Münchener Rück Abschied des grauen Imperators

Er gilt als einer der mächtigsten Manager Deutschlands, zugleich als einer der unauffälligsten. Nun hat Hans-Jürgen Schinzler, Chef des weltgrößten Rückversicherers Münchener Rück, seinen Abschied angekündigt.


Noch-Chef Schinzler, vielleicht Deutschlands unbekanntester Topmanager: "Man kann sich nicht unwichtig genug nehmen", sagte der Münchner-Rück-Chef einmal programmatisch
AP

Noch-Chef Schinzler, vielleicht Deutschlands unbekanntester Topmanager: "Man kann sich nicht unwichtig genug nehmen", sagte der Münchner-Rück-Chef einmal programmatisch

München - Der 62-Jährige gehe auf eigenen Wunsch zum Jahresende, teilte das Unternehmen am Montag in München mit. Dies entspreche der langfristigen Unternehmensplanung. Zu seinem Nachfolger sei der 46-jährige Nikolaus von Bomhard bestellt worden. Er ist derzeit im Vorstand verantwortlich für die Regionalbereiche Nord-, West- und Südeuropa sowie Lateinamerika. Schinzler strebe den Vorsitz im Aufsichtsrat an, den derzeit noch der scheidende E.ON-Chef Ulrich Hartmann, 64, innehat.

Damit steht auch beim zweiten Münchner Versicherungsriesen ein Wechsel an der Konzernspitze an. An diesem Dienstag gibt Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle sein Amt an seinen Nachfolger Michael Diekmann ab. Allianz und Münchener Rück sind seit jeher eng verbunden, beide residieren in der Königinstraße. Schinzler ist knapp 35 Jahre bei der Münchener Rück, seit mehr als zehn Jahren amtiert er als Vorstandsvorsitzender.

Kursrutsch wie am Neuen Markt

Der Versicherungskonzern, der neben der Rückversicherung auch das Erstversicherungsgeschäft und die Vermögensverwaltung betreibt, hatte als Großanleger zuletzt die Börsenschwäche zu spüren bekommen. Die Münchener Rück ist unter anderem Großaktionär der HypoVereinsbank, der zweitgrößten deutschen Bank, deren Kurs drastisch nachgegeben hat. Zudem ist sie die Muttergesellschaft der zweitgrößten Erstversicherergruppe, der Ergo-Gruppe.

Innerhalb des vergangenen Jahres ist der Aktienkurs der Münchener Rück von über 290 Euro auf ein Tief von 50 Euro hinabgerauscht, an einigen Tagen fiel das Papier mit zweistelligen Prozentraten wie eine New-Economy-Aktie. Inzwischen ist die Talfahrt gestoppt, die Aktie notiert wieder über 80 Euro.



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