Mobbing gegen Sekretärin: Deutsche Bank muss 1,2 Millionen Euro zahlen

Weil eine Londoner Sekretärin der Deutschen Bank jahrelang von Kollegen schikaniert wurde, muss das Kreditinstitut jetzt eine saftige Entschädigung zahlen: 1,2 Millionen Euro sprach das Gericht dem Mobbing-Opfer zu.

London - Alptraum Arbeitsplatz: Sie habe in einer "Abteilung der Hölle" gearbeitet, erklärte Helen Green vor Gericht. Jahrelang sei sie ausgegrenzt und verhöhnt worden. Helen Green war von 1997 bis 2003 Sekretärin bei der Deutschen Bank Chart zeigen in London. Nach zwei Nervenzusammenbrüchen hatte sie 2001 aufgehört zu arbeiten, 2003 war ihr Vertrag aufgehoben worden.

Sie sei Spielball von zwei Kollegen und zwei Vorgesetzten gewesen, erklärte die ehemalige Bankerin jetzt. Die vier Frauen hätten ihr beispielsweise vorgeworfen zu "stinken". Wenn sie eine auf die Arbeit bezogene Frage gestellt habe, sei sie manchmal nur angeschwiegen worden. Nachts habe sie ihre Unterlagen wegschließen müssen, weil sie sonst gestohlen worden wären.

Sie habe von der Chefetage keine Hilfe bekommen, erklärte Green außerdem während des Prozesses. Das Gericht wies nun der Bank eine Mitverantwortung dafür zu, dass die heute 36-jährige Helen Green derart schikaniert worden sei. Die Bank muss der ehemaligen Mitarbeiterin nun 1,2 Millionen Euro Schadenersatz zahlen. Dieser Betrag umfasst unter anderem Ersatz für verlorene Gehälter, Wiedergutmachung für psychische Schäden, den Verlust von Pensionsansprüchen sowie Arzthonorare.

Helen Green sei Opfer "einer vorsätzlichen und abgestimmten Kampagne des Mobbings" anderer Mitarbeiter gewesen, erklärte der Vorsitzende Richter in London anschließend. "Wie auch immer man es betrachtet, das Verhalten dieser Frauen war unterdrückend und unzumutbar", entschied er. Die Deutsche Bank hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Sie erklärte heute, sie akzeptiere die Entscheidung des Gerichts. Ob Berufung eingelegt werde, sei noch offen.

Green hatte während ihrer Zeit bei der Bank unter Depressionen gelitten, die auch nach ihrem Ausscheiden im Jahr 2001 noch anhielten. Nach dem Urteil zeigte sie sich "begeistert". Sie will nun den Beruf wechseln und Lehrerin werden. Sie betonte auch, dass es sich bei ihr nicht um einen Einzelfall handle. Mobbing sei im Londoner Bankenviertel durchaus verbreitet.

Schadensersatzklagen sind in der Londoner Finanzwelt keine Seltenheit - meist geht es um Mobbing oder den abfälligen Umgang mit Untergebenen. So hatte ein hochrangiger Mitarbeiter bei der Broker-Firma Cantor Fitzgerald 2003 Zahlungen durchgesetzt, nachdem ihn sein Chef mit permanenten Beleidigungen zur Kündigung gebracht hatte. Zu Jahresanfang hatten zudem mehrere Beschäftigte der Investmentbank Dresdner Kleinwort - bis vor kurzem Dresdner Kleinwort Wasserstein - eine milliardenschwere Diskriminierungsklage angekündigt.

ase/AFP/reuters

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles zum Thema Mobbing
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite