Nachruf auf Alfred Oppenheim Der Patriarch der deutschen Privatbank-Welt ist tot

Über vier Jahrzehnte lang prägte er die heute größte Privatbank Europas und legte die Grundlage für ihre Expansion: Alfred Freiherr von Oppenheim, bis zum Schluß Aufsichtsratsvorsitzender bei Sal. Oppenheim, ist am Mittwoch nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben.


Köln - Der Baron wurde 70 Jahre alt. Sein Tod wurde heute von der Bank und vom DIHK bekannt gegeben. Im Privatbanker-Kreisen wurde Oppenheim respektvoll "der Patriarch" genannt. Über vier Jahrzehnte prägte er die Geschicke des Bankhauses, das im Jahr 1789 von seinem Vorfahr Salomon Oppenheim in Köln gegründet wurde.

Alfred Oppenheim: Mit Beharrlichkeit und Connections nach oben
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Alfred Oppenheim: Mit Beharrlichkeit und Connections nach oben

Bereits als 30-Jähriger wurde der studierte Ökonom persönlicher haftender Gesellschafter des Unternehmens, in dem er die sechste Generation nach dem Gründer vertrat. Nach 29 Jahren als Teilhaber übernahm er 1993 den Vorsitz des Aktionärsausschusses und des Aufsichtsrats.

Zuvor hatte er bereits die Weichen für die weitere Entwicklung der Bank gestellt. Als sein größter Coup gilt der Verkauf der Mehrheitsbeteiligung der Oppenheim-Bank am Versicherungsunternehmen Colonia. Durch das Geschäft mit der französischen Axa-Gruppe sorgt Oppenheim 1989 für eine solide Eigenkapitaldecke seiner Bank und bereitete so das Fundament für die weitere Expansion.

Als Förderer von Kultur und Bildung profiliert

Über die Jahre gelang Sal. Oppenheim der Aufstieg zu der nach eigenen Angaben größten unabhängigen Privatbank Europas in Familienbesitz. In der Mitteilung des Bankhauses hieß es: "Seiner Führungsstärke, seinem strategischen Weitblick sowie seiner Fähigkeit, die Bank stets an die Anforderungen der Zeit anzupassen, sind deren beständiges Wachstum und damit ihre langfristige Unabhängigkeit zu verdanken."

Erst am Dienstag hatte Sal. Oppenheim die Übernahme der Frankfurter BHF-Bank abgeschlossen. Auch hier sollte Freiherr von Oppenheim den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen. Nach eigenen Angaben verwalten die nun vereinten Bankhäuser ein Vermögen von 100 Milliarden Euro. Für das Geschäftsjahr 2005 wird ein Vorsteuergewinn von über 100 Millionen Euro angestrebt.

Baron von Oppenheim war unter anderem Vizepräsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Er war zudem Präsident der Deutsch-Französischen Handelskammer in Paris und wurde für sein Wirken um die deutsch-französische Freundschaft zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannt, die höchste Auszeichnung Frankreichs für ausländische Staatsangehörige.

Weggefährten lobten Alfred Freiherr von Oppenheims feinen Sinn für Humor und seine persönliche Verlässlichkeit. Der Vater dreier Kinder engagierte sich an der Seite seiner Frau für Kunst und Kultur und zählte zu den Förderern der Kölner Universität.



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