Nervöse Börse TUI und Lufthansa brechen weg

Nach den Anschlägen von Madrid notieren die deutschen Aktienmärkte den zweiten Tag in Folge im Minus. Der Dax ist erneut unter 3900 Punkte gefallen. Ganz vorn bei den Verliereren: die Touristik-Werte.


Kurs-Anzeigetafel: Die Hausse wurde nur ein Jahr alt
DPA

Kurs-Anzeigetafel: Die Hausse wurde nur ein Jahr alt

Frankfurt am Main - Bereits wenige Minuten nach Handelsstart fiel der Dax unter 3900 Punkte und büßte 1,29 Prozent auf 3854,69 Zähler ein. Der Mdax fiel um 1,71 Prozent auf 4.673,79 Zähler, und der TecDax verlor 2,18 Prozent auf 577,93 Punkte. Ein Anlass für die Sorgen: Laut einer in London erscheinenden arabischen Zeitung hat die islamische Terrororganisation al-Qaida in Kürze einen neuen neuen Anschlag in den USA angedroht.

"Der Markt ist zurzeit sehr nervös und das Wochenende steht vor der Tür. Die Anleger tendieren daher stark dazu, ihre Aktienbestände zu verkaufen, bevor sie womöglich noch mehr fallen", sagte ein Marktstratege aus Düsseldorf. Das setze die Börsen weiter unter Druck.

Sämtliche Dax-Werte notierten bei weiterhin ungewöhnlich hohen Umsätzen mit Verlusten. Schwächste Aktie war die des weltgrößten Touristikunternehmens TUI Chart zeigen, die um 5,54 Prozent auf 17,05 Euro nachgab. An zweiter Stelle folgte die Lufthansa Chart zeigen-Aktie mit minus 3,72 Prozent auf 13,19 Euro.

Das Geschäft beider Unternehmen ist besonders stark von den zunehmenden Terrorängsten betroffen. Sogar die außergewöhnlich guten Verkehrszahlen der Fraport AG halfen dem Papier des Flughafenbetreibers kaum. Trotz eines Rekordwachstums bei den Passagierzahlen im Februar fiel der Anteilsschein um 4,17 Prozent auf 5,75 Euro.

Bayer Chart zeigen -Aktien, die von den Analysten der Citigroup Smith Barney von "Buy" auf "Hold" abgestuft worden waren, büßten 3,90 Prozent auf 20,95 Euro ein. Papiere der Deutschen Post gaben trotz einer Hochstufung durch die Dresdner Kleinwort Wasserstein von "Hold" auf "Buy" deutlich um 2,42 Prozent auf 17,77 Euro nach.

Besser als der Markt hielt sich die Wella-Aktie mit minus 0,34 Prozent auf 72,60 Euro. Der Aufsichtsrat des Kosmetikkonzerns hat der Hauptversammlung eine Dividende auf Vorjahresniveau vorgeschlagen.

Im TecDax konnte als einzige Aktie das Papier des Online-Brokers Comdirect zulegen - um 0,05 Prozent auf 7,68 Euro. Die Aktie hatten in den vorangegangenen Tagen kräftige Verluste verzeichnet. Das Unternehmen hat auf seiner Internetseite frühere Aussagen zum Ausblick 2004 bestätigt.

Unter dem Eindruck der Bombenanschläge hatte schon der Nikkei-225-Index mit Verlusten geschlossen. Der japanische Leitindex fiel deutlich um 134,29 Punkte oder 1,19 Prozent auf 11.162,75 Zähler. Der breit gefasste Topix gab um 12,97 Punkte oder 1,16 Prozent auf 1107,37 Zähler nach.

Die US-Bösen waren am Donnerstag vor allem in den letzten 30 Handelsminuten heftig unter Druck geraten. Alleine in dieser Zeit gab der Dow Jones um nahezu 100 Punkte nach. Der Index schloss dann um 1,64 Prozent schwächer bei 10.128 Punkten. Der S&P 500 gab um 1,52 Prozent auf 1.106,79 Zähler nach. Der Nasdaq Composite sank nach einem teils behaupteten Handelsverlauf auf 1943 Punkte und damit um 1,01 Prozent. Der Auswahlindex Nasdaq 100 gab um 1,1 Prozent auf 1402 Zähler nach.

Die Konjunkturdaten des Tages hätten den Pessimismus der Anleger im frühen Handel leicht dämpfen können, berichteten Händler. In den USA waren die Ein- und Ausfuhrpreise im Februar wie erwartet erneut gestiegen. Bis zum Abend blieb indessen völlig unklar, wer hinter den schwersten Terroranschlägen in Europa seit Jahrzehnten steckt. Neben der baskischen Terror-Organisation ETA wurden nach dem angeblichen Eingang eines Bekennerschreibens verstärkt islamische Terroristen als Drahtzieher verdächtigt.

Microsoft Chart zeigen warnte seine Kunden vor einer gefährlichen Sicherheitslücke im E-Mail-Programm Outlook 2002, was die Anleger allerdings nur wenig interessierte. Die Aktie verlor unterdurchschnittlich 1,10 Prozent auf 25,09 Dollar. Nortel-Aktien brachen heftig ein und schlossen um 7,41 Prozent geschwächt bei 6,37 Dollar. Der kanadische Telekomausrüster verschiebt die Veröffentlichung der endgültigen Zahlen für 2003.

Quartalszahlen quittierten die Anleger vom Halbleiterhersteller National Semiconductor hingegen mit Kauforders. Die Aktie gehörte zu den raren Gewinnern im S&P 500 und stieg hier um 2,36 Prozent auf 39,10 Dollar.

Die Verluste betrafen zudem sämtliche Aktien im Dow Jones, mit Ausnahme des Aluminiumherstellers Alcoa Chart zeigen, dessen Kurs sich mit Plus 0,20 Prozent auf 34,27 Dollar gut behaupten konnte. Der weltgrößte Autokonzern General Motors Chart zeigenwill mit Milliarden-Investitionen die Produktion beim südkoreanischen Hersteller Daewoo ausbauen. GM-Aktien schlossen bei 44,90 Dollar und einem Minus von 2,56 Prozent sehr schwach.

Deutlich im Plus bewegte sich an der Nasdaq die Aktie des Satellitenbetreibers Echostar Communications, die um 3,60 Prozent auf 35,35 Dollar stieg. Echostar und der Konzern Viacom haben sich in einem Streit geeinigt, bei dem es um die Übernahme von Programmen von Viacom auf den Satellitendienst namens Dish von Echostar ging, hieß es.



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