Mode Italiener entwerfen erste Muslim-Jeans

Hohe Taille, weite Beine und jede Menge Taschen für Accessoires - so sieht sie aus, die erste Jeans für Muslime. Ein kleines Unternehmen aus Norditalien hat eine spezielle Jeans-Linie entwickelt, die Muslimen ein bequemes Gebet ermöglichen soll - und hofft auf Millionen-Umsätze.


Rom - "So weit wir wissen, sind wir die ersten, zumindest in Italien", sagt Luca Corradi, der Designer der Al-Quds-Jeans. Al Quds ist der arabische Name für Jerusalem. Der weite Schnitt soll Bequemlichkeit beim Niederknien sichern und die Taschen Accessoires wie Uhren, Armbänder und Brillen aufnehmen, die Muslime beim Gebet ablegen müssen. Zudem hat die Jeans grüne Nähte - weil Grün die heilige Farbe des Islams ist.

Homepage der Al-Quds-Jeans: Muslim-Jeans für 25 Euro 

Homepage der Al-Quds-Jeans: Muslim-Jeans für 25 Euro 

Abdel Hamid Shaari, der Präsident des Islamischen Kulturinstituts in Mailand, meint, kostengünstige bequeme Jeans speziell für Muslime könnten einen großen Markt in islamischen Ländern und in Ländern mit großem muslimischem Bevölkerungsanteil erschließen. Shaari war früher Produktionsleiter für die italienischen Carrera-Jeans. "Abgesehen von einem Nischenmarkt, der Jeans von Armani und anderen Top-Designern verlangt, wollen ungefähr 90 Prozent der Muslime Jeans, die strapazierfähig, bequem und nicht teuer sind", sagt er. Der gebürtige Libyer fügt hinzu: "Normale Jeans können tatsächlich etwas steif zum Beten und Knien sein".

Der Hersteller Al Quds hat zunächst 9500 Paar der neuen Jeans an den französischen Einzelhandelskonzern Carrefour verkauft. Carrefour hat nach eigenen Angaben ein erstes Kontingent von etwa 50 Jeans in Italien zu einem Einführungspreis verkauft. Der reguläre Preis soll bei 25 Euro liegen. Ob die Jeans allerdings von Muslimen gekauft worden seien, sei nicht festzustellen, heißt es bei Carrefour. Eine Vermarktung ausschließlich für Muslime sei nicht geplant. Das Modell überzeuge bei Qualität und Preis. "Wir haben keine politische oder religiöse Ausrichtung", stellt eine Sprecherin des Konzerns in Italien klar.

Die Herstellerfirma in Udine will vor allem bei den 1,1 Millionen Muslimen in Italien ankommen. Auf der Internetseite werden die Jeans als "neuer Ausdruck für eine alte Tradition" beworben. Ist der Verkauf in Italien erfolgreich, peilt das Unternehmen die 18 Millionen in Europa lebenden Muslime als Zielgruppe an. Hergestellt werden die Jeans in einer pakistanischen Fabrik bei Karachi, die etwa 15.000 Personen beschäftigt. Die "ersten Jeans für den Islam" sollten auch von muslimischen Händen hergestellt werden, sagt Designer Corradi.

Maria Sanminiatelli, AP



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