Mögliche Abfindung für Porsche-Chef Wiedeking winken 100 Millionen Euro

Noch ist unklar, ob er geht - doch falls Porsche-Chef Wiedeking das Unternehmen verlässt, kann er mit der höchsten Abfindung rechnen, die je einem deutschen Manager gezahlt worden ist. Experten gehen von mehr als hundert Millionen Euro aus.


Stuttgart - Es sind Zahlen in einer neuen Dimension. Sollte Wendelin Wiedeking sein Amt aufgeben oder entlassen werden, winkt dem Porsche-Chef eine Abfindung in noch nie dagewesener Höhe: Der Manager, der mit einem Gehalt von 80 Millionen Euro zu den weltweit bestbezahlten Führungskräften gehört, könnte bei seinem Abtritt Anspruch auf einen dreistelligen Millionenbetrag haben, wie die "Süddeutsche Zeitung" schreibt. "Je nach Rechenmethode kommt man schnell auf mehr als 100 Millionen Euro."

Porsche-Chef Wiedeking: "Ich fühle mich pudelwohl"
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Porsche-Chef Wiedeking: "Ich fühle mich pudelwohl"

Noch ist unklar, ob Wiedeking im Machtkampf mit Volkswagen den Kürzeren zieht - allerdings verdichten sich die Hinweise, dass der Manager das Unternehmen demnächst verlassen wird. So soll er in den vergangenen Tagen Besuch von zwei Vertretern der Eigentümerfamilien bekommen haben, darunter Wolfgang Porsche, schreibt die "Süddeutsche Zeitung" weiter. Die beiden sollen ihm klargemacht haben, dass man sich trennen müsse. Wiedeking habe um Bedenkzeit gebeten.

"Ich bin ein glücklicher Vorstandschef"

Am Donnerstag hatte auch die "Financial Times Deutschland" gemeldet, dass Wiedeking sich bereits auf einen Rückzug vorbereitet. Dazu habe er den renommierten Arbeitsrechtler Jobst-Hubertus Bauer von der Stuttgarter Kanzlei Gleiss Lutz als Berater angeheuert, hieß es.

Von Wiedeking selbst war dazu allerdings nichts zu hören - im Gegenteil: "Ich bin glücklicher Vorstandschef und fühle mich in der Rolle pudelwohl", sagte der umkämpfte Chef des Sportwagenbauers am Donnerstag am Rande einer Feier zum 100-jährigen Bestehen von Audi in Ingolstadt. Sein Vertrag laufe bis 2012, und er wolle ihn erfüllen. Jetzt müsse man sehen, wie die Porsche-Anteilseigner entscheiden, sagte Wiedeking.

Bei der Feier in Ingolstadt trafen die wichtigsten Akteure in dem Machtkampf zwischen Porsche Chart zeigen und Volkswagen Chart zeigen aufeinander. Dort waren neben Wiedeking auch VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche und der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU).

Auch Wulff wollte sich nicht näher zur Diskussion um Porsche und Volkswagen äußern. "Bis Donnerstag müssen wir alle Geduld haben", sagte er mit Blick auf die VW-Aufsichtsratssitzung am 23. Juli. "Es gibt sehr viele Beteiligte, man muss sehr viel für den Konsens tun." Wulff betonte aber nochmals, dass er einen Gesamtkonzern unter der Führung von Volkswagen favorisiere. "Dass ich die Position für einen integrierten Konzern habe, ist bekannt."

Gerüchte über Einigung mit VW

Verschwiegen wie immer präsentierte sich auch Wiedekings Gegenspieler, VW-Aufsichtsratschef Piëch, der auch auf Nachfrage keinen Kommentar abgeben wollte. Mitte Mai hatte Piëch bei der Vorstellung des neuen VW Polo auf Sardinien Wiedekings Hoffnungen auf eine Fusion auf Augenhöhe einen deutlichen Dämpfer verpasst. Gleichzeitig hatte er klargestellt, die Rechte des Landes Niedersachsen als Großaktionär nicht antasten zu wollen.

Gerüchte, die Eigentümerfamilien hätten den Verkauf von knapp der Hälfte des Autogeschäftes an VW so gut wie beschlossen und damit die Zukunft der Stuttgarter besiegelt, wurden in Stuttgart von dem Vize-Aufsichtsratschef von Porsche, Uwe Hück, dementiert. "Wolfgang Porsche und Hans Michel Piëch haben mir das Wort gegeben, dass es noch keine Entscheidung gibt", sagte Hück, der Betriebsratsvorsitzender ist. "Und ich glaube den Familien." Hück betonte, dass Gerüchte über Wiedekings Rücktritt falsch seien. "Wiedeking ist im Amt und bleibt bis zum Ende seiner Amtszeit 2012."

Zuvor hatte die "Financial Times Deutschland" ohne Angaben von Quellen berichtet, das seit Monaten andauernde zähe Ringen um die Zukunft der Autohersteller Volkswagen und Porsche sei nahezu entschieden. Die Porsche-Eigner hätten sich grundsätzlich auf ein Modell für einen integrierten Konzern geeinigt. Demnach solle VW rund 49 Prozent am Sportwagenbauer erhalten. Ein formaler Beschluss fehle aber noch, schränkte die Zeitung ein.

Zwei Konzerne im Vergleich
Volkswagen
Fahrzeugproduktion: 6,35 Millionen
Umsatz: 113,8 Milliarden Euro
Nettogewinn: 4,69 Milliarden Euro
Mitarbeiter: 370.000
Marken: 9
Werke: 61

Porsche
Fahrzeugproduktion: 0,105 Millionen
Umsatz: 7,47 Milliarden Euro
Nettogewinn: 6,39 Milliarden
Mitarbeiter: 12.200
Marken: 1
Werke: 2
Porsche will dagegen über eine Kapitalerhöhung mit Hilfe der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch Geld in die Kassen spülen und hofft auf einen Einstieg des Emirats Katar. Katar soll laut Bankenkreisen insgesamt sieben Milliarden Euro für den Kauf von Stammaktien und VW-Optionen bieten. Die Kapitalerhöhung solle ein Volumen von bis zu fünf Milliarden Euro haben. Der Schuldenberg von Porsche beträgt mittlerweile rund zehn Milliarden Euro.

Hück erklärte, erst bei der Aufsichtsratssitzung am 23. Juli solle darüber diskutiert werden, ob der Sportwagenbauer sein Autogeschäft an VW verkauft oder Katar Anteile übernimmt. Der Betriebsratschef wollte sich jedoch nicht festlegen, ob bei dem Treffen des Kontrollgremiums überhaupt die endgültige Entscheidung in dem Machtkampf getroffen wird. Einen entscheidenden Fingerzeig noch in dieser Woche werde es nicht geben, versicherte Hück.

Der Betriebsratschef griff erneut Wulff scharf an. Dieser habe im CDU-Präsidium bereits erzählt, dass Porsche verkauft sei. "Das ist unanständig", sagte Hück und warf dem Politiker vor, gezielt Falschinformationen zu streuen.

sam/AFP

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