröffentlicht hat.

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Insolvenzwelle befürchtet
dpa

Commerzbank-Zentrale in Frankfurt: Insolvenzwelle befürchtet

Auch für das kommende Jahr sind die Aussichten demnach eher trübe. 2010 dürfte eine größere Zahl von Kunden auch Immobilienkredite nicht mehr bedienen können, weshalb die Bank auch in diesem Geschäft mit einem deutlichen Anstieg der Risikovorsorge rechnet.

Die Commerzbank ist wesentlich stärker als etwa die Deutsche Bank auf das klassische Kreditgeschäft gestützt. Im zweiten Quartal legte die Commerzbank für den Fall von Kreditausfällen fast eine Milliarde Euro zurück.

Mittelstandskunden der Commerzbank müssen sich nun wohl bald auf höhere Zinsen gefasst machen. Die Bonität der Kreditnehmer werde schwächer, immer mehr Kredite müssten restrukturiert werden oder fielen durch Insolvenzen aus, erklärte die Bank. Dadurch werde "ein immer größerer Teil der Kreditmarge durch Risikokosten verbraucht (...), was zugleich den Anspruch an die Bruttomarge erhöht". Die ausgetrockneten Sekundärmärkte verhinderten zudem weitgehend, dass die Commerzbank Kreditrisiken an andere weiterreichen könne.

Bei professionellen Immobilienfinanzierungen will sich die Bank daher weiter zurückhalten. Für diese Märkte sei von einer längeren Korrekturphase auszugehen. Bei Schiffsfinanzierungen stünden Restrukturierungen bestehender Kredite im Vordergrund, der zuletzt fast zum Erliegen gekommene Markt werde sich erst bei einer nachhaltigen Belebung der Konjunktur in den Industriestaaten stabilisieren.

Fast 750 Millionen Euro Verlust im zweiten Quartal

Die Commerzbank hat sich durch die hohe Kreditrisikovorsorge bislang deutlich weniger von der Finanzkrise berappelt als andere Banken. Deutschlands zweitgrößtes Institut muss im zweiten Quartal nach eigenen Angaben ein operatives Minus von 201 Millionen Euro hinnehmen. Unter dem Strich machte die Bank wegen eines deutlich höheren Steueraufwands als im ersten Quartal sogar einen Verlust von 746 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte die Bank wegen einer Steuergutschrift noch 200 Millionen Euro verdient.

Analysten zeigen sich dennoch zufrieden mit dem Ergebnis - sie hatten mit operativen Verlusten zwischen 300 und 350 Millionen Euro gerechnet. Auch die Kernkapitalquote der Bank gilt noch als ausreichend. Sie lag Ende Juni bei 11,3 Prozent nach 10,2 Prozent zum Ende des ersten Quartals.

Die Börse reagierte mit gemischten Gefühlen auf die Bilanz der Bank. Stieg der Commerzbank-Kurs zu Handelsbeginn noch deutlich an, näherte er sich danach schon wieder der Nulllinie. Konrad Becker, Analyst bei Merck Finck, nannte die Zahlen uneinheitlich: Während der operative Gewinn klar über seinen und den Marktprognosen gelegen habe, sei der Nettogewinn deutlich schwächer als erwartet reingekommen. Die Risikovorsorge sei ebenfalls höher als von ihm erwartet ausgefallen, fügte er hinzu.

Auch Institutschef Martin Blessing warnte vor allzu großer Euphorie. Eine Prognose für das Gesamtjahr gibt der Vorstand nicht ab. Immerhin kündigte Blessing aber an, Staatsgarantien im Wert von fünf Milliarden Euro vorzeitig zurückgeben zu wollen. Die Bank wird derzeit von der Regierung insgesamt mit 18,2 Milliarden Euro Kapital sowie Garantien gestützt.

Übernahme der Dresdner Bank belastet

Neben dem Kreditgeschäft dürften der Commerzbank auch die Altlasten der Dresdner Bank noch länger Kopfschmerzen bereiten. Mit einem zügigen Abbau des Engagements in Schrottanleihen ist 2009 wegen des unverändert schwierigen Marktumfelds nicht zu rechnen. "Das Geschäftsjahr 2009 wird unverändert hohe Belastungen im ABS-Portfolio mit sich bringen", erklärte das Institut.

Die Rezession in vielen Ländern Europas führe dazu, dass sich nun auch mit europäischen Baufinanzierungen besicherte Papiere schlechter entwickelten. Im ersten Halbjahr musste die Bank Belastungen auf das gesamte Portfolio von knapp 1,8 Milliarden Euro verkraften. Insgesamt bezifferte die Commerzbank den Marktwert des Bestands an ABS-Papieren zum Ende des ersten Halbjahres auf 38 Milliarden Euro. Davon bezeichnet sie gut 26 Milliarden Euro als kritisch, das sind lediglich rund drei Milliarden Euro weniger als noch Ende März.

Die Bank will diese vor allem aus dem Handelsbuch der Dresdner-Investmentbanksparte stammenden Papiere systematisch abbauen. Da es an den entsprechenden Märkten aber weiter kaum Käufer gibt, gestaltet sich dies schwierig. Der Abbau stelle die Bank vor "große Herausforderungen", heißt es in dem Bericht. Neben den ABS-Papieren gibt es weitere Altlasten, die die Commerzbank seit der Dresdner-Bank-Übernahme beschäftigen. Hierzu gehören große Übernahmefinanzierungen (leveraged loans) von 6,1 Milliarden Euro, die die Risikovorsorge nach oben treiben. Zudem drohen weitere Belastungen aus dem insgesamt 8,7 Milliarden Euro schweren Engagement bei den kriselnden Kreditversicherern (Monolinern).

Die Eingliederung der Dresdner Bank hat laut Finanzvorstand Eric Strutz bereits zu einem deutlichen Arbeitsplatzabbau geführt. Bis dato seien gut 1800 Stellen gestrichen worden, sagte der Finanzvorstand. "Damit sind wir schneller als geplant vorangekommen." Insgesamt sollen 9000 Stellen wegfallen, 6500 davon in Deutschland. Ende Juni arbeiteten noch knapp 66.500 Menschen im Unternehmen, fast drei Viertel davon im Inland.

ssu/Reuters

insgesamt 717 Beiträge
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Tall Sucker, 25.07.2009
1.
Zitat von sysopViele Banken vermelden schon wieder hohe Gewinne und zahlen ihren Führungskräften reichliche Boni. Haben die Unternehmen aus der Krise gelernt?
Dass Finanzminister sie im Fall der Fälle herauspauken wird.
Adran, 25.07.2009
2.
"nach der Lehmanpleite wissen wir, dass man keine Bank pleite gehn lassen kann!" Angela Merkel mit anderen Worten, gehe noch höheres Risiko, mit noch mehr Gewinn, und daher noch größeren Boni ein, und wenn du scheiterst, dann kommt die Sichtbare Hand des Staates und hilft dir.. Lang lebe, Too big to fail..
Pu239, 25.07.2009
3.
Zitat von sysopViele Banken vermelden schon wieder hohe Gewinne und zahlen ihren Führungskräften reichliche Boni. Haben die Unternehmen aus der Krise gelernt?
Das man Verluste immer gut sozialisieren kann, weil man ja "systemisch" ist. Als Bank hat man deshalb Narrenfreiheit.
Bernhard Fischer 25.07.2009
4.
Zitat von sysopViele Banken vermelden schon wieder hohe Gewinne und zahlen ihren Führungskräften reichliche Boni. Haben die Unternehmen aus der Krise gelernt?
Warum sollten sie lernen? Wäre das nicht kontraproduktiv????
lemming51 25.07.2009
5. Bankenkrise
Sie werden es erst gelernt haben, wenn man ihnen, hoffentlich nicht erst nach dem nächsten SuperGAU,die Brocken nebst Boni um die Ohren haut, dass es nur noch so scheppert !!!!! Aber es steht zu befürchten, dass ihre Erfüllungsgehilfen in der Politik wiederum jeden Bereicherungsfeldzug mitmachen und das Casino mit Steuermilliarden finanzieren.
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