MLP Termühlen wirbt um Vertrauen der Aktionäre

Nach den Turbulenzen um vermeintliche Bilanztricksereien versucht MLP-Vorstandschef Bernhard Termühlen die Sorgen der Aktionäre zu zerstreuen. Während der Hauptversammlung warf die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre dem Finanzdienstleistungsunternehmen dennoch schlechte Informationspolitik vor.


Vorstanstandsvorsitzender Termühlen: Vertrauen in MLP festigen
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Vorstanstandsvorsitzender Termühlen: Vertrauen in MLP festigen

Mannheim - "Wir haben niemals höhere als die wirklichen Gewinne ausgewiesen", sagte MLP-Chef Bernhard Termühlen auf der Hauptversammlung. Die Bilanz des Unternehmens habe niemals Faktoren enthalten, die Risiken für künftige Gewinne bedeuteten. "Ich betrachte es gegenwärtig als das wichtigste Ziel, das Vertrauen in MLP und seinen Erfolg zu festigen", erklärte Termühlen.

Nach einem Bericht des Anleger-Magazins "Börse Online" vor knapp zwei Wochen war die MLP-Aktie Chart zeigen massiv eingebrochen. Die Zeitschrift hatte gemeldet, MLP habe mit Rückversicherungsgeschäften bei Lebensversicherungen seinen Bilanzgewinn künstlich aufzublähen und daraus entstehende mögliche Verluste zu verschleiern versucht. Termühlen hatte dies jedoch unverzüglich dementiert.

SdK: "Unsägliche Kommunikation"

"Die Art und Weise der Kommunikation ist für die Kapitalmärkte unsäglich", schimpfte Harald Petersen von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Erneut verlangte die SdK eine Sonderprüfung der Bilanz für das Jahr 2001.

Als unabhängiger Versicherungsexperte erläuterte der Mannheimer Wirtschaftsprofessor Peter Albrecht den Aktionären auf der Hauptversammlung das Rückversicherungsgeschäft. Ursprünglich sollten Vertreter von Deloitte & Touche und KPMG diese Aufgabe übernehmen. MLP verzichtete jedoch darauf, um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, einen voreingenommenen Experten hinzuzuziehen. Deloitte prüft einen der drei Rückversicherer von MLP, KPMG ein MLP-Tochterunternehmen.

Gängige Praxis

Albrecht, selbst MLP-Aktionär, sprach sich laut Redetext entschieden gegen die Kritik an den Bilanzierungspraktiken des Unternehmens aus. Die Rückversicherung von Lebensversicherungen sei besonders bei jungen, stark wachsenden Versicherungen üblich. Die Versicherung nehme damit auch wirtschaftlich betrachtet keine Kredite auf. Es würden weder Schulden verschleiert noch Gewinne aufgebläht.

Zuvor hatten auch Versicherungsexperten und Analysten die Rückversicherung von Lebensversicherungen als verbreitete Praxis bezeichnet. Sie schlossen aus, dass MLP aus dem Geschäft Zahlungsverpflichtungen in der Zukunft entstünden.

Binnen zweier Tage nach der Veröffentlichung des "Börse-Online"-Berichts war die MLP-Aktie um ein Drittel auf gut 40 Euro eingebrochen. Den starken Kursverfall der Aktie erklärte Termühlen mit der nervösen Verfassung der Kapitalmärkte, die skeptisch bezüglich der Wachstumswerte seien und Gerüchte bereitwillig aufnähmen. Bereits einige Male hatten Berichte über angebliche Bilanztricks die MLP-Aktie unter Druck gesetzt. Der Finanzdienstleister verdächtigte Hedge-Fonds, mit dem Kursrückgang der Aktien Gewinne zu machen.

Abgekartetes Spiel

Termühlen behauptete, die Attacke gegen MLP sei ein abgekartetes Spiel bestimmter Interessengruppen. "Bitte messen Sie mich und meine Vorstandskollegen an unseren Zahlen und an der Realisierung unserer positiven Prognosen und nicht an zweifelhaften, böswilligen Spekulationen und Unterstellungen", appellierte er an die Aktionäre.

Firmengründer und Aufsichtsratschef Manfred Lautenschläger betonte, der Aufsichtsrat habe keinen Zweifel an der Bilanzierung von MLP. Um dennoch möglichen Schaden von dem Unternehmen und seinen Aktionären abzuwenden, werde zusätzlich zu Rölfs & Partner noch Ernst & Young als Prüfer der Bilanz 2002 vorgeschlagen. Ernst & Young sei außerdem beauftragt worden, die Bilanzen 2001 der MLP-Versicherungstöchter gesondert zu prüfen. Eine von Kleinaktionären geforderte Sonderprüfung hatte MLP zuvor noch abgelehnt.

Mehr Berater und Geschäftsstellen

Für das Geschäftsjahr 2002 bekräftigte Termühlen frühere Prognosen: MLP erwarte ein Wachstum von rund 30 Prozent beim Konzernergebnis vor Steuern auf rund 195 Millionen Euro. Für 2003 werde ein Vorsteuer-Ergebnis von rund 250 Millionen Euro angepeilt.

Das Konzernergebnis vor Steuern hatte im ersten Quartal nach MLP-Angaben im Vergleich zum Vorjahr um 32 Prozent auf 24,5 Millionen Euro zugelegt. Der Quartalsüberschuss stieg ebenfalls um 32 Prozent auf 15 Millionen Euro. Die Gesamterlöse im Konzern verbesserten sich um 21 Prozent auf 242,7 Millionen Euro.

In diesem Jahr soll erneut die Zahl der Berater, Geschäftsstellen und Kunden kräftig gesteigert werden. MLP will Termühlen zufolge auch im europäischen Ausland weiter expandieren. Nach Spanien in diesem Jahr sei für 2003 der Marktzutritt in Frankreich geplant. Der Anteil des Auslandsgeschäfts am Gesamterlös soll von acht Prozent 2001 bis 2001 auf 25 Prozent gesteigert werden.





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