Navigationssystem Unternehmen reißen sich um Bau von Galileo

Nach der Einigung auf die Vergaberegeln für das Satelliten-Navigationssystem Galileo geht das Wettrennen um die Aufträge los: In Deutschland reißen sich zwei Unternehmen um den Bau.


München/ Bremen – Der Bedeutung des Projekts entsprechend, fallen die ersten Statements feierlich aus: "Astrium hat die Fähigkeit und den Willen, die Satelliten für Galileo zu bauen - wir sind bereit", sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung der EADS-Raumfahrtsparte, Evert Dudok heute. Ähnlich äußerte sich auch das Bremer Raumfahrtunternehmen OHB Technology. "Der Wettbewerb wird unsere Stärken zeigen", sagte ein Sprecher.

OHB will gemeinsam mit dem britischen Unternehmen Surrey Satellite Technology Limited (SSTL) die Federführung für den Satellitenbau übernehmen. Das 1200-Mann-Unternehmen hat Erfahrungen bei der Entwicklung, dem Bau und dem Betrieb von Kleinsatelliten für wissenschaftliche und industrielle Zwecke und ist Hauptauftragnehmer für das deutsche Radar-Aufklärungssystem SAR-Lupe.

Computergeneriertes Bild des ersten Galileo-Satelliten: Tiefensee sagt, Deutschland habe "knallharte Industriepolitik" bei den Verhandlungen zu dem Projekt betrieben
DDP

Computergeneriertes Bild des ersten Galileo-Satelliten: Tiefensee sagt, Deutschland habe "knallharte Industriepolitik" bei den Verhandlungen zu dem Projekt betrieben

Im Gespräch ist aber dem Vernehmen nach, dass Astrium die Führung beim Bau der Satelliten bekommen könnte und die französische Thales Alenia die Führung der Segmente Systemplanung und Ausbau der Bodeneinrichtungen. Beide Unternehmen könnten dann wiederum wechselseitig an den jeweils anderen Segmenten beteiligt werden. Der Astrium-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern. "Die EU hat die beteiligten Industrieunternehmen aufgefordert, Vorschläge für eine intelligente Arbeitsteilung zu machen", erklärte er lediglich.

Den EU-Verkehrsministern war es heute gelungen, beim dem lange kriselnden Projekt die letzten Widerstände aus dem Weg zu räumen: Auch Spanien macht jetzt mit. So konnten die gemeinsamen Regeln zur Auftragsvergabe im Wert von mindestens 3,4 Milliarden Euro endgültig festgezurrt werden. Am Donnerstag hatten die Minister die Regeln zunächst gegen den Widerstand Spaniens beschlossen. Die Spanier erklärten den Beschluss anschließend für ungültig. Nach weiteren Verhandlungen bekommt Spanien wie gefordert eines der nunmehr drei Galileo-Kontrollzentren, wird dafür aber eine Bodenstation, die ein Satellitensignal für Rettungsdienste steuern wird, auf eigene Kosten bis 2013 aufrüsten.

Der Einigung von Brüssel zufolge sollen unter anderem die Aufträge zum Aufbau der Infrastruktur in sechs Paketen vergeben und Subunternehmer an jedem Paket mit mindestens 40 Prozent des Auftragswerts beteiligt werden. Zudem soll der Bau der 26 Satelliten in drei Phasen ausgeschrieben werden. Nach Industrieangaben dürfte der Satelliten-Bau rund 1,2 Milliarden Euro ausmachen.

Tiefensee rühmt sich für "knallharte Industriepolitik"

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagte, Deutschland habe sich für den europäischen Gedanken bei Galileo eingesetzt und zugleich "knallharte Industriepolitik" betrieben. Er zeigte sich überzeugt, dass ein sehr großer Anteil der 3,4 Milliarden Euro "direkt und indirekt" nach Deutschland zurückfließen werde.

Bereits gesichert sei die Zukunft des geplanten Bodenkontrollzentrums für Galileo im bayerischen Oberpfaffenhofen, sagte Tiefensee: "Oberpfaffenhofen ist eine tragende Säule für dieses System." Zudem habe EADS Astrium beste Chancen, Zuschläge für den Bau der Satelliten und für die Ausstattung des Bodenkontrollzentrums davonzutragen: Deutschland sei "mit EADS Astrium im Space Sektor und bei der Ground Control nicht schlagbar."

Astrium als Raumfahrtsparte des europäischen Flugzeugbau- und Rüstungskonzerns EADS hat europaweit rund 11.000 Mitarbeiter, rund 3600 davon sind an den deutschen Standorten beschäftigt. Die Galileo-Aktivitäten sind in Ottobrunn bei München gebündelt. Im vergangenen Jahr kam die Sparte in Europa auf einen Umsatz von rund 3,2 Milliarden Euro. Mit Galileo will Europa eine effiziente Konkurrenz zum amerikanischen GPS-Navigationssystem aufbauen.

ase/Ap/dpa



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