Millionärsmesse: Luxus für alle!

Von Henryk M. Broder

In Shanghai hat am Freitag eine Messe für Millionäre begonnen. Es gab schon welche in Amsterdam und Moskau; in Mumbai, Warschau, Dubai und Kasachstan soll es sie bald auch geben. Der Mann hinter der Idee ist ein holländischer Verleger, dessen Firma "Wer wagt, gewinnt" heißt.

Es gibt 250.000 Millionäre in Holland, und Yves Gijrath ist einer von ihnen. Seine erste Million hatte er zusammen, als er 30 Jahre alt war. Dann überwarf er sich mit einem Geschäftspartner, traf ein paar falsche Entscheidungen, und das Geld war schneller weg, als er es angehäuft hatte.

Messe-Manager und Verleger Gijrath: "Wenn alle rechts gehen, gehe nach links"
Henryk M. Broder

Messe-Manager und Verleger Gijrath: "Wenn alle rechts gehen, gehe nach links"

Heute, zehn Jahre später, sagt er: "Ich habe genug verdient, ich könnte mich zur Ruhe setzen und von den Zinsen leben. Aber ich habe keine Geduld, um nichts zu tun."

Yves Gijrath, 1966 geboren, ist Inhaber einer Holding mit dem Namen "Who Dares Wins" – wer wagt, der gewinnt. Er tritt auf, als käme er gerade von einem längeren Segeltörn und wäre auf dem Weg zu einem Golfturnier. Aber der erste Eindruck täuscht. Der Mann mit dem Appeal eines Playboys und den federnden Gang eines Sport-Profis ist ein echter Entrepreneur, ein Unternehmer aus Lust und Leidenschaft.

Er hat an einer Business School studiert, eine Weile als Animateur in Tunesien gearbeitet und verschiedene Unternehmen, darunter das britische Verteidigungsministerium und die belgische Fountain Coffee-Kette, beraten, bevor er sich Mitte der neunziger Jahre als Verleger selbständig machte. Er brachte eine Stadtillustrierte ("Amsterdamtje") auf den Markt und ein Magazin für Japaner, die in Holland lebten, das "Japanese Journal". Wo eine Nische zu füllen war, da hatte Yves Gijrath die richtige Idee.

"Die Leute dachten, was für ein Witz"

"Als ich anfing", erinnert er sich, "wurde ich von niemand ernst genommen. Das war gut so. Ich bin gerne ein Underdog." Heute verlegt er "Qualitätsmagazine", die auf Hochglanzpapier gedruckt werden und sich an Leser wenden, "die schöne Dinge" lieben: "Jackie", ein Modemagazin für Frauen, "Het Gouden Woonboek" für Menschen, die sich noch nie bei Ikea verlaufen haben, das "Joods Journaal" für Juden, die gutes Essen und Reiseberichte aus der Karibik aufregender finden als Debatten über den Antisemitismus. Yves Gijraths Lieblingsprojekt, das er nicht nur verlegt, sondern auch als Chefredakteur führt, ist das "Miljonair"-Magazin, das im Oktober 2000 auf den Markt kam. Die erste Ausgabe hatte eine Auflage von 26.000 Exemplaren und war innerhalb von 24 Stunden ausverkauft.

Website der "Millionaire Fair": Viel Geld, wenig Zeit - nicht immer guter Geschmack

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"Die Leute dachten, was für ein Witz, ein Magazin für und über Millionäre". Bei der Pressekonferenz, auf der das neue Produkt vorgestellt wurde, wollten die Journalisten wissen, ob Gijrath demnächst auch eine Zeitschrift für die Armen machen würde. Die gäbe es doch schon, belehrte er die Meute, "es ist die Obdachlosenzeitung".

So viel soziale Chuzpe fanden nicht alle witzig. "Es gab viele aggressive Reaktionen. Auf einmal war ich der Sprecher der Millionäre. Dabei träumen doch die meisten Menschen davon, reich zu werden und im Luxus zu leben." Aber nur wenige schaffen es. Meistens Entrepreneure wie Gijrath, die "es geben muss, wenn eine Wirtschaft funktionieren soll, in Holland ebenso wie Russland, in Brasilien wie in China". Einige "werden dabei verdammt reich, andere gehen bankrott, aber unterm Strich sorgen sie dafür, dass es Arbeit gibt". Dies, gibt Gijrath zu, sei eine "kalvinistische Einstellung zum Leben", freilich eine, die sich bewährt hat.

Das "Miljonair"-Magazin erscheint sechsmal im Jahr mit 40.000 Auflage und ist für den Verleger die Wollmilchsau, die goldene Eier legt. Anfang dieses Jahrs brachte er in Moskau eine russische Ausgabe heraus, zusammen mit einem russischen Verlag. "Die kennen sich vor Ort aus, wir sind die Gurus und sagen ihnen, wie es gemacht werden soll." Die Idee, ausgerechnet in Moskau ein Magazin für Millionäre und solche, die es gerne wären, anzubieten, sei das Ergebnis einer nüchternen Lageanalyse. "Moskau ist ein Kraftwerk, das viel Energie erzeugt." Und die neuen russischen Unternehmer seien Leute, "die ihr Gewerbe verstehen".

"Ich kann alles verkaufen, wenn es sein muss"

Gijrath, der in seinem kleinen Imperium in Amstelveen bei Amsterdam über 100 Mitarbeiter beschäftigt, darunter viele auffallend gut aussehende Redakteurinnen, hat sich viel vorgenommen. "Ich kann alles verkaufen, wenn es sein muss, auch Eisschränke an Eskimos und Pelze an Tierschützer." Warum aber brauchen Millionäre ein Magazin des Luxus und der Moden, in dem Produkte präsentiert werden, die sich von alleine verkaufen? "Weil sie zwar viel Geld aber wenig Zeit und nicht immer einen guten Geschmack haben."

So hilft Gijrath den Reichen und Superreichen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Sie müssen nur das "Miljionair"-Magazin lesen oder eine der "Milljonair"-Messen besuchen, die er veranstaltet. In Amsterdam gab es seit 2002 schon vier, in Moskau letztes Jahr eine, und am heutigen Freitag eröffnet Gijrath die erste "Mijlionair"-Messe in Shanghai mit rund 70 Ausstellern. Der Eintritt ist sogar recht günstig - nur 350 Renminbi, etwa 35 Euro, pro Tag und Person. Die Veranstalter rechnen bis zum Messenende am Sonntag mit 10.000 Besuchern.

Denn auch in China gibt es inzwischen Menschen, die sich außer Sportwagen von Porsche und Limousinen von Bentley auch Uhren für 100.000 Dollar und Juwelen für 300.000 Dollar leisten können. "Es sind noch nicht viele, aber es werden immer mehr."

Jetzt bereitet Gijrath weitere Messen für Millionärsbedarf in Cannes, Mumbai, Warschau und London vor; aus Dubai, Kasachstan und Rio hat er schon Anfragen und Einladungen erhalten. "Noch nie hatten die Leute so viel Geld zur Verfügung wie heute, man muss sie nur motivieren, es auszugeben. Es gibt keine Krise und abgesehen von al-Qaida, der Vogelgrippe und dem Ölpreis gibt es auch keine unkalkulierbaren Risiken."

Irgendwann wird sich Yves Gijrath hinsetzen und einen Ratgeber schreiben: "Wie werde ich Millionär?" Den Einstieg hat er schon in der Schublade. "Egal, was du machst, versuche immer, der Beste zu sein. Gehe nie mit der Masse. Wenn alle rechts gehen, gehe nach links. Und umgekehrt."

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