Monatsbericht Bundesbank hält Immobilien in Großstädten für zu teuer

Immobilien in deutschen Städten sind der Bundesbank zufolge viel zu teuer. Überbewertungen hätten sich verfestigt, eine Blase sei das aber noch nicht, heißt es im aktuellen Monatsbericht. Bemerkenswert: Sparer legen ihr Geld aus Risikoscheu verstärkt unprofitabel an.

Luxuswohnviertel in Frankfurt am Main: 25 Prozent zu teuer, aber keine Blase
DPA

Luxuswohnviertel in Frankfurt am Main: 25 Prozent zu teuer, aber keine Blase


Frankfurt am Main - Häuser und Wohnungen in deutschen Ballungsräumen sind nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank deutlich überteuert. "In den Großstädten weichen die Preise für Wohnimmobilien im Durchschnitt vermutlich um 25 Prozent nach oben ab", schreibt die Bundesbank in ihrem am Montag in Frankfurt veröffentlichten Monatsbericht. Trotz der jüngsten Angebotsausweitung hätten sich die Überbewertungen in den Ballungsräumen verfestigt.

Insgesamt hält die Bundesbank die Immobilienpreise aber für angemessen. Die Gefahr einer Blasenbildung sehen die Experten nicht. Vom Preisgefüge auf den Wohnungsmärkten gingen derzeit keine größeren Risiken für die Gesamtwirtschaft aus.

Die deutschen Sparer verzichteten dagegen auf eine ordentliche Rendite. Aus Angst vor den Folgen der Schuldenkrise legten die Deutschen ihr Geld verstärkt sicher, aber unprofitabel an. Bargeld und Sichteinlagen wie Tagesgeld sowie Versicherungs- und Pensionsansprüche haben in der Finanzkrise an Bedeutung gewonnen, schreibt die Bundesbank in ihrem Monatsbericht. Und das, obwohl die Mini-Zinsen bei Sichteinlagen derzeit meist unter der Inflationsrate liegen, so dass Sparer real Geld verlieren.

Zum dritten Quartal 2013 hatten die Deutschen demnach den Anteil von langfristigen festverzinslichen Wertpapieren und Anteilsrechten wie Aktien an ihrem Geldvermögen auf 22,3 Prozent reduziert. Zum Start der Währungsunion 1999 habe der Anteil noch bei 35 Prozent gelegen.

Insbesondere während der Finanz- und Staatsschuldenkrise sei privates Geldvermögen aus ertragreicheren Anlageformen wie langfristigen Wertpapieren in liquidere und weniger riskante Anlagen umgeschichtet worden, betonte die Bundesbank: "Obwohl sich in den vergangenen Jahren aufgrund steigender Aktienkurse oftmals signifikante Kursgewinne im Portfolio der Haushalte niederschlugen, ließ das direkte Engagement in Aktien nach."

Insgesamt sei das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland seit Beginn der Währungsunion aber deutlich gestiegen: "Ausgehend von einem Bestand von 3257 Milliarden Euro Anfang des Jahres 1999 erreichte es im dritten Quartal 2013 rund 5070 Milliarden Euro", bestätigte die Notenbank Angaben vom Januar.

