Neue Arbeitskräfte EU plant Blue Cards für 20 Millionen Einwanderer

Wende in der europäischen Einwanderungspolitik: Die EU will 20 Millionen Arbeitskräfte aus Asien und Afrika holen - mit einer neuen Blue Card. Nur so könne man den Wettbewerb mit den USA gewinnen. Vor allem Deutschland soll mehr Migranten aufnehmen.


Brüssel - Es wäre eine Revolution in Europas Umgang mit Einwanderung und Integration. Justizkommissar Franco Frattini fordert einem Bericht der "Financial Times" zufolge, dass die gesamte EU ihre Abschottungsstrategie ändert und Millionen dringend gesuchte Arbeitskräfte aus aller Welt leichter hier arbeiten lässt. Er plant eine europäische Green Card, die sogenannte Blue Card - und will den Ministern der EU-Mitgliedstaaten demnächst einen Gesetzesvorschlag vorlegen.

Die europäische Blue Card lehnt sich offen an die amerikanische Green Card an. Demnach sollen qualifizierte Arbeitskräfte einen Zwei-Jahres-Aufenthalt beantragen können, der dann verlängert werden könnte. Nach fünf Jahren in einem EU-Land sollen sie einen permanenten Aufenthaltsstatus erhalten.

Die Kriterien, die Bewerber dabei erfüllen sollen, sind nicht allzu streng. So gehört dazu laut "Frankfurter Allgemeiner Zeitung" ein "Gehalt deutlich über den existierenden Mindestlöhnen auf nationaler Ebene". Zum Vergleich: In Deutschland muss ein leitender Angestellter bisher mindestens 85.500 Euro verdienen, um eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis zu erhalten.

Gleichzeitig soll die illegale Einