Millionenmann Jauch Die Günther AG

Moderator, Produzent, Immobilien-Besitzer, Werbeträger: Günther Jauch spielt viele Rollen zugleich, und viele davon zahlen sich aus. Der Moderator von "Wer wird Millionär?" ist so selbst ein vermögender Mann geworden – vielen bei der ARD war das nie ganz geheuer. Ein Blick auf das System Jauch.

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Hamburg - Sie wollten ihn und sie wollten ihn nicht: Beim Thema Jauch rang die Führung der ARD mit sich und blieb doch gespalten. Die einen schätzen den Journalisten, den so glaubwürdig lächelnden Sympathieträger. Die anderen misstrauen dem Unternehmer, der für "Glücksspiele, Lebensversicherungen oder weiß der Teufel was" Reklame macht, wie MDR-Intendant Udo Reiter schimpfte.

Moderator Jauch: "Weil ich nicht billig bin, bin ich nicht käuflich"
DPA

Moderator Jauch: "Weil ich nicht billig bin, bin ich nicht käuflich"

Günther Jauch hat stets den Spagat versucht. Seine Freiheiten lässt er nicht gerne beschneiden - das bekommt die ARD nun zu spüren. Sie versuchte, ihn enger als anfangs besprochen an sich zu binden. Es sei darauf gedrungen worden, "dass ich künftig, zumindest journalistisch, exklusiv für 'Das Erste' tätig sein ... sollte", begründete Jauch, als er seine Absage als Nachfolger von Sabine Christiansen bekanntgab.

Die Struktur des "Jauch-Imperiums" ist nicht leicht zu ergründen - und wer es versucht, bekommt schnell Ärger mit Jauch. Auch das mag das Unbehagen in Teilen der ARD mit erklären. Dass Jauch nach seiner Sonntagstalk-Absage die Arbeit ausgeht, ist freilich nicht zu befürchten. Wie der TV-Tausendsassa sein Geld verdient - ein Überblick.

Jauch, der Produzent: Seit dem Jahr 2000 gibt es die Produktionsfirma I&U TV - das Kürzel steht für Information und Unterhaltung. Nachdem eine Zeit lang der Großverlag Gruner + Jahr zu den Teilhabern gehörte, ist Jauch nun nach Angaben des Unternehmens Alleininhaber. Als Geschäftsführer und Chefredakteur tritt der Jauch-Vertraute Andreas Zaik auf.

Neben "Stern TV" liefert Jauchs Firma diverse weitere Sendungen ans Privat-TV - laut I&U-Website unter anderem die Formate "Die 70er Show" (RTL), "Hape trifft" (RTL) und "Der große Haustiertest" (Sat.1). Das Unternehmen mit rund 60 festen Mitarbeitern und Millionen-Umsatz ist im Handelsregister Köln eingetragen.

Jauch, der Werbeträger: Telekom, Krombacher, Quelle - wenige Prominente sind in der Werbung so präsent wie Jauch. Als die ARD den Moderator im Sommer zum Christiansen-Nachfolger kürte, wurden diese Werbeengagements rasch zum Streitthema: Politiker der Grünen und SPD verlangten, Jauch solle alle Werbeauftritte einstellen.

Wie hoch die Honorare sind, die Jauch für die Reklame-Auftritte erhält, ist schwer zu beziffern. Als ihn 2004 die Telekom anheuerte, meldete die "Bild"-Zeitung ohne Angaben von Quellen, Jauch erhalte fünf Millionen Euro allein aus diesem "Mega-Vertrag". Nach Daten von Thomson Media Control wurden 2006 TV-Werbespots und Anzeigen für - brutto - 19,8 Millionen Euro mit Jauch geschaltet.

Jauch selbst hat die Kritik an seinen Werbe-Engagements immer wieder zurückgewiesen. Schon früher betonte er, er spende alle Gewinne aus seiner Werbetätigkeit für gemeinnützige Zwecke. Heute teilte er mit, der Werbe-Streit habe nichts mit seiner Absage an die ARD zu tun. "Werbeengagements waren mir laut dem Vertrag nicht untersagt", sagte er. Er habe alle Verträge bereits gekündigt oder auslaufen lassen. "Diese Zugeständnisse zeigen, wie sehr ich an dem Format am Sonntagabend interessiert war."

Jauch, der Event-Entertainer: Nicht immer, wenn Jauch als Moderator auftritt, ist er live im TV zu sehen - er hat auch schon Privatevents präsentiert, unter anderem eine Benefizgala für den Versandhändler Quelle. Nach Angaben des Magazins "Impulse" soll ein solcher Jauch-Auftritt im Jahr 2004 rund 80.000 Euro wert gewesen sein - ein Top-Verdienst, der dem Bericht zufolge seinerzeit weit über den Gagen anderer Promis lag. Sabine Christiansen übrigens soll laut "Impulse" damals auf eine Durchschnittsgage von 30.000 Euro für ähnliche Auftritte gekommen sein.

Jauch, der Immobilien-Mann: Dass Jauch sein Privatleben abschirmt, ist bekannt. Während Promis der Bohlen-Liga ihr Beziehungsleben gerne öffentlich inszenieren, ging Jauch beispielsweise juristisch gegen Berichterstattung über seine Hochzeit vor.

Ähnlich in anderen Fällen wehrte sich der Journalist Jauch gegen Journalisten. Das gilt unter anderem für einen Bericht über Jauchs Grundbesitz an seinem Wohnort Potsdam - dort hat der TV-Moderator mehrere Immobilien erworben und saniert. Als ein "Bild am Sonntag"-Reporter Grundbuchdaten über Jauchs Potsdamer Besitz sichtete und 2004 unter dem Titel "Das Jauch-Imperium" darüber schrieb, ging Jauch juristisch dagegen vor: Er klagte beim Verwaltungsgericht gegen die Herausgabe der Informationen. Im vergangenen Jahr erhob die Staatsanwaltschaft Potsdam Anklage gegen den Reporter.

In einem Interview sprach Günther Jauch vor ein paar Jahren über Geld und sein Verhältnis dazu. Er ziele nicht darauf, seinen Wohlstand nach außen zu kehren oder seinem Kontostand entsprechend zu konsumieren. Ihm mache es nichts aus, mit dem Opel zur Waschanlage zu fahren - dieses Verhalten irritiere "viele Leute". Ihm gehe es um Unabhängigkeit, um die "Freiheit, ein Leben zu führen, das nicht den Erwartungen anderer und schon gar nicht meinen eigentlichen materiellen Möglichkeiten entsprechen muss."

Jauch räumte ein, dass er "nicht gratis" arbeitet. Dann sagte er dem Interviewer: "Etwas arrogant formuliert: Weil ich nicht billig bin, bin ich nicht käuflich."

Mit AP



Forum - Günther Jauch – Medien-Diva oder souveräner Profi?
insgesamt 230 Beiträge
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Seite 1
A.M.HB, 11.01.2007
1.
Nun macht mal nicht so einen medialen Heiopei, weder um die Christiansen noch den Jauch.
Hyäne 11.01.2007
2.
---Zitat von sysop--- Günther Jauch hat die Leitung der ARD-Sonntagstalkshow überraschend angesagt. Ist er eine empfindliche Diva des Medienbetriebs oder ein souveräner Politprofi? Wie bewerten Sie seine Entscheidung? ---Zitatende--- Ich denke die finanzielle Beschränkung hat ihm Sorgen gemacht.....
Wolf Gang, 11.01.2007
3.
---Zitat von sysop--- Günther Jauch hat die Leitung der ARD-Sonntagstalkshow überraschend angesagt. ---Zitatende--- ANgesagt hat er, dass er absagt. Und mich interessiert das ehrlich gesagt genauso wenig wie ein umgestürzter Kaktus in Mexiko. Sorry
Torsten Fregin, 11.01.2007
4. Kann für den Talk nur gut sein...
Also, als Investigative Journalisten mit Rhetoriktalent hab ich den lieben Günther nie wargenommen... Bin ja gespannt, wen die ARD jetzt nehmen will. Kann ja nur besser werden...
Spiegeleye, 11.01.2007
5. Respekt, Herr Jauch!
Ich muß sagen, mit dieser Absage hat der Jauch meinen Respekt wiedergewonnen. Die Begründung, er wolle nicht zum Spielball der politischen Farbenlehre in der ARD werden, ist klasse. Mal ehrlich, die ARD hat manchmal Züge eines Staatsfernsehens, das bisweilen ideologisch-doktrinär in Sachen Political Correctness daher kommt, besonders in Person des Fritz Pleitgen. Und was wurde eigentlich aus der Kritik an der Russland-Sendung von Christiansen?
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