S.P.O.N. - Die Spur des Geldes Mit Deutschland ist kein Euro-Staat zu machen

Die Bundesrepublik muss raus aus dem Euro, um den Rest der Währungsunion zu retten: Großspekulant George Soros hat recht mit dieser Forderung. Denn in der derzeitigen Konstellation zwingt Deutschland den übrigen Euro-Staaten sein Wirtschaftsmodell auf. Das kann auf Dauer nicht gutgehen.

Finanzinvestor Soros: Deutschland sollte Euro-Bonds akzeptieren oder austreten
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Finanzinvestor Soros: Deutschland sollte Euro-Bonds akzeptieren oder austreten

Eine Kolumne von


In ihrem letzten Jahr als Premierministerin kam Margaret Thatcher zu dem Schluss, dass für Großbritannien eine zu enge Verzahnung mit dem frisch wiedervereinigten Deutschland nicht in Frage komme. Ihr damaliger Industrieminister Nicholas Ridley hatte im Jahre 1990 in einem unvorsichtigen Interview im "Spectator" genau das ausgesprochen, was Thatcher selbst dachte - aber niemals sagte. Die geplante Währungsunion sei seine deutsche Verschwörung mit dem Ziel der Machtübernahme in Europa. Ridley musste deswegen seinen Hut nehmen. Thatcher wurde kurze Zeit später entthront.

Ich arbeitete damals als Journalist bei der "Times" in London und erinnere mich noch an meine Empörung über Ridleys antideutschen Kommentar. Im Nachhinein muss ich aber zugeben: Es ist genau so gekommen, wie Ridley es vorhersagte. Deutschland ist mittlerweile die zentrale Macht in Europa. Thatcher und Ridley haben damals aus einer rein machtpolitischen Perspektive heraus geschlossen, dass man als Juniorpartner in einer derart asymmetrischen Währungsunion nicht glücklich wird. So empfinden das die Italiener, Spanier und Franzosen heute auch. Man verliert seine Souveränität und kann im Grunde nur überleben, wenn man selbst so wird wie Deutschland. Für die Briten war das ein unerträglicher Gedanke.

Der amerikanische Finanzier George Soros hatte diese Konstellation durchschaut und mit einer bis damals unvergleichlichen Spekulationsattacke im Jahre 1992 die Anbindung des britischen Pfundes an die D-Mark gebrochen. Jetzt sieht er erneut die Gefahr eines Auseinanderdriftens in Europa. Am Dienstag empfahl er auf SPIEGEL ONLINE, dass Deutschland entweder die Euro-Bonds akzeptieren oder aus dem Euro austreten solle.

Soros basiert seine Analyse auf einer simplen Erkenntnis: Was den Euro zu brechen droht, ist die private Verschuldung, die in den Südländern jetzt auch indirekt die staatlichen Schulden in die Höhe schießen lässt. Für Soros ist die Krise ohne Bankenunion und Euro-Bonds nicht lösbar.

Was nicht nachhaltig ist, endet irgendwann

Allerdings weiß Soros auch, dass das in Deutschland und im übrigen Norden der Euro-Zone nicht akzeptiert wird. Und somit ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis das Konstrukt zerbricht. Aufgrund der politischen Bindekräfte kann das noch sehr lange dauern. Aber was nicht nachhaltig ist, endet irgendwann. Dieses Naturgesetz gilt auch in Europa.

Soros stellt nun die Überlegung an, dass es in diesem Fall besser sei, Deutschland verließe den Währungsraum, als etwa Spanien oder Italien. Denn wenn die Südstaaten aus dem Euro austreten, dann kommt es zu einem heillosen Durcheinander. Werden die Schulden dann weiter in Euros bedient, oder in nationalen Währungen? Gibt es einen Run auf die Banken? Kommt es zu politischen Unruhen?

Wenn Deutschland geht, kommen all diese Fragen gar nicht erst auf. Natürlich würde eine neue D-Mark stark aufwerten. Aber zu der effektiven Aufwertung käme es so oder so.

Dann wären im Übrigen auch wieder die Vermögen im Lot. Laut einer in dieser Woche veröffentlichten Studie der europäischen Zentralbank über die Nettovermögen der europäischen Haushalte sind die Deutschen angeblich die Ärmsten in Europa. Vordergründig liegt das an der geringen Wohneigentumsquote in Deutschland, der geringsten im Euro-Raum. Wohneigentum ist bei privaten Haushalten in der Regel der größte Vermögensposten. Doch das erklärt nicht alles. Hier spielen sicherlich auch die Ungleichgewichte eine Rolle. Spanien erlebte im Euro-Raum eine Inflation. In Deutschland blieb der Euro weitgehend stabil.

Deutschland sieht ärmer aus, als es in Wirklichkeit ist

Als jemand, der in letzten Jahren viel zwischen Deutschland, Frankreich, Italien und Belgien gependelt ist, kann ich nur bestätigen, dass der Euro in Deutschland eine viel höhere Kaufkraft hat als in Spanien. Beide Länder haben nominal die gleiche Währung, aber nicht real. Deutschland ist keineswegs arm. Aber der Euro ist mittlerweile derart verzerrt, dass Deutschland ärmer aussieht, als es in Wirklichkeit ist.

Man kann die notwendige Anpassung durchaus innerhalb der Währungsunion schaffen, aber das bedarf einer fast totalen Zentralisierung der gesamten Wirtschaftspolitik. Euro-Bonds wären hier nur der Anfang. Ich sehe dafür keine realistische politische Chance. Wenn wir diesen Weg aber klar ablehnen, dann sollte man auch ehrlich sein und sagen: Jetzt ist Schluss mit der Währungsunion.

Ich begrüße die Etablierung der Anti-Euro-Partei "Alternative für Deutschland". Ich teile nicht deren Position. Aber sie sind kohärent. Allein das kann man nicht hoch genug bewerten. Die Position der CDU oder FDP - pro Euro, aber gegen Euro-Bonds - ist in sich widersprüchlich. Es gibt zwei logisch kohärente Positionen zum Euro. Die AfD vertritt die eine. Vor der anderen haben die meisten Politiker Angst.

Margaret Thatcher war in Bezug auf Europa ebenfalls kohärent. Sie hatte einen sicheren Instinkt sowohl für die ökonomische als auch für die machtpolitische Entwicklung im zukünftigen Euro-Raum. Dafür zolle ich ihr meinen Respekt.

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insgesamt 562 Beiträge
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Seite 1
Rido 10.04.2013
1.
Ich bin mal auf die vielen Anti-Europakommentare gespannt. Nicht, dass ich mich auf die eine oder andere Seite stellen möchte.
janne2109 10.04.2013
2. .............
na da bin ich aber ganz anderer Meinung, aber es paßt ins Bild-- nörgel nörgel nörgel
kerzenständer 10.04.2013
3. Bald ist Wahlkampf...
oder wie ist es sonst zu erklären, daß die Euro-Politik von Fr. Merkel beinahe jeden Tag im Spiegel kritisiert wird ? Es scheint ein Zusammenhang zwischen den fallenden Umfragewerten der SPD und der verstärkten Berichterstattung zu diesem Thema zu geben. Der Bericht hat sicher auch wahre Seiten, aber generell ist mir die Berichterstattung zu einseitig.
norwood1969 10.04.2013
4. Am Anfang Ärger, jetzt nur noch Lachen
Ich gebe es zu: Vor einiger Zeit habe ich mich über die Meinung von Herrn Münchau noch geärgert, ihn also wissenschaftlich ernst genommen. Inzwischen freue ich mich über seine nächsten beiträge, die mich nun - da ich ihn nicht mehr ernst nehme - einfach schallend lachen lassen. Inhaltlich kann man sich mit dem ganzen Zeug, das er da verbreitet ja nicht auseinandersetzen. Dazu müßte er ja erst mal Ahnung von den Themen haben, über die ein bei SPON schreiben darf. Ich hoffe, dass bei der redaktion von SPON nie jemand merkt, welche Qualität diese Beiträge haben, damit ich noch lange etwas zu lachen habe :-)
matthias_b. 10.04.2013
5. Jetzt bin ich durcheinander
Eigentlich war ich die ganze Zeit dafür, dass Deutschland aus dem Euro austritt, aber jetzt wo Münchau diese Option auch als sinnvoll erachtet, frage ich mich, ob ich etwas übersehen habe.
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