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Millionen-Debatte: BASF-Betriebsrat findet hohe Managergehälter in Ordnung

Ungewöhnliche Schützenhilfe für Deutschlands Manager: Während Politiker die hohen Chef-Einkommen anprangern, verteidigt der Betriebsrat der BASF die Vergütungspraxis. "Gemessen an Bundesliga-Honoraren sind die Gehälter der Konzernvorstände moderat."

Dresden - Der Konzernbetriebsratsvorsitzende der BASF, Robert Oswald, spricht sich gegen eine "Neid-Diskussion" über Vorstandsgehälter aus. Er halte die Gehälter der Vorstandsmitglieder beim größten Chemiekonzern der Welt für gerechtfertigt, sagte Oswald der "Sächsischen Zeitung". Gemessen an Managern in manchen Bundesligavereinen seien die Managergehälter im Konzern moderat. "Ein Uli Hoeneß hat einfach weniger Verantwortung als der Manager eines internationalen Konzerns."

BASF-Chef Hambrecht: Rund 3,3 Millionen Euro pro Jahr
DPA

BASF-Chef Hambrecht: Rund 3,3 Millionen Euro pro Jahr

Als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der BASF Chart zeigen entscheidet der Arbeitnehmervertreter mit über die Vorstandsgehälter. Der BASF-Vorstandsvorsitzende Jürgen Hambrecht bezog den Angaben zufolge im vorigen Jahr rund 3,3 Millionen Euro.

Oswald sagte, die Vergütung müsse nicht nur die Verantwortung berücksichtigen, sondern auch das Risiko, die Stellung zu verlieren. "Ein Weltkonzern kann keine niedrigen Gehälter zahlen, sonst bekommt er nicht die besten Leute." Wer Managergehälter kritisiere, solle erst einmal nachweisen, dass er die Arbeit besser machen könne, sagte Oswald.

In der Politik dagegen werden die Forderungen nach einer gesetzlichen Einkommensregelung für Top-Manager immer lauter. Nach zahlreichen SPD-Politikern hat sich nun auch der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler dafür ausgesprochen. "Anders als viele behaupten, kann der Gesetzgeber durchaus Regelungen dafür treffen - zumindest bei den börsennotierten Unternehmen", sagte Geißler dem "Hamburger Abendblatt". "Die Eigentumsrechte stehen dem nicht entgegen."

Auch die Mehrheit der Deutschen ist offensichtlich dieser Meinung. Laut einer Umfrage für den "Stern" wünschen sich 70 Prozent eine gesetzliche Begrenzung der Managergehälter. Mit mehr als 75 Prozent treten vor allem die Anhänger der SPD, der Grünen und der Linkspartei dafür ein. Aber auch zwei Drittel der Unions-Wähler wollen, dass den hohen Vorstandsbezügen per Gesetz ein Riegel vorgeschoben wird.

Gegen eine gesetzliche Regelung sprachen sich insgesamt 26 Prozent aus, insbesondere Anhänger der FDP. Keine Meinung hatten vier Prozent. Das Forschungsinstitut Forsa hatte 1001 Bundesbürger vom 6. bis 7. Dezember befragt.

Geißler forderte außerdem, Aktienoptionen im Aktienrecht zu verbieten. Diese orientierten sich an dem kurzfristigsten Kriterium eines börsennotierten Unternehmens, nämlich am Aktienkurs, kritisierte Geißler. "Und so konzentrieren sich die Vorstände auf die Steigerung des Aktienkurses, was nicht identisch ist mit dem Wohl der Firma."

Geißler sprach sich zudem für neue Formen der Mitarbeiterbeteiligung aus: "Die Vorstandsetage allein kann keinen wirtschaftlichen Erfolg garantieren. Deshalb sollten die Arbeitnehmer in einer angemessenen Weise am Gewinn der Unternehmen beteiligt werden."

wal/AP

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