Nährwertangaben Erster deutscher Lebensmittelkonzern führt Ampel ein

Jahrelang haben die Verbraucherschützer gekämpft, jetzt zeigt sich Erfolg: Als erster deutscher Hersteller führt der Tiefkühlkost-Anbieter Frosta die Ampel-Kennzeichnung auf seinen Produkten ein - und fordert eine gesetzliche Verpflichtung für die gesamte Lebensmittelindustrie.


Berlin - Es ist eine kleine Revolution im deutschen Lebensmittelmarkt: Ab August wird der Tiefkühlkost-Anbieter Frosta als erster deutscher Lebensmittelhersteller die umstrittene Ampel-Kennzeichnung für Lebensmittel auf seinen Produkten haben. Auf der Verpackungsvorderseite der vier meistverkauften Produkte der Firma wird dann der Fettanteil sowie Zucker- und Salzgehalt ausgewiesen und nach gesundheitlicher Bedenklichkeit grün, gelb oder rot gekennzeichnet sein, wie Frosta-Vorstand Felix Ahlers am Mittwoch in Berlin ankündigte. Damit die Verbraucher alle Produkte auch vergleichen könnten, müsse allerdings eine gesetzlich verpflichtende Regelung für alle Hersteller gelten, forderte er zusammen mit Verbraucherschützern in Berlin.

Lebensmittelpackung von Frosta: Künftig werden Fettanteil, Zucker- und Salzgehalt ausgewiesen
DPA

Lebensmittelpackung von Frosta: Künftig werden Fettanteil, Zucker- und Salzgehalt ausgewiesen

Um die richtige Kennzeichnung der Inhaltsstoffe wird zwischen Industrie, Politik und Verbraucherschützern seit Jahren erbittert gestritten. Gesundheitsexperten und Verbraucherorganisationen fordern eine farbliche Kennzeichnung der Inhaltsstoffe nach einem Ampelsystem. Mit den Farben grün (niedrig), gelb (mittel) und rot (hoch) soll dem Verbraucher einfach und schnell signalisiert werden, was er isst. Die Lebensmittelindustrie lehnt dieses System jedoch ab - angeblich, weil es bestimmte Lebensmittel diskriminiere. Sie hat sich stattdessen auf das sogenannte GDA-System (Guideline daily amount) verständigt, das den Nährwert bezogen auf Portionsgrößen angibt.

"Mit Ampel ist Mogelpackung schnell entzaubert"

Angesichts einer immer übergewichtigeren Bevölkerung forderten Verbraucherschützer die Bundesregierung jetzt erneut auf, die Ampel-Kennzeichnung für Lebensmittel endlich vorzuschreiben. Dies sei die Voraussetzung, damit Verbraucher einen hohen Zucker-, Fett- oder Salzgehalt auf den ersten Blick erkennen könnten, sagte der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Gerd Billen. "Wenn die Ampel draufsteht, ist die Mogelpackung schnell entzaubert", argumentierte auch der Geschäftsführer von Foodwatch, Thilo Bode.

Unterstützung erhalten die Verbraucherschützer dabei von Seiten der Krankenkassen: "Wir brauchen dringend eine transparente und leicht verständliche Information über den Nährwertgehalt von Lebensmitteln", sagte AOK-Vorstandsmitglied Jürgen Graalmann. Unausgewogene Ernährung führe erwiesenermaßen zu großen gesundheitlichen Problemen und hohen gesellschaftlichen Kosten.

Nach Angaben der AOK haben in Deutschland etwa 50 Prozent der Männer und 35 Prozent der Frauen Übergewicht. Auch immer mehr Kinder und Jugendliche bringen deutlich zu viel auf die Waage. Es gehe allerdings nicht darum, die Lebensmittel in gute und schlechte Waren einzuteilen, sagte Graalmann. Entscheidend sei vielmehr eine ausgewogene Ernährung. Auch Olivenöl würde wegen seines hohen Fettgehalts eine rote Kennzeichnung erhalten, erklärte Bode. Dennoch würde niemand vom Verzehr abraten. Wenn ein Verbraucher allerdings allzu viele rote Waren in seinem Einkaufswagen habe, sollte er sich darüber Gedanken machen.

Zwei Drittel der Kunden wollen Ampel

Studien in Großbritannien zeigen nach Angaben der Verbraucherschützer, dass die Kunden die Ampel-Kennzeichen dort tatsächlich nutzen. Auch zwei Drittel der deutschen Kunden wünschten sich die Ampel, die aber von Bundesregierung und Lebensmittelindustrie in Deutschland und Europa blockiert werde, erklärten die Verbraucherschützer.

Die Lebensmittelindustrie wehrt sich gegen diese Pläne: Sie sei gegen eine willkürliche Bewertung anhand einzelner Nährstoffe, erklärte der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde. Ein am Donnerstag geplanter Runder Tisch zur Nährwertkennzeichnung bei Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) wurde aus Termingründen abgesagt. Bei einem Treffen mit Aigner im Februar hatten sich die Teilnehmer nicht einigen können.

sam/AFP/Reuters

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