Monopol-Geschäft Deutsche Mobilfunker zanken sich ums iPhone

Einer kriegt alles: Wie in den USA will Apple offenbar auch in Deutschland einem Netzbetreiber exklusiv das Verkaufsrecht für das neue iPhone überlassen. In der Branche ist ein erbitterter Kampf um das Kult-Gerät ausgebrochen.


Berlin - Nach außen hin wird die Fassade bewahrt: Die großen Netzbetreiber sprechen derzeit lieber nicht über Verhandlungen mit Apple, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Doch in der Branche rumore es. Von den Betreibern sei zu hören, dass Apple "unglaublich arrogant" in den Verhandlungen auftrete, erklärt Avi Greengart, Telekom-Analyst des Marktforschers Current Analysis vor kurzem. "Apple dreht den Markt um", sagt Markus Eckstein, Handy-Experte von der Fachzeitschrift "Connect". "Sonst picken sich die Netzbetreiber die Handys raus, jetzt ist es umgekehrt." Aber fügt er hinzu: "Was wir gehört haben, will es trotzdem jeder der Anbieter haben."

iPhone-Attrappe in einem Laden an der Fifth Avenue: "Die Apple-Verrückten werden das Ding vom Fleck weg kaufen"
REUTERS

iPhone-Attrappe in einem Laden an der Fifth Avenue: "Die Apple-Verrückten werden das Ding vom Fleck weg kaufen"

Wie in den USA soll das neue iPhone von Apple wohl auch in Deutschland exklusiv von einem Betreiber verkauft werden, wenn es Ende des Jahres endlich hierzulande auf den Markt kommt. Und wer immer es bekommt, die Apple-Fans der anderen Mobilfunk-Betreiber gehen leer aus - oder müssen wechseln. Gigantische Hoffnungen knüpfen sich an das neue Gerät. In den USA scheint sich zwei Tage vor der Weltpremiere schon ein riesiger Kult um anzubahnen: Die Handy-Fans verabreden sich im Internet zum Zelten vor den Mobilfunk-Shops. Der Netzbetreiber AT&T , der das Musik-Handy in den USA neben Apple exklusiv verkauft, hat sein Sicherheitspersonal ordentlich aufgestockt und 2000 neue Mitarbeiter eingestellt, die den erwarteten Ansturm am Freitag abfangen sollen.

Noch ist völlig unklar, ob der Hype um das neue Phone auch gerechtfertigt ist und bestehen bleibt, wenn die erste Euphorie und Neugierde vorbei ist. Schließlich wird das iPhone in den USA satte 499 Dollar kosten. Viele Analysten sind aber trotzdem überzeugt, dass das echte Fans nicht vom Kauf abhalten wird. "Die Apple-Verrückten werden das Ding vom Fleck weg kaufen", sagt Neil Strother, Branchenanalyst von Jupiter Research, mit Blick auf die treue Schar der Apple-Fangemeinde, die jedes der Produkte des kalifornischen Kult-Konzerns haben will.

Vor allem bei den kleineren Anbietern in Deutschland ist die Furcht deshalb groß, dass die Apple-Taktik die Stellung eines etablierten Mobilfunkriesen stärker machen könnte - und die Freiheit der Verbraucher auf der Strecke bleibt. "Apple spielt hier ein sehr böses Spiel auf dem Rücken der Verbraucher", sagt Jürgen Rützner, Geschäftsführer des VATM, des Verbands von über 50 kleineren Mobilfunkfirmen. Der Mobilfunkanbieter Talkline schrieb einen offenen Brief an Apple-Chef Steve Jobs. "Es ist der falsche Weg, wenn sich Kunden nur aufgrund ihrer Handy-Präferenzen langfristig an eine bestimmtes Mobilfunknetz binden müssen und auch beim Tarif keine Wahl mehr haben", hieß es darin.

Verbraucherschützer warnen: Nicht überstürzt handeln

Auch Patrick von Braunmühl vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sagt: "Sollte Apple diesen Weg in Europa gehen, ist das für die Kunden sehr ärgerlich". Es müsse überlegt werden, ob gegen solch ein Vorgehen juristische Schritte möglich seien. Handy-Nutzer, die unbedingt ein iPhone haben wollen, sollten jedenfalls im Moment nicht überstürzt handeln. "Man kann derzeit nur abwarten, wer es bekommt", sagt Bettina Seute vom Telefonverbraucher-Portal Teltarif.

"Connect"-Experte Eckstein geht die Sache praktisch an - und rät Kunden, deren Vertrag gerade ausläuft, diesen weiterlaufen zu lassen, ohne aber ein neues Handy zu nehmen. Denn dann verlängert sich der Vertrag meist um höchstens ein Jahr statt zwei Jahre. Danach könne der Nutzer einen Neuvertrag mit dem iPhone-Anbieter abschließen und zu einem guten Zeitpunkt einsteigen. "In einem Jahr hat das iPhone dann auch die Kinderkrankheiten nicht mehr, die es vielleicht am Anfang gibt", sagt Eckstein. Außerdem sei grundsätzlich nicht klar, wie gut das iPhone sei. "Ob das Produkt wirklich etwas taugt, steht in den Sternen." Und wenn es nicht unbedingt Apple sein muss, gebe es auch andere Lösungen: "Auch andere Hersteller haben schon Geräte, die das, was das iPhone kann, auch können."

In den USA rüsten sich Apple und AT&T derweil für den großen iPhone-Day am Freitag. Und wie es so ist vor großen Premieren, gibt es ganz zum Schluss noch einmal Schwierigkeiten. So kam der Zulieferer Sharp Chart zeigen offenbar nicht klar mit den gigantischen Bestellungen an Bildschirmen für das Gerät - sehr zum Glück des deutschen Konkurrenten Balda Chart zeigen. Dort nämlich erhöhte Apple jetzt seine Order dem "Handelsblatt" zufolge beträchtlich. Balda werde deshalb kurzfristig über den Bau eines zweiten Werkes für Berührungsbildschirme entscheiden, hieß es.

Sowohl Apple als auch Sharp und Balda lehnten auf Anfrage der Zeitung eine Aussage zu eventuellen Kundenbeziehungen oder Spekulationen über Lieferengpässe ab. Ein Balda-Sprecher erklärte lediglich, das Unternehmen erwäge tatsächlich eine Erweiterung des Werkes im chinesischen Xiamen. Die Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

ase/AFP/dpa



Forum - Das neue iPhone – ein absolutes Muss?
insgesamt 1327 Beiträge
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Seite 1
Silvia, 10.01.2007
1.
---Zitat von sysop--- Apple stellte das neue iPhone vor. Eine Innovation wie der iPod, die man einfach haben muss, oder komplett überflüssig? Würden Sie sich ein iPhone anschaffen? ---Zitatende--- Ein Muss? Gewiss nicht! Vielleicht für Business-Kasper (http://www.youtube.com/watch?v=zzUR27Cg-Ck) ... ;-)
ThoRusch, 10.01.2007
2. Anschaffen wohl nicht...aber
...es ist gut für den verkrusteten Handy-Markt, dass die ideenlosen Dinosaurier Gegenwind von einem Innovator bekommen. Wenn es in anderen Branchen auch so wäre würden wir vielleicht nicht mehr eine durch eine Explosion ausgelöste Linearbewegung in eine Kreisbewegung umsetzen um ein Auto anzutreiben.
KlausD, 10.01.2007
3.
---Zitat von sysop--- Apple stellte das neue iPhone vor. Eine Innovation wie der iPod, die man einfach haben muss, oder komplett überflüssig? Würden Sie sich ein iPhone anschaffen? ---Zitatende--- Hallo, nein...das größte problem von touchscreens ist doch das der bildschirm ständig verschmiert ist...deswegenhaben hat sich touchscreen doch in keinem privaten bereich wirklich durchegsetzt...also wenn ich an die touchscreens denke die es gibt wird mir schlecht eben wegen der fettigen finger abdrücke. Auch der preis ist unverschämt hoch...ich denke das wird nix. Danke
fabchief, 10.01.2007
4.
Konkurenz belebt den Markt, daher ist es auf jeden Fall zu begrüssen, daß Apple auch mitmacht. Für mich persönlich ist es nichts: Zu teuer, zu gross. Und es sieht auch zu empfindlich aus, ein Handy muss auch mal runterfallen können. Ausserdem ist es wohl nicht einhändig bedienbar. Ich will einfach nur telefonieren und da tut es mein alter Nokiaknochen noch lange Zeit.
kosk, 10.01.2007
5. Gelungen
Was bisher von dem Handy zu sehen war ist 100%ig gelungen. Meine Erwartungen wurden übertroffen. Dass man damit "5 Jahre voraus" sei, halte ich jedoch für übertrieben. Dafür vollzieht sich die technische Entwicklung zu rasant. Leider ist das Gerät erst Ende 2007 in Deutschland erhältlich, bis dahin haben die Asiaten bestimmt schon vergleichbare Geräte in der Pipeline. Es könnte für viele ein "Muss" sein, da sich leider nicht wenige Menschen über Ihr Handy definieren - so absurd das auch klingt.
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