nck/dpa/Reuters

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insgesamt 65 Beiträge
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Celestine 17.02.2014
1.
Na toll! Nachdem die Märkte mit Billigstgeld voll gepumpt werden, wundert man sich also, dass die Vorteile der Niedrigzinsen nicht an die Käufer/Mieter der Wohnungen weiter gegeben werden. Tja, so ist es nun mal auf den freien Märkten: Profitmaximierung heißt die Devise! Und mit den notwendigen Geldmitteln werden die Banken von den Zentralbanken derzeit reichlich versorgt, natürlich ohne jede Verpflichtung, etwas von den günstigen Zinsen an andere Teilnehmer der Märkte weiter zu geben, damit die Gesamtwirtschaft davon profitiert. Tja, warum denn, wenn man mit den innovativen Finanzprodukten auf gewohnte Weise weiter spekulieren kann!
Berliner42 17.02.2014
2.
Zitat von CelestineNa toll! Nachdem die Märkte mit Billigstgeld voll gepumpt werden, wundert man sich also, dass die Vorteile der Niedrigzinsen nicht an die Käufer/Mieter der Wohnungen weiter gegeben werden. Tja, so ist es nun mal auf den freien Märkten: Profitmaximierung heißt die Devise! Und mit den notwendigen Geldmitteln werden die Banken von den Zentralbanken derzeit reichlich versorgt, natürlich ohne jede Verpflichtung, etwas von den günstigen Zinsen an andere Teilnehmer der Märkte weiter zu geben, damit die Gesamtwirtschaft davon profitiert. Tja, warum denn, wenn man mit den innovativen Finanzprodukten auf gewohnte Weise weiter spekulieren kann!
Einen immobilienkredit kriegen Sie derzeit so günstig wie nie. 3% für 15 Jahre. Also erstmal informieren, bevor man rummeckert. blablablaWagenknechtblablabla
doublea 17.02.2014
3. optional
Richtig, den Kredit bekommt man wirklich günstig wie nie. Dafür sind die Bauplätze teuer wie nie! Das Absurde ist, die Leute die das nötige Geld übrig haben investieren in Immobilien, vorzüglich in großen Städten. Das nimmt in den Großstädten inzwischen solch absurde Formen an, dass z.B. viele Münchner es sich fast nicht mehr leisten können in München zu wohnen und deshalb in die "Umgebung" ziehen. Das führt wiederum dazu das inzwischen Orte, welche ca. 70 - 80 km südlich von München an der A96 liegen, zum Einzugsgebiet von München gezählt werden, was auch dort die Grundstückspreise unverhältnismäßig in die höhe drückt. Mit Ihrer Einschätzung, dass die Preise zu hoch sind liegen Sie also genau richtig. Neu ist diese Erkenntnis aber nicht mehr...
dingsbums 17.02.2014
4. Viel zu teuer = Wucher
Warum merkt das nur die Bundesbank und nicht schon längst auch politische Insanzen, fragt man sich da. Wohnen ist nicht nur ein Grundbedürfnis wie Wasser und Brot, sondern auch 1.Merkmal für Lebensqualität. Die Repräsentanz Schloß Bellevue ist unrealistische Prunksucht.
muellerthomas 17.02.2014
5.
Zitat von doubleaRichtig, den Kredit bekommt man wirklich günstig wie nie. Dafür sind die Bauplätze teuer wie nie! Das Absurde ist, die Leute die das nötige Geld übrig haben investieren in Immobilien, vorzüglich in großen Städten. Das nimmt in den Großstädten inzwischen solch absurde Formen an, dass z.B. viele Münchner es sich fast nicht mehr leisten können in München zu wohnen und deshalb in die "Umgebung" ziehen. Das führt wiederum dazu das inzwischen Orte, welche ca. 70 - 80 km südlich von München an der A96 liegen, zum Einzugsgebiet von München gezählt werden, was auch dort die Grundstückspreise unverhältnismäßig in die höhe drückt. Mit Ihrer Einschätzung, dass die Preise zu hoch sind liegen Sie also genau richtig. Neu ist diese Erkenntnis aber nicht mehr...
"Unverhältnismäßig" zu was? Zum persönlichen Emfpinden auch vielleicht auch im Verhältnis zu dem Einkommen möglicherweise, aber sollten auch die Mieten entsprechend stark gestiegen sein, sind die Preissteigerungen im ökonomischen Sinn durchaus nicht unverhältnismäßig, sondern fundamental gerechtfertigt. Es gibt also entweder eine Preisblase, die möglicherweise vorliegt, wenn im Wesentlichen nur die Preise, nicht aber die Mieten gestiegen sind. Oder aber die Mieten sidn ebenfalls kräftig gestiegen mit der entsprechend negativen Auswirkung auf die Kaufkraft der Mieter, dann ist das Preisniveau aber auch nicht "zu hoch".
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