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Millionenschaden: Bundesbank verzockt sich mit Ost-Immobilien

Der Bundesbank droht nach ARD-Recherchen ein Verlust von 100 Millionen Euro. Nach der Wende baute das Institut in den neuen Bundesländern zahlreiche Verwaltungsgebäude - jetzt müssen sie zu Billigpreisen verkauft werden.

Hamburg – Ost-Immobilien zum Schleuderpreis: Die Bundesbank bietet in den neuen Bundesländern Gebäude weit unter den Baukosten zum Kauf an, wie das ARD-Wirtschaftsmagazin "Plusminus" berichtet. So seien etwa ein Verwaltungsgebäude und zwei Wohnhäuser in Halle 1997/98 für 32 Millionen Euro erbaut worden - heute verlange die Bundesbank dafür nur noch 2,8 Millionen Euro, nicht mal ein Zehntel der ursprünglichen Kosten. Ein ähnlich hohes Verlustgeschäft mache die Bundesbank in Halberstadt, wo die im Jahr 2000 für 17 Millionen Euro gebauten Häuser für 1,89 Millionen Euro angeboten werden.

Bundesbank-Gebäude in Halle: Hohe Sicherheitsstandards führen zu hohen Baukosten
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Bundesbank-Gebäude in Halle: Hohe Sicherheitsstandards führen zu hohen Baukosten

In die Immobilien ist laut "Plusminus" noch Mitte der neunziger Jahre investiert worden, obwohl damals bereits klar war, dass die Bundesbank im Zuge der europäischen Währungsunion zahlreiche Aufgaben an die Europäische Zentralbank (EZB) abgeben musste und kein Bedarf mehr bestand.

Eine Sprecherin der Bundesbank bestätigte, dass die Gebäude weit unter Herstellungspreis angeboten würden, wollte den von dem Magazin berechneten Verlust von rund 100 Millionen Euro jedoch nicht kommentieren. Die Investitionen in die Gebäude seien kurz nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 beschlossen worden. Damals sei die Bundesbank noch davon ausgegangen, dass zahlreiche Filialen in Ostdeutschland neu errichtet werden müssten, um den Aufgaben der Notenbank gerecht zu werden, sagte die Sprecherin. "Die hohen Herstellungskosten sind Folge des zwangsläufig hohen Sicherheitsstandards im Bargeldgeschäft der Notenbank", erklärte die Bundesbank.

Zwei unabhängige Sachverständigengutachten hätten ergeben, dass für die Gebäude keine höheren Preise am Markt zu erzielen seien, sagte die Sprecherin weiter. Für Rainer Holznagel vom Bund der Steuerzahler ist der absehbare Verlust der Notenbank trotzdem ein Skandal. "Das ist schlicht und ergreifend Verschwendung von Mitteln. Mit sehr vielen Geldern wurden hier Objekte gebaut, für die es einerseits keinen Bedarf gab. Und andererseits werden sie heute zu Preisen verkauft, die bei weitem nicht das einbringen, was die Bundesbank investiert hat", sagte er "Plusminus".

Die Bundesbank verweist ihrerseits auf die erst 2002 durch das neue Bundesbankgesetz in die Wege geleitete Strukturreform. Seitdem sei die Zahl der Filialen von 118 auf mittlerweile 47 reduziert worden. Insgesamt führe das zu Einsparungen - in den vergangenen fünf Jahren seien so rund 870 Millionen Euro weniger ausgegeben worden. Dem stünden einmalige Kosten von 650 Millionen Euro gegenüber.

ase/Reuters/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Schafft endlich die Bundesbank ab, sie ist überflüssig!
kellitom, 11.12.2007
Warum gibt es die Bundesbank überhaupt noch? Deren Aufgaben werden von der EZB wahrgenommen. Statt sich um die Aufsicht der durch subprimes außer Rand und Band geratenen Banken zu kümmern, mischt sich der Chef der Bundesbank in die Politik ein, fordert weitere "Reformen", sprich Sozialraub, kritisiert völlig zu Unrecht die Einführung von Mindestlöhnen und steigt jetzt auch noch mit großen Verlusten in das Immobiliengeschäft ein. Diese Verluste müssen natürlich wir Steuerzahler tragen. Die Bundesbank ist vollkommen überflüssig, extrem teuer und kümmert sich nicht um ihre kümmerlichen Restaufgaben: Da gibt es nur eine Lösung: Die Abschaffung der inkompetenten Bundesbank wäre ein Segen für Deutschland.
2. Bundesbank
Bernd Klehn 11.12.2007
Ist dieses ernsthaft ein Thema? So etwas passiert zwangsläufig, wenn der Euro eingeführt wird. Etwas weniger Tratsch und reißerischer Journalismus würde uns allen gut tun. Zum Vorschreiber: Wir brauchen die Bundesbank weiterhin. Sie muss schön auf unsere Währungsreserven, unser Gold, unseren Anteil am Euro aufpassen, Wirtschafts-/Finanzdaten zusammentragen, notfalls der Wirtschaft, den Politikern und Banken auf die Finger klopfen und dass die europäische Zentralbank nicht gegen unsere Interessen handelt und dafür die Rückfallposition offen halten die DM doch wieder einzuführen, wenn alles gegen unseren Strich geht.
3. Bitte mit mehr Sachverstand ...
Max_Schreibspecht 12.12.2007
Ich weiß nicht, wie der Spiegel zu der Überschrift kommt! Wenn 870 Mio gespart und 650 Mio für die Filialschließungen aufgewendet werden müssen, bleibt ein Gewinn von 220 Mio! Selbst wenn da die 100 Mio Abschreibungen noch nicht drin sind, bleiben 120 Mio... Davon abgesehen kann der Bundesbank hier kein Vorwurf gemacht werden: Tresoranlagen kosten sehr viel Geld. Ein Kauf ist bei der Größe der Anlagen selbst für eine Geschäftsbank unattraktiv. Daher die niedrigen Marktwerte. Es stimmt auch nicht, dass die Einführung des Euro oder die Machtübergabe an die EZB die Filialen überflüssig gemacht hätten. Die Filialen wickeln den operativen Betrieb, d.h. die Bargeldversorgung ab. Hierfür ist die EZB nicht zuständig. Die Schließung der Filialen war vielmehr eine geschäftspolitische Entscheidung der Bundesbank. Und wenn die Einsparungen die Aufwendungen übertrifft, sollten wir als Bürger uns freuen. Davon abgesehen erwirtschaftet die Bundesbank jedes Jahr hohe Gewinne - kostet den Steuerzahler also keinen Cent. Und die werden durch die Filialschließungen dann hoffentlich weiter steigen ;-)
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