SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

22. Februar 2007, 19:21 Uhr

Modellprojekt

Privatvermittler dürfen Arbeitsagentur spielen

In sechs Städten wird es künftig private Arbeitsagenturen geben: Neben staatlichen Stellen sollen dort künftig auch Privatunternehmen Arbeitslose betreuen dürfen. Vielleicht könne man von den Privaten ja was lernen, heißt es bei der Bundesagentur für Arbeit.

Nürnberg - Der Verwaltungsratschef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Peter Clever, betonte, es gehe bei dem Modellversuch keineswegs darum, private Vermittler gegen die Arbeitsagenturen auszuspielen. "Wir wollen vielmehr lernen, wie Private an die Vermittlung von Arbeitslosen herangehen, wenn ihnen dieser Bereich als Komplettangebot übertragen wird", sagte Clever. "Es geht nicht um ein Gegeneinander, sondern darum, gegenseitig voneinander zu lernen". Ein Effekt des Modellversuchs könnte sein, dass Arbeitsagenturen bestimmte erfolgreiche Verfahren und Praktiken für ihre eigene Arbeit übernehmen.

Die Testphase sieht vor, in sechs deutschen Städten die Betreuung von jeweils 500 bis 1000 mittel- bis schwer vermittelbaren Arbeitslosengeld-I-Empfängern an Privatfirmen zu übertragen. Ausgewählt werden sollen die Städte Erfurt, Magdeburg und Dresden sowie Köln, Nürnberg und Bochum. Erwartet werde von den Privatvermittlern eine Rund-um-Betreuung der Arbeitslosen. Beauftragte Firmen sollen nach vorläufigen Plänen neben einer Grundpauschale auch eine Erfolgsprämie erhalten.

Gewerkschaften gegen das Projekt

Das grüne Licht für den Praxistest habe der Verwaltungsrat heute gegeben, teilte Clever mit. Neben den von Clever vertretenen Arbeitgebern hätten sich auch Vertreter von Bund, Ländern und Kommunen dafür ausgesprochen. Gewerkschaftsvertreter hätten sich bei einer Abstimmung zur Ermittlung des "Stimmungsbildes" dagegen ausgesprochen.

Nach Clevers Darstellung haben die im Verwaltungsrat vertretenen Gewerkschafter ihre Ablehnung damit begründet, dass dies der Einstieg in die Privatisierung der BA sein könnte. Bereits im Vorfeld der Sitzung hatte der Leiter der Abteilung Arbeitsmarktpolitik beim DGB-Bundesvorstand, Wilhelm Adamy, in der "Thüringer Allgemeinen" kritisiert, der Modellversuch fände unter ungleichen Wettbewerbsbedingungen statt. Die Arbeitsagenturen seien viel zu schlecht ausgestattet. Das Geld für die Privaten sollte daher besser für die Personalaufstockung in den Agenturen genutzt werden, um dort den Betreuungsschlüssel zu verbessern.

ase/dpa

URL:


© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung