Minus drei Prozent: Weltbank sagt Absturz der globalen Wirtschaft voraus

Wie schlimm wird die globale Wirtschaftskrise wirklich? Die Weltbank legt jetzt eine besonders düstere Prognose vor: Die Organisation erwartet ein Minus von drei Prozent - und korrigiert damit die eigene Vorhersage radikal nach unten. Für die Exportnation Deutschland wäre dies ein herber Schlag.

Washington - Extrem düstere Prognose für die Weltwirtschaft: Obwohl viele Ökonomen erste Anzeichen für eine Konjunkturerholung sehen, schraubt die Weltbank ihre Konjunkturerwartung radikal nach unten. Bisher ging die Organisation davon aus, dass die globale Wirtschaft in diesem Jahr um 1,75 Prozent schrumpft - jetzt rechnet sie mit minus drei Prozent.

Stahlarbeiter in China: Immer mehr ungenutzte Produktionskapazitäten Zur Großansicht
REUTERS

Stahlarbeiter in China: Immer mehr ungenutzte Produktionskapazitäten

Sollte sich die Vorhersage bewahrheiten, wäre dies ein herber Schlag für die meisten Staaten der Erde: Seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich die Weltwirtschaft als Ganze noch nie negativ entwickelt, bisher gab es jedes Jahr wenigstens ein geringes Wachstum. Vor allem Deutschland leidet unter der schwachen Weltkonjunktur: Als Exportnation ist die Bundesrepublik extrem abhängig von der globalen Nachfrage.

Die Weltbank registriert in ihrer Prognose zwar, dass sich die Finanzmärkte in vielen Industrieländern stabilisiert hätten. Gleichzeitig steige jedoch die Arbeitslosigkeit, und es gebe immer mehr ungenutzte Produktionskapazitäten, teilte die Weltbank am Donnerstag in Washington mit.

Immerhin: Im Laufe des kommenden Jahres könnte sich wieder Wachstum einstellen, sagte Weltbankpräsident Robert Zoellick. "Doch das Tempo der Erholung ist ungewiss, und die Entwicklungsländer werden die Nachbeben (der Krise) zu spüren bekommen." Die Armen der Welt würden "von Schockwellen wirtschaftlichen Leids getroffen", sagte Zoellick.

Nach Einschätzung der Weltbank wird die Wirtschaft in den meisten Entwicklungsländern 2009 schrumpfen. Die Aussichten für ärmere Staaten seien düster, solange sich die Lage bei den Exporten, bei Überweisungen von Familienmitgliedern aus dem Ausland und bei ausländischen Direktinvestitionen nicht bessere.

Mit ihrer nach unten korrigierten Prognose ist die Weltbank deutlich pessimistischer als ihre Schwesterorganisation, der Internationale Währungsfonds (IWF). Dieser hatte Ende April einen Rückgang der Weltwirtschaft in diesem Jahr um lediglich 1,3 Prozent vorhergesagt. Allerdings wäre auch schon dies die mit Abstand schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg.

Schlechte Daten aus China, gute aus den USA

Auch an diesem Donnerstag zeigte sich der IWF zuversichtlicher als die Weltbank - vor allem für das kommende Jahr. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters erhöhte die Organisation ihre Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft 2010 auf 2,4 Prozent. Bisher hatten die Experten ein Plus von 1,9 Prozent erwartet. Grund für den Optimismus seien die staatlichen Konjunkturpakete der vergangenen Monate, hieß es.

Allerdings warnt auch der IWF, dass sich die Erholung nur schrittweise vollziehen werde. Die Konjunktur sei noch immer großen Gefahren ausgesetzt. Für das laufende Jahr bleibt der IWF bei seiner Minus-1,3-Prozent-Prognose.

Negative Daten legte am Donnerstag auch China vor. Der Export aus der Volksrepublik sackte im Mai um 26 Prozent ab. Besser sieht die Lage in den USA aus: Hier entwickelten sich die Einzelhandelsumsätze verhältnismäßig gut, außerdem meldeten sich weniger Personen arbeitslos als in den Wochen zuvor. Die steigende Nachfrage nach Öl und der damit verbundene Preisanstieg werden ebenfalls als Zeichen für eine Erholung gewertet. Düster sind indes die Aussichten im Euro-Raum: Die Europäische Zentralbank erwartet eine Dauer-Rezession bis Mitte 2010.

Weltbankpräsident Zoellick erinnerte an die Versprechen der wichtigsten Wirtschaftsnationen bei ihrem jüngsten Gipfeltreffen in London, ihre jeweiligen Kreditmärkte und den internationalen Kapitalfluss wieder in Gang zu bringen. Diese Zusagen müssten bei den anstehenden G-8-Beratungen weiterverfolgt werden, forderte er.

Die internationale Gemeinschaft müsse in den kommenden Jahren mehr als bisher unternehmen, um Ressourcen zu mobilisieren, "damit die Armen nicht für eine Krise zahlen, die sie nicht verursacht haben". Die Nachfrage der ärmsten Länder nach Weltbankkrediten habe im endenden Fiskaljahr mit 13 Milliarden Dollar einen Rekord erreicht.

wal/dpa/Reuters

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