Lebensmittel Behörden sollen Ekelfunde bei Bäckereien verschwiegen haben

Nach dem Skandal um Müller-Brot vor fünf Jahren sollte es mehr Transparenz bei Hygieneverstößen geben. Doch Medienberichten zufolge sieht es in der Praxis anders aus.

Bäckerei (Symbolbild)
DPA

Bäckerei (Symbolbild)


In acht bayerischen Großbäckereien soll es teils unhaltbare hygienische Zustände geben. Das berichten der Bayerische Rundfunk und die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Unterlagen, die die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch vor Gericht erstritten hat. Demnach sind die entsprechenden Untersuchungsberichte von den Behörden nicht veröffentlicht worden - obwohl sie dazu verpflichtet sind, Namen von Betrieben mit Hygieneverstößen zu nennen.

"Lebensmittelkontrollen werden aus Steuergeldern finanziert, der Steuerzahler erfährt aber nicht, was dabei herauskommt", sagte Foodwatch-Experte Johannes Heeg der "SZ". "Aus unserer Sicht hat der Verbraucher ein Recht auf die Ergebnisse, damit er dann selbst entscheiden kann, ob er in einem Betrieb weiter einkaufen will oder eben nicht."

Den Berichten zufolge gab es bei allen acht bayerischen Großbäckereien zwischen 2013 und 2016 Beanstandungen. Foodwatch liegen demnach Berichte von insgesamt 69 Kontrollen vor. Bei diesen seien die Kontrolleure auf Mäusekot, auf Schaben und auf Käfer im Mehl gestoßen. Drei der acht Bäckereien hätten immer wieder Probleme bei der Hygiene gehabt.

Eigentlich war das Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) vor fünf Jahren so ergänzt worden, dass es mehr Transparenz geben sollte. Das war eine Konsequenz aus dem Skandal um Müller-Brot 2012. Damals hatten Lebensmittelkontrolleure Motten, Kakerlaken und Mäusekot in der Bäckerei gefunden. Im vergangenen Jahr waren drei Ex-Manager der Firma zu Bewährungsstrafen verurteilt worden.

Der neue Paragraf im LFGB, der vorsieht, dass die Öffentlichkeit informiert wird, wenn wegen Hygieneverstößen ein Bußgeld von 350 Euro zu erwarten ist oder eine Firma wiederholt negativ auffällt, greife jedoch nicht wirklich, kritisiert Foodwatch. Nachdem Unternehmen dagegen geklagt hätten, werde der Paragraf praktisch nicht mehr angewendet, heißt es. Ein bundesweites Problem, das nun vom Bundesverfassungsgericht gelöst werden soll.

max



insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
rudy09.rd 28.06.2017
1.
Organische Mehl,Hefe und Wasser.Zweimal kneten und aufgehen lassen.Dann bei 220 Grade dreissig Minuten backen.Ganz einfach.Kann jeder.Vergesst Mueller.
p-touch 28.06.2017
2. Verbraucherschutz
bedeutet in Deutschland oft das die Behörden die Firmen vor denn Verbrauchern schützen.
seelion 28.06.2017
3. Bitte, bitte, ...
... einfach besser recherchiere und die wichtigen Infos aufnehmen oder solche Artikel bleiben lassen. Denn ich stehe jetzt mit mehr Fragen als Antworten da. Bspw. wann haben die Unternehmen mit welchem Klagegebegehren geklagt? Wie ist der Verfahrensstand? Haben die Behörden zu Unrecht den Paragraphen nicht angewandt oder ist das die Konsequenz des laufenden Verfahrens (bspw. aufgrund eines vermuteten Verstoßrs gegen das GG?), denn dann kann von "Verschweigen" nicht die Rede sein, was genau liegt jetzt dem BVerfG vor???
MarkusH. 28.06.2017
4. tja
was will da ein Betrieb einklagen? er soll sich an die Hygiene Vorschriften halten. aber Hauptsache Lobbyarbeit oder Schmiergelder verhindern, dass wir Verbraucher geschützt werden.
franxinatra 28.06.2017
5. Als Kleinunternehmer habe ich da ganz andere Erfahrungen gemacht...
da wird so lange gesucht bis man wenigstens einen um einen Tag abgelaufenen Hefewürfel gefunden hat um dann ein Bußgeld in Höhe von ( 1991 ) 50DM fällig werden zu lassen; erst als über Jahre keine Verstöße zu finden waren wurden die Besuche seltener als alle 3 Monate. Das war die Zeit, in der meine Großmarktbesuche bis heute dazu führten, nie einen Döner anzufassen; aber je größer die Betriebe, desto größer der Einfluss auf - na, raten Sie mal!
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