Nach heftiger Kritik Pentagon stoppt Terrorbörse

Mit einem Börsenspiel wollte das US-Verteidigungsministerium seine Voraussagen für künftige Attentate und Terroranschläge verbessern. Nach einem Aufschrei der Demokraten wird das Projekt nun allerdings schnell wieder begraben.


Terrorbörse wird nicht gestartet: Vize-Verteidigungsminister Wolfowitz
AP

Terrorbörse wird nicht gestartet: Vize-Verteidigungsminister Wolfowitz

Washington - Es war von Anfang an ein heikles Unternehmen. An der Internetbörse namens Policy Analysis Market (PAM) sollten interessierte Händler und Sicherheitsexperten auf das zukünftige Geschehen in Ländern des Nahen Ostens oder auf den Eintritt weiterer Terroranschläge spekulieren können. Ab dem 1. Oktober sollten zunächst 1000 Marktteilnehmer an der PAM handeln, für 2004 plante das Verteidigungsministerium, die Zahl auf rund 10.000 anzuheben. Insgesamt hatte das US-Verteidigungsministerium für das Projekt rund acht Millionen Dollar beantragt.

Mehrere Demokraten nutzten die Vorlage des Pentagon, um der Bush-Regierung eine schallende Ohrfeige zu verpassen. In der "New York Times" wetterte Byron Dorgan: "Können Sie sich vorstellen, dass ein anderes Land ein von der Regierung gesponsertes Wettbüro aufmacht, wo die Leute dann auf die Ermordung eines amerikanischen Politikers setzen können?" Sein Kollege Ron Wyden nannte PAM eine "absurde Verschwendung" von Steuergeldern. Schließlich meldete sich auch Tom Daschle, Oppositionsführer im Senat, zu Wort. Er verlangte ein sofortiges Ende des geplanten "Handels mit dem Tod" und eine öffentliche Entschuldigung "speziell bei den Familien der Opfer des 11. September". "Es ist das unverantwortlichste, abscheulichste und am schlechtesten durchdachte Vorhaben der Regierung, das ich bisher gesehen habe", sagte er.

Die Reaktion des Pentagon ließ nicht lange auf sich warten. Der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz erklärte noch am Dienstag das Ende des umstrittenen Projektes. "Meines Erachtens wird das Vorhaben gestoppt", ließ er sich von Mitgliedern eines Senats-Ausschusses zitieren. Entschuldigen wollte er sich für die geplante Terror-Börse allerdings nicht.



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