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Miserable Arbeitsbedingungen: Gewerkschaften kritisieren Nike & Co

Unbezahlte Überstunden, Hungerlöhne und giftige Chemikalien: Laut Gewerkschaftsangaben haben sich die Arbeitsbedingungen bei den asiatischen Zulieferfirmen von internationalen Sportartikelherstellern nicht verbessert. Daran ändert auch Olympia nichts.

Brüssel - Erst war es Puma, jetzt trifft es auch Adidas, Nike, New Balance oder Fila. Erst am Samstag hatte der SPIEGEL Vorwürfe veröffentlicht, Puma lasse seine Schuhe von Zulieferern unter "schwerer Ausbeutung von Arbeitern" produzieren. Jetzt kommt ein Bericht der internationalen Play-Fair-2008-Kampagne auch für andere internationale Sportartikelhersteller zu einem ähnlichen Ergebnis: Auch sie lassen ihre Waren unter verheerenden Arbeitsbedingungen produzieren, wie es in einer Untersuchung der Kampagne heißt.

Nike-Produktion in Indonesien: "Ich bin zu Tode erschöpft"
REUTERS

Nike-Produktion in Indonesien: "Ich bin zu Tode erschöpft"

Die Situation bei den asiatischen Zulieferern von internationalen Sportartikelherstellern habe sich auch im Olympiajahr nicht verbessert: Unbezahlte Überstunden, Sieben-Tage-Wochen, Hungerlöhne sowie ständige Arbeit mit giftigen Chemikalien seien weit verbreitet, heißt es in der Studie. Seit den Olympischen Spielen vor vier Jahren in Athen hätten sich die Bedingungen kaum verbessert, stellten die Berichterstatter fest, die 300 Arbeiter in China, Indien, Thailand und Indonesien befragt hatten.

Demnach bekommen Sportschuh-Näher in China oft Hungerlöhne von umgerechnet unter 1,25 Euro am Tag ausgezahlt. Zum Teil würden von den Zulieferfirmen zudem Hunderte unbezahlte Überstunden pro Beschäftigtem und Monat verlangt. Rechtsverletzungen seien trotz der Milliardengewinne in der Sportartikel-Industrie weit verbreitet, so der Bericht weiter.

"Ich bin zu Tode erschöpft", zitierte die Studie einen Arbeiter in einer Fabrik im chinesischen Dongguan. "Zu zweit müssen wir pro Stunde 120 Turnschuhe kleben. Wir arbeiten ohne Pause und ständig unter dem Druck, unsere Quoten nicht zu schaffen". In einer anderen Fabrik kamen die Arbeiter auf bis zu 232 unbezahlten Überstunden monatlich, mussten aber gleichzeitig für die Hälfte des gesetzlichen Mindestlohns arbeiten.

Der SPIEGEL hatte von den Vorwürfen der China Labor Watch (CLW) berichtet, einer in New York ansässigen Nichtregierungsorganisation. Danach würden in der Fabrik von Taiway, einem taiwanesischen Puma-Zulieferer im südchinesischen Dongguan, Arbeiter gezwungen, Überstunden zu leisten, ohne angemessen dafür entlohnt zu werden. Statt der gesetzlichen acht Stunden müssten sie zehn bis zwölf Stunden arbeiten.

Einer der Unterstützer der Play-Fair-Kampagne, Jeroen Merk von der Clean Clothes Campaign, rief die großen Sportartikelkonzerne auf, sich für bessere Arbeitsbedingungen bei ihren Zulieferern einzusetzen. Gemeinsam könnten sie dafür sorgen, dass die "Misere der Arbeiter" ein Ende findet.

Der Generalsekretär des Internationalen Gewerkschaftsbunds (IGB), Gary Rider, erklärte, dass das Internationale Olympische Komitee angesichts von Missständen bei der Produktion von Artikeln mit Olympia-Logo bisher keine konkreten Zusagen in Bezug auf den Schutz von Arbeitnehmerrechten abgegeben habe.

sam/APF/ddp

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