Nach Pannenserie Google startet mit kräftigen Gewinnen

Trotz mehrerer Pannen auf dem Weg auf das Börsenparkett haben die Aktien von Google einen imposanten Start hingelegt. Der Kurs der Papiere schnellte vom Ausgabepreis von 85 Dollar um mehr als 18 Prozent empor und lag am Ende des ersten Handelstages bei 100,34 Dollar.


Nasdaq-Screen in New York: Google kommt
AP

Nasdaq-Screen in New York: Google kommt

New York - Damit lag der Aktienkurs bei Handelsschluss gut 15 Dollar über dem Ausgabepreis von 85 Dollar. Zwischenzeitlich war die Aktie sogar auf 103,42 Dollar gestiegen. 22 Millionen Aktien der Internetsuchmaschine wechselten im Laufe des Tages den Besitzer. Trotz des Anstiegs blieb der Kurs weit hinter den ursprünglichen Erwartungen von zurück: Google hatte zunächst einen Ausgabepreis von 108 bis 135 Dollar im Visier.

Die Pannenserie des Google-IPO hatte sich auch am ersten Börsentag fortgesetzt. Am Morgen war die Erstnotiz kurzzeitig mit 135,90 Dollar angegeben worden, tatsächlich startete das Papier jedoch mit 100,01 Dollar. Nach Angaben der Nasdaq hatte ein Händler bereits zwei Verkäufe getätigt, bevor der Handel mit den Google-Papieren offiziell eröffnet war. Dadurch kam zunächst ein sehr hoher Preis zustande, der auch über die Anzeigetafeln der Nasdaq lief und im Internet veröffentlicht wurde. Die interne Aufsicht der Technologiebörse stoppte den Handel dann wieder.

Die Google-Aktie erschien daraufhin erst um 17.55 Uhr erstmals auf der Kursliste. Der erste Kurs von 100,01 Dollar lag rund 17 Prozent über dem Ausgabepreis und übertraf selbst optimistische Prognosen. Gegen 19.30 Uhr notierten die Titel 21 Prozent fester bei 103,02 Dollar. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits über 15 Millionen Aktien gehandelt worden.

Händler sagten, die Nachfrage sei außergewöhnlich groß, was viele Beobachter angesichts der vorherigen Preissenkungen überraschte. Google selbst hatte davor gewarnt, dass der Emissionspreis kurzfristig der höchste Kurs sein könnte. "Viele institutionelle Anleger haben offenbar bereits in den Startlöchern gestanden", sagte Barry Randall, Portfolio-Manager des First American Technology Fund. Seiner Einschätzung zufolge haben mehrere Kollegen den vorsichtigeren Weg über den offenen Markt gewählt und die Aktie nicht vor Börsenstart gezeichnet.

"Es gab eine beträchtliche Zahl von institutionellen Anlegern, die nicht an der Auktion teilgenommen haben und die heute gekauft haben," begründete Analyst Martin Pyykkonen von Janco Partners die kräftigen Kursgewinne. Mark Bell von Spyglass Trading LP fügte hinzu: "Es gab einige Investoren, die bereit waren, 135 Dollar je Google-Aktie zu bezahlen". Mit einem Erlös von 1,67 Milliarden Dollar handelt es sich bei dem Betreiber der gleichnamigen Internet-Suchmaschine um den viertgrößten Börsengang in diesem Jahr in den USA.

Screenshot der Nasdaq-Internetseite: Kurs kurzzeitig mit mehr als 140 Dollar notiert

Screenshot der Nasdaq-Internetseite: Kurs kurzzeitig mit mehr als 140 Dollar notiert

In der Nacht hatte Google bekannt gegeben, dass die Aktien zu einem Ausgabepreis von 85 Dollar an der Börse gebracht werden sollen. Angesichts der schwachen Nachfrage, vieler Pannen während der ungewöhnlichen Aktienvergabe und des derzeit schlechten Umfelds für Technologieaktien muss sich der Betreiber der Internetsuchmaschine damit mit Gesamteinnahmen von 1,7 Milliarden Dollar begnügen. Ursprünglich wollte Google mit seiner Erstemission 108 bis 135 Dollar je Aktie einsammeln, was Einnahmen von bis zu 3,6 Milliarden Dollar entsprochen hätte.

Google mussten angesichts der starken Zurückhaltung der Investoren den angestrebten Verkaufspreisrahmen am Mittwoch praktisch in letzter Minute drastisch senken und außerdem die Zahl der zum Verkauf kommenden Aktien von 25,7 Millionen auf 19,6 Millionen reduzieren. Ein Fonds-Manager sagte am Donnerstag, der niedrigere Preis für die Google-Aktien werde wohl das Kaufinteresse der Anleger steigern. Douglas Wright von Britannic Asset Management sagte: "Mit 108 bis 135 Dollar war die Aktie zu teuer. Aber jetzt haben wir eine viel angenehmere Bewertung."

Das Google-Kapital ist auf insgesamt 272,2 Millionen Aktien verteilt, 19,6 Millionen Anteile wurden an der Börse verkauft. Die Internet-Suchmaschine wurde somit vor dem Börsenstart mit insgesamt 23 Milliarden Dollar bewertet. Hätte Google die maximal erhofften 135 Dollar je Aktie erhalten, wäre die Gesellschaft jetzt 36,7 Milliarden Dollar wert. Die erst vor sechs Jahren von den ehemaligen Computerwissenschafts-Studenten Larry Page und Sergey Brin gegründete Gesellschaft wurde zum Börsenstart jedoch ähnlich hoch bewertet wie der weltgrößte Autohersteller General Motors (23,7 Mrd Dollar). Auf einen weit höheren Börsenwert kommen nur die Internetfirmen Ebay (52,8 Milliarden Dollar) und das Online-Portal Yahoo!(38,7 Milliarden Dollar). Der weltgrößte Online-Einzelhändlers Amazon.Com wird dagegen nur mit insgesamt 16 Milliarden Dollar bewertet.

Bei dem Börsengang kommen nur Aktien der Klasse A in den Handel, die mit jeweils einem Stimmrecht ausgestattet sind. Die Aktien von den Google-Gründern, Managern und Frühinvestoren gehaltenen Aktien der Klasse B haben dagegen jeweils zehn Stimmrechte. Damit halten die Altaktionäre das Unternehmen weiterhin voll unter Kontrolle.

Kurz vor dem Börsengang hatte Google noch wegen eines "Playboy"-Interviews Probleme mit der Börsenaufsicht SEC. Die Behörde prüft nun, ob Google damit gegen die Schweigepflicht während des Börsengangs verstoßen hat. Das Unternehmen hatte auch nicht-registrierte Aktien und Optionen an Mitarbeiter vergeben, Damit könnte die Firma gegen das US-Wertpapiergesetz verstoßen haben.

Die Einnahmen von Google stammen zumeist von Internet-Portalen, welche die Google-Suchtechnik für ihre eigenen Dienste übernehmen. Eine zweite Einnahmequelle ist die Werbung von Unternehmen, die für eine optisch hervorgehobene Platzierung in den Google-Trefferlisten zahlen. Das Unternehmen mit Sitz im kalifornischen Mountain View, das rund 2.300 Mitarbeiter beschäftigt, erwirtschaftete im ersten Halbjahr 2004 einen Umsatz von rund 1,35 Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro) und einen Nettogewinn von 143 Millionen Dollar (115 Millionen Euro).



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