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Modernisierung von Windparks: Hormonkur für Giganten

Von Ralph Diermann

Noch größer, noch kräftiger: Die deutsche Windbranche steckt im Höhenrausch, ersetzt alte Mühlen durch modernere Rotoren. Die neuen Anlagen ragen teils 150 Meter in den Himmel, die Unternehmen wittern ein Milliardengeschäft - doch Anwohner fühlen sich bedrängt und wollen die Riesenräder stoppen.

Repowering-Park auf Fehmarn: "Höhere Türme, größere Rotoren" Zur Großansicht
DPA

Repowering-Park auf Fehmarn: "Höhere Türme, größere Rotoren"

München - In Simonsberg, einer kleinen Gemeinde südwestlich von Husum, ist eine Zukunftsvision der Windenergie Wirklichkeit geworden: Die Eigentümer haben elf ihrer dreizehn Windräder abmontieren lassen. An deren statt ragen jetzt drei riesige Räder direkt am Deich in den Himmel.

Die Simonsberger drehen seit kurzem große Räder - wegen der Energieeffizienz: Die alten Anlagen kamen auf einen durchschnittlichen Jahresertrag von etwa 14 Millionen Kilowattstunden, die neuen Rotoren liefern jeweils fast 50 Millionen Kilowattstunden.

Was in Simonsberg geschehen ist, steht auch anderen Gemeinden bevor. Viele Windräder, die Mitte der neunziger Jahre errichtet wurden, stehen kurz vor der Ausmusterung. Die 600-Kilowatt-Anlagen werden altersschwach, produzieren nur ein Zehntel der Strommenge, die moderne Riesenrotoren liefern. In vielen deutschen Orten sollen in den kommenden Jahren neue Anlagen gebaut werden.

Die Branche selbst hat dafür schon ein passendes Label: Sie nennt den Austausch "Repowering". Und sie wittert ein Riesengeschäft. "Von den heute installierten Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 25.800 Megawatt könnten in den nächsten zehn Jahren bis zu 18.000 Megawatt durch neue Anlagen ersetzt werden", sagt Herrmann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie (BWE). Investitionen von mehr als 60 Milliarden Euro wären dafür nötig. Zum Vergleich: In den Aufbau gigantischer Hochsee-Windparks und das Erschließen neuer Standorte an Land sollen im gleichen Zeitraum rund 40 Milliarden Euro fließen.

Bürgerprotest gegen die Windwende

Ob die zusätzlichen Milliarden fließen, ist allerdings nicht gesagt. Denn Repowering hat viele Feinde. Wozu diese fähig sind, zeigt sich gerade in einer anderen deutschen Gemeinde: in Langenhorn, nahe der dänischen Grenze. Dort kämpft beispielsweise Bernd Korthaus gegen den Bau von Riesenrotoren.

In seiner Gemeinde sollen sieben Anlagen mit je fast 50 Metern Gesamthöhe durch vier Windräder ersetzt werden, die dreimal so groß sind. Korthaus fühlt sich davon bedrängt. "Die Anlagenhöhe der neuen Generation liegt jenseits von Gut und Böse", moniert er. Er fürchtet zudem, dass die vier Anlagen nur die Vorhut eines Mega-Windparks mit bis zu 16 Turbinen sind, da die Gemeinde bei der Landesregierung beantragt hat, weitere Flächen als mögliche Windkraftstandorte auszuweisen. "Die neuen Anlagen würden das komplett flache Landschaftsbild stark schädigen."

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Grafiken: Windenergie in Deutschland
Korthaus hat deshalb eine Bürgerinitiative gegründet - und steht damit nicht allein da. Viele Bundesbürger begrüßen die Ökostromwende generell, sperren sich aber gegen Solar- und Windparks in ihrer Gemeinde. Motto: Ökostrom, bitte ja, aber nicht vor der eigenen Haustür. Nicht nur in Langenhorn, auch in anderen Gemeinden Schleswig-Holsteins regt sich deshalb Widerstand.

Die Windparkgegner aus Langenhorn wollen gegen das Repowering in ihrer Region vor Gericht ziehen. Und in der Tat stellt das deutsche Recht Anlagenbetreibern keinen Freibrief aus: Denn während Windräder, die vor 15 Jahren errichtet wurden, kaum höher als der örtliche Kirchturm waren, sprengen die neuen Modelle in vielen Bundesländern und Kommunen die zulässigen Höhenbegrenzungen. Hinzu kommt, dass das Baurecht in manchen Regionen einen Abstand von bis zu tausend Metern zur Wohnbebauung verlangt, wenn neue Windräder errichtet werden sollen.

Repowering als Investitionschance

BWE-Chef Albers ärgert sich über solche Einschränkungen: "Wir können mit höheren Türmen auf weniger Fläche deutlich mehr Energie produzieren", sagt er. Wolle man die Klimaschutzziele der Bundesregierung erreichen, müsse man große Windanlagen bauen - oder mehr Flächen für die Windenergie ausweisen. Und der Windenergie-Verband sieht im Repowering sogar eine Aufwertung des Landschaftsbilds, da sich verstreute Anlagen an einem Standort zusammenfassen lassen. So könnten Kommunen Planungsfehler aus der Vergangenheit korrigieren.

Tatsächlich finden sich auch unter den 3000 Einwohnern der Gemeinde viele Repowering-Befürworter. Denn die Langenhorner können sich finanziell am neuen Windpark beteiligen und so mit der Produktion von Ökostrom Geld verdienen. Insgesamt 570 der etwa 1400 Haushalte haben bereits verbindlich erklärt, Anteile zu zeichnen. "Die Renditeerwartung an einem solch guten Windstandort ist recht hoch", verspricht Heinz Carstensen, Geschäftsführer der Firma GEO Gesellschaft für Energie und Ökologie, die das Repowering in Langenhorn plant. Sie könne sich sogar im zweistelligen Prozentbereich bewegen.

Korthaus hält das Modell dagegen für eine Mogelpackung: "Mit ihren Einlagen sind die Bürger keine Investoren, sondern nur ruhiggestellte Zaungäste."

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Forum - Behindern Bürgerinitiativen die Entwicklung erneuerbarer Energien?
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1.
günter1934 16.01.2010
Zitat von sysopGünstige und erneuerbare Energie wird für die Zukunft dringend benötigt. Dennoch ist deren Erzeugung nicht immer willkommen. Als Ungetüme empfundene Aggregate wie Großwindanlagen werden oft von Bürgerinitiativen bekämpft. Behindern diese Aktionen die Entwicklung dieser neuen Energieformen? Diskutieren sie mit!
Viel bedauerlicher ist, dass Bürgerinitiativen den Bau von notwendigen Kohlekraftwerken nicht nur behindern, sondern sogar verhindern. Hier unlängst geschehen. Aber wir haben's ja, Geld für unsinnige EE verplempern und in den Schulen fällt der Putz von den Wänden!
2. Jede Art von Extremismus ist falsch
oida_ouden_eidos 16.01.2010
Zitat von sysopGünstige und erneuerbare Energie wird für die Zukunft dringend benötigt. Dennoch ist deren Erzeugung nicht immer willkommen. Als Ungetüme empfundene Aggregate wie Großwindanlagen werden oft von Bürgerinitiativen bekämpft. Behindern diese Aktionen die Entwicklung dieser neuen Energieformen? Diskutieren sie mit!
Unsinnig ist die Nutzung erneuerbarer Energien nicht, aber solange die Gesellschaft soviel elektrische Energie verbraucht, werden wir vorläufig ohne die klassischen Methoden der Stromerzeugung nicht auskommen und sei es auch nur zur Sicherung der Energieversorgung, falls die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht.
3. Was ist wenn alles verbraucht ist?
Fritz Motzki 16.01.2010
Zitat von oida_ouden_eidosUnsinnig ist die Nutzung erneuerbarer Energien nicht, aber solange die Gesellschaft soviel elektrische Energie verbraucht, werden wir vorläufig ohne die klassischen Methoden der Stromerzeugung nicht auskommen und sei es auch nur zur Sicherung der Energieversorgung, falls die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht.
Setzen wir dann auf Alternativen, oder schmollend in der Ecke? Wir benötigen die Ressourcen zur Entwicklung erneuerbarer Energie-Technik.
4.
rkinfo 16.01.2010
Zitat von sysopGünstige und erneuerbare Energie wird für die Zukunft dringend benötigt. Dennoch ist deren Erzeugung nicht immer willkommen. Als Ungetüme empfundene Aggregate wie Großwindanlagen werden oft von Bürgerinitiativen bekämpft. Behindern diese Aktionen die Entwicklung dieser neuen Energieformen? Diskutieren sie mit!
Bei Windkraftanlagen ist durchaus die Sinnfrage bei Landplazierung gerechtfertigt. Allerdings verbrauchen die Bürger ja Strom der ansonsten anderswo mit Belastung für die Umwelt entstehen muss. Was heute bei Wind aktuell ist das erlebt man bei der Wasserkraft schon seit Jahrzehnten. Da war man am Anfang des 20. Jahrhunderts pragmatischer und zieht noch heute die kWh daraus als Nutzen. Und EEs Wind/Wasser ... man baut Windräder aber nutzt(e) alten Tagebau nicht als Pumpspeicherwerke = Stromspeicher für zeitweisen Überschußstrom. Zeigt wie primitiv die ganze Linie in Richtungs EE-Stromversorgung heute noch geplabt wird. Aber wozu wundern wenn Dunkelstrom aus PV-Anlagen à 45 Cent/kWh als Endlösung der Kraftwerksfrage allgemein betrachtet wird ? Es fehlt die breute gesellschaftliche Diskussion über die Weg und das Endziel der EE-Einführung in der Energiewirtschaft. Wir sind hier wie in Vielen in 'D' rückständig und kaum veränderungsbereit bzgl. der Infrastruktur in 'D'.
5. Tagebaue als Energiespeicher
oida_ouden_eidos 16.01.2010
Zitat von rkinfoBei Windkraftanlagen ist durchaus die Sinnfrage bei Landplazierung gerechtfertigt. Allerdings verbrauchen die Bürger ja Strom der ansonsten anderswo mit Belastung für die Umwelt entstehen muss. Was heute bei Wind aktuell ist das erlebt man bei der Wasserkraft schon seit Jahrzehnten. Da war man am Anfang des 20. Jahrhunderts pragmatischer und zieht noch heute die kWh daraus als Nutzen. Und EEs Wind/Wasser ... man baut Windräder aber nutzt(e) alten Tagebau nicht als Pumpspeicherwerke = Stromspeicher für zeitweisen Überschußstrom. Zeigt wie primitiv die ganze Linie in Richtungs EE-Stromversorgung heute noch geplabt wird. Aber wozu wundern wenn Dunkelstrom aus PV-Anlagen à 45 Cent/kWh als Endlösung der Kraftwerksfrage allgemein betrachtet wird ? Es fehlt die breute gesellschaftliche Diskussion über die Weg und das Endziel der EE-Einführung in der Energiewirtschaft. Wir sind hier wie in Vielen in 'D' rückständig und kaum veränderungsbereit bzgl. der Infrastruktur in 'D'.
Tagebaue sind doch Löcher in der Erde! Wie kann man die denn als Pumpspeicherwerke nutzen? Braucht man da nicht ein Gefälle?
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Windenergie
Im vergangenen Jahr gingen in Deutschland etwa 950 neue Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von fast zwei Gigawatt ans Netz. Das entspricht der Kapazität von zwei Atomkraftwerken. Weltweit ist Deutschland gleichauf mit China und hinter den USA die Nummer Zwei bei der Nutzung der Windenergie; dahinter folgen Spanien und Indien. Trotz Finanzkrise war 2009 ein hervorragendes Jahr für die globale Windbranche, denn die installierte Gesamtleistung stieg um fast ein Drittel auf 158 Gigawatt. Den größten Zubau verzeichneten China (plus 13 Gigawatt) und die USA (plus 10 Gigawatt).

Detaillierte Angaben zur weltweiten Nutzung von Windenergie (pdf)

Vor-/Nachteile der Energieträger
Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.
Erdöl
Plus: Erdöl ist der Schmierstoff industrieller Volkswirtschaften. In Deutschland deckt Öl rund 35 Prozent des Energiebedarfs - so viel wie kein anderer Rohstoff. Im Verkehrssektor gibt es momentan kaum Alternativen zu Öl: Das bestehende Tankstellennetz ist auf Benzin und Diesel ausgerichtet, die heute gängigen Motoren fahren fast nur mit diesen beiden Treibstoffen.

Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Erdgas
Plus: Erdgas ist der klimafreundlichste fossile Energieträger - bei der Verbrennung entsteht weniger CO2 als bei Kohle oder Öl. Außerdem halten die Vorräte noch eine Weile: Die Reichweite der Gasvorkommen wird auf rund 60 Jahre geschätzt, bei Öl sind es nur 40 Jahre. Verfeinerte Fördertechniken machen zudem den Zugriff auf große neue Gas-Reservoirs möglich. Ein weiterer Vorteil: Gas kann einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Denn Gaskraftwerke lassen sich schnell hoch- und runterfahren - diese Flexibilität hilft, die Schwankungen beim Windstrom auszugleichen.

Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Kohle
Plus: Kohle gibt es fast überall auf der Welt - einseitige Importabhängigkeiten wie beim Gas sind deshalb nicht zu befürchten. Auch Deutschland verfügt über nennenswerte Ressourcen: Braunkohle lässt sich ohne Subventionen fördern, für Steinkohle ist dies bei weiter steigenden Preisen zumindest denkbar. Außerdem reichen die Vorräte so lange wie bei keinem anderen fossilen Energieträger: Schätzungen gehen von rund 200 Jahren aus. Kohle eignet sich vor allem zur Stromerzeugung in der Grundlast - rund 50 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Kohlekraftwerken .

Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Atomenergie
Plus: Kernkraftwerke produzieren - wenn sie einmal gebaut sind - günstigen Strom. Der Rohstoff Uran wird nur in geringen Mengen verbraucht, so dass die laufenden Betriebskosten gering sind. Atomstrom kann in der Grundlast eingesetzt werden, also unabhängig von kurzfristigen Wetterschwankungen. In Frankreich wird Atomstrom auch zum Heizen verwendet, langfristig könnten so auch Elektroautos betrieben werden. Bei der Kernenergie wird kaum CO2 freigesetzt. Sie ist damit klimafreundlicher als Kohle oder Gas.

Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Wasser
Plus: Die Wasserkraft ist sehr umweltfreundlich - mit geringem Eingriff in die Natur lässt sich günstig Energie gewinnen. Rund fünf Prozent des deutschen Stroms stammen aus Wasserkraftwerken. Außerdem lässt sich in Stauseen sehr gut Energie speichern: Bei einem Überangebot an Strom wird Wasser nach oben gepumpt. Bei Bedarf wird es dann abgelassen, um die Turbinen anzutreiben.

Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Wind
Plus: Von allen erneuerbaren Energien ist die Windkraft in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen. Mittlerweile beziehen die Deutschen deutlich mehr Strom aus Windrädern als aus Wasserkraftwerken. Auch in Zukunft hat die Branche großes Wachstumspotential - vor allem offshore, also in Windparks auf dem Meer . Ein weiterer Vorteil: Die Windkraft ist verhältnismäßig günstig. Die Betreiber der Anlagen bekommen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz nur wenig mehr Förderung als der Preis für konventionellen Strom an der Energiebörse hoch ist. Zum Vergleich: Solarstrom wird weit höher vergütet.

Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Sonne
Plus: Die Sonne ist nach menschlichen Maßstäben eine ewige Energiequelle , und sie scheint für jeden umsonst. Hätten alle Dächer Deutschlands eine Solaranlage, könnte so ein großer Teil des hiesigen Strombedarfs gedeckt werden - klimaschonend und unabhängig von Importen. Darüber hinaus lässt sich das Sonnenlicht auch zur Warmwasserbereitung nutzen: Mit Solarkollektoren kann man herkömmliche Heizungen ergänzen und so die Energiekosten drücken.

Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Biomasse
Plus: Holz, Stroh, Mais - beim Verbrennen dieser Stoffe wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen vorher der Atmosphäre entzogen haben. Biomasse lässt sich in vielen Bereichen einsetzen: zum Heizen (beispielsweise mit Holzpellets), zum Autofahren (mit Biodiesel oder Bioethanol ) oder zur Stromerzeugung (mit Biogas). Der große Vorteil: Biomasse ist gespeicherte Energie. Man kann also frei entscheiden, wann man sie nutzen möchte - anders als bei Wind- oder Solarkraft. Ein weiterer Pluspunkt: Energiepflanzen, die in Deutschland wachsen, reduzieren die Abhängigkeit von Importen.

Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Erdwärme
Plus: Die Wärme im Erdinneren steht rund um die Uhr zur Verfügung. Sie lässt sich sowohl zum Heizen als auch zur Stromerzeugung nutzen. Gäbe es keine Probleme mit der Bohrtechnik, könnte die Geothermie den gesamten deutschen Energiebedarf decken.

Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.

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