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Mysteriöse Geldvernichtung: Schon tausend Scheine zerbröselt

Die Ermittler stehen vor einem Rätsel: Rund tausend Geldscheine haben sich auf mysteriöse Weise in den Händen ihrer Besitzer aufgelöst. Ein Herstellungsfehler war es nicht. Doch ob es sich um eine Straftat handelt, ist noch vollkommen unklar.

Hamburg - Für den mysteriösen Zerfall von rund tausend Euro-Geldscheinen, die in der Hand ihrer Besitzer einfach zerbröselten, scheint es keine Erklärung zu geben, die logisch wäre. Das Landeskriminalamt (LKA) Rheinland-Pfalz hat im Laufe der jetzt bekannt gewordenen Ermittlungen ein Gutachten dazu erstellt. Dabei sei die Behörde zu dem Schluss gekommen, dass die zerstörten Banknoten mit Schwefelsäure in Kontakt gekommen seien, sagte eine Sprecherin des LKA in Mainz.

Chemiker äußerten laut "Bild"-Zeitung den Verdacht, dass der Zersetzungsprozess der Banknoten erst durch die Berührung mit der Hand ausgelöst wird. Möglicherweise seien die Scheine mit einem Sulfat-Salz gepudert, das sich in Verbindung mit Feuchtigkeit wie etwa Handschweiß zu Schwefelsäure entwickle.

"Ob es sich um ein unbeabsichtigtes Verschütten der Chemikalie handelt oder eine bewusste Manipulation ist bislang nicht geklärt", sagte ein Sprecher der Bundesbank. Irgendjemand könne versehentlich die Säure vertropft haben oder ein Säurebehälter könnte umgefallen sein. Allerdings: Wenn es ein Unfall war - wo ist er passiert? Wo liegen tausend Geldscheine neben Säurebehältern? Und sollte doch ein Straftäter am Werk sein: Was hat er davon?

Ein Erpresserbrief ist bisher nicht aufgetaucht. Ein Unfall beim Transport der Banknoten von der Bundesdruckerei zu den Banken sei ebenfalls als Ursache möglich, sagte ein Sprecher der Berliner Polizei. Doch woher käme das Pulver in die Geldtransporter?

Ein Herstellungsfehler sei für den seltsamen Auflösungsprozess jedenfalls nicht verantwortlich, versichert die Bundesbank. Die Ermittlungen laufen nach Angaben der Berliner Polizei nun in alle Richtungen, mehrere Landeskriminalämter sind daran beteiligt. "Es kann ja wohl nicht sein, dass sich unser Geld einfach auflöst", sagte ein Sprecher aus Berlin. Auch das Bundeskriminalamt ist eingeschaltet worden.

Die ersten der seltsamen Banknoten, die äußerlich ganz normal aussehen, tauchten nach Angaben der Bundesbank vor rund vier Monaten in Berlin auf. Wie die "Bild"-Zeitung berichtete, ist das schadhafte Geld seitdem in insgesamt 17 Städten aufgetaucht - darunter Düsseldorf, Freiburg und Magdeburg. Nach Bundesbank-Angaben handelt es sich um Scheine von fünf bis 100 Euro. Die zerbröselten Banknoten könnten bei den Filialen der Bundesbank eingetauscht werden, erklärte das Institut. Voraussetzung sei, dass noch mehr als die Hälfte davon übrig geblieben ist oder ein Nachweis über den Verbleib des Rests erbracht wird.

ase/ddp/Reuters

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