Monopoly-Deal Investor kauft New Yorker Stadtviertel für 5,4 Milliarden

Es ist der teuerste Immobiliendeal in der US-Geschichte: Der Investor Jerry Speyer hat zusammen mit einer Investmentbank zwei New Yorker Siedlungen mit 110 Mietshäusern gekauft. Speyers Firma kontrolliert weltweit bereits zahlreiche markante Gebäude – auch in Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt.

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New York – Die beiden Siedlungen Stuyvesant Town und Peter Cooper Village gehören zu den letzten Refugien der Mittelklasse im Hochpreis-Bezirk Manhattan. Generationen von New Yorker Polizisten, Lehrern und Krankenschwestern haben hier in den braunen Mietshaus-Komplexen eine halbwegs bezahlbare Unterkunft gefunden, seit die Gebäude 1947 im Auftrag der Versicherung Metropolitan Life gebaut wurden. 25.000 Menschen wohnen in 11.232 Wohnungen, die sich auf 110 Mietshäuser verteilen.

Mittelklasse-Oasen Peter Cooper Village und Stuyvesant Town: "Die Gelegenheit, 11.000 Wohnungen in einer so tollen Gegend zu kaufen, hat man vielleicht nur einmal pro Generation"
AP

Mittelklasse-Oasen Peter Cooper Village und Stuyvesant Town: "Die Gelegenheit, 11.000 Wohnungen in einer so tollen Gegend zu kaufen, hat man vielleicht nur einmal pro Generation"

Jetzt sind die Wohnklötze nach einem spektakulären Wettbieten für einen ebenso spektakulären Preis verkauft worden: Der Immobilienmogul Jerry I. Speyer, gut verdrahtet mit der New Yorker Bankerszene, übernimmt die insgesamt 40 Hektar großen Siedlungen für 5,4 Milliarden Dollar, umgerechnet 4,3 Milliarden Euro.

Speyers weltweit aktive Immobilienfirma Tishman Speyer fädelte das Geschäft gemeinsam mit dem Finanzdienstleister BlackRock ein, an dem wiederum die Investmentbank Merrill Lynch Chart zeigen mit knapp 50 Prozent beteiligt ist. Das Konsortium bot etwas mehr als die Immobilienfirma Apollo, die 5,33 Milliarden Dollar zahlen wollte.

Insgesamt hatten Anfang der Woche acht Interessenten ihre abschließenden Gebote abgegeben – zu den Bewerbern gehörten einige der prominentesten Unternehmen der New Yorker Banken- und Immobilienwelt. Speyer habe das Geschäft noch in der Nacht zum Dienstag ausgehandelt, der Vertrag sei dann um zehn Uhr morgens unterzeichnet worden, berichtet die "New York Times".

Mogul mit Drähten nach Deutschland

Speyer führt die Firma Tishman Speyer, seit sie 1978 gegründet wurde. Der Immobilien-Mogul stammt zwar gebürtig aus dem US-Bundesstaat Wisconsin, hat aber in New York an der Renommier-Uni Columbia studiert und sich seither ein Netzwerk einflussreicher Freude in Geschäftswelt und Politik der Stadt aufgebaut. So verfügt er über einen guten Draht zum früheren Citigroup Chart zeigen-Boss Sanford Weill und sitzt im Exekutivkomitee der New Yorker Notenbank-Zweigstelle.

Speyers Firma kontrolliert weltweit Geschäftsgebäude in Toplagen – zu den bekanntesten und architektonisch interessantesten zählen das Chrysler-Gebäude und der Rockefeller Center in New York, der Millbank Centre in London und der gigantische Bürokomplex Lumière in Paris. Im Geschäft mit Mietswohnungen verfügt die Firma hingegen über vergleichsweise wenig Erfahrung – sie hat aber nach eigenen Angaben bereits Wohnungen unter anderem in Frankreich und Brasilien entwickelt und leitet ein Wohnungsprojekt in Indien.

Auch in Deutschland ergatterte Tishman Speyer bereits zahlreiche Prestige-Aufträge. So entwickelte das Unternehmen im Auftrag der Bahn den neuen Berliner Hauptbahnhof, plant in Frankfurt den Opernturm und kontrolliert in Düsseldorf den historischen Komplex an der Königsallee 45-55, der unter anderem die Regionalzentrale der Deutschen Bank Chart zeigen beherbergt. Auch der Messeturm in Frankfurt und der Sony Chart zeigen-Center in Berlin entstanden unter der Regie der New Yorker Projektentwickler. Jerry Speyers internationale Erfahrung war Anlass für Siemens Chart zeigen, ihn 2003 in den Aufsichtsrat zu berufen.

In New York hat der Verkauf der Mittelklasse-Siedlungen Stuyvesant Town und Peter Cooper Village eine Debatte über soziale Gerechtigkeit entfacht: Stadträte und Interessenvertreter der Mieter befürchten, dass die Mieten nun auf das im Stadtzentrum übliche Niveau klettern – unbezahlbar für das Gros der Bestandsmieter. Bisher fallen rund 70 Prozent der Wohnungen unter die Regelung zur sogenannten Mietkontrolle, Mieterhöhungen sind nur unter genau festgelegten Bedingungen möglich.

Viele Mieter glauben, Tishman Speyer wolle die Apartments Schritt für Schritt aus der Mietkontrolle herauslösen und künftig Marktpreise verlangen. "Ich kann es einfach nicht glauben, dass jemand, der fünf Milliarden für Wohnanlagen wie diese ausgibt, damit nicht Geld verdienen will", sagte die Mieterin Nanette Ross zur "New York Times". "Und der einzige Weg, das mit Häusern wie diesen zu schaffen ist der, sie in Luxuswohnungen umzuwandeln."

Discount-Mieten in New York: 1200 Dollar für zwei Zimmer

Bisher zahlen die Mieter in den beiden Siedlungen oft nur die Hälfte des üblichen Marktpreises. Alvin Doyle, Vorsitzender der Mietervertretung, berichtete der Nachrichtenagentur AP, seine Zwei-Zimmer-Wohnung koste ihn bisher eine Monatsmiete von "nur" 1200 Dollar. Für ein vergleichbar großes Apartment müsse man anderswo in Manhattan oft 5000 Dollar monatlich zahlen.

"Die Gelegenheit, 11.000 Wohnungen in einer so tollen Gegend zu kaufen, hat man nicht oft, vielleicht nur einmal pro Generation", sagte Robert Speyer, Manager bei Tishman und Sohn des Gründers Jerry Speyer nach dem Kauf. Er versuchte, die Bedenken der Mieter zu zerstreuen: "Es wird keinen plötzlichen oder dramatischen Wandel geben, der die Art, den Charakter oder den Reiz dieser Siedlungen ändert."

Bürgermeister Michael Bloomberg hat sich aus dem politischen Streit in auffälliger Weise herausgehalten – und musste von den Mietern Kritik für seine Passivität einstecken. Vor dem Milliardendeal sagte der Bürgermeister nur lakonisch: "MetLife besitzt diese Gebäude, und sie haben das Recht, sie zu verkaufen."



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