Nach Tarifeinigung Zugverkehr läuft nahezu reibungslos

Der Start verlief deutlich besser als befürchtet. Nach dem kurzfristig abgesagten Streik der Lokführer ist der Bahnverkehr in vielen Regionen ohne größere Behinderungen angelaufen. Nur in wenigen Regionen fielen Züge aus. Allein in Berlin bleibt die Situation angespannt.


Berlin - Es hätte wesentlich schlimmer kommen können - so lautet im Tenor das erste Resümee der Bahn im morgendlichen Nah- und Fernverkehr der Bahn. "Im Regionalverkehr sind wir bis auf einzelne Ausnahmen pünktlich gestartet", sagte ein Bahn-Sprecher heute Morgen in Berlin. Bundesweit seien bereits rund 30 kurzfristig bereitgestellte Züge zusätzlich zum ursprünglich vorgesehenen Ersatzfahrplan im Einsatz.

Hauptbahnhof in Hamburg: S-Bahn-Verkehr verläuft planmäßig
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Hauptbahnhof in Hamburg: S-Bahn-Verkehr verläuft planmäßig

In Nordrhein-Westfalen hingegen kam es nach Angaben der Bahn zu den erwarteten Einschränkungen im Regionalverkehr. "Es ist ein sehr hoher logistischer Aufwand, die Notfahrpläne sofort wieder auf die Regelpläne umzustellen", erklärte ein Sprecher. Insgesamt sei seit Mitternacht etwa jeder zweite Zug im Nah- und Fernverkehr ausgefallen.

Keine größeren Behinderungen gab es in Hamburg und Schleswig- Holstein. "Es läuft im wesentlichen wie geplant", sagte ein Bahn-Sprecher in Hamburg. Im Fernverkehr sei bereits begonnen worden, zusätzliche Züge wieder in den Takt einzugliedern. Planmäßig unterwegs sind zudem die S-Bahnen in Hamburg und im Rhein-Main-Gebiet. In Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt begann die Bahn am Morgen ebenfalls damit, ihren Fahrplan wieder auf Normalbetrieb umzustellen.

Weil dies einige Zeit in Anspruch nehme, könne es noch zu Verspätungen und vereinzelten Zugausfällen im morgendlichen Berufsverkehr kommen, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Für den Chef der Gewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, geht von der Einigung im Bahn-Tarifstreit eine bundesweit wichtige Signalwirkung aus. Die Vereinbarung mit den anderen Bahn-Gewerkschaften GDBA und GDL hob Hansen in der "Bild"-Zeitung als positives Beispiel für die künftige Zusammenarbeit konkurrierender Einzelgewerkschaften in anderen Branchen hervor. "Der Abschluss kann ein positives Signal für andere Branchen sein, in denen es Konkurrenzgewerkschaften gibt", sagte der Transnet-Chef dem Blatt.

In Berlin bleibt die Lage angespannt. Zwar fuhr die S-Bahn heute Morgen weitgehend nach Plan. Nur auf den Linien S 45 und S 85 habe es Ausfälle gegeben, sagte ein Unternehmenssprecher. Auch hier rechne man aber bis gegen 8 Uhr mit dem regulären Betrieb. Im Regionalzugverkehr sei der normale Fahrplan eingehalten worden.

Die Mitarbeiter der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) setzten jedoch ihren Ausstand fort. U- und Straßenbahnen sowie Busse sollten den sechsten Tag in Folge in den Depots bleiben. Nach Angaben der Verkehrsleitzentrale kam es zu Beginn des Berufsverkehrs jedoch kaum zu größeren Behinderungen auf den Straßen. Im Moment bewege sich der Verkehr flüssig.

Die Verantwortlichen von Ver.di wollen am Nachmittag zusammenkommen, um über ihre weitere Strategie zu diskutieren. Den Angaben zufolge ist jedoch nicht mit einer veränderten Streiktaktik zu rechnen, da die Arbeitgeber kein neues Angebot vorgelegt haben. Die Gewerkschaft will ihren Ausstand voraussichtlich bis zum 14. März fortsetzen, über die Osterfeiertage ist eine Pause geplant.

Angesichts des zunächst drohenden Bahn-Streiks hatte die BVG angekündigt, ihren Notverkehr mit Bussen privater Unternehmen auszudehnen. Besonders der Ersatzverkehr für die U-Bahn sollte aufgestockt werden. Zu Dienstbeginn sind heute nach Angaben der BVG über 130 Busse im Einsatz. Das Unternehmen wollte versuchen, zwischen 6 und 21 Uhr statt des bisherigen 30-Minuten-Takts die Fahrzeuge teilweise alle zehn Minuten einzusetzen.

mik/dpa/ddp/Reuters



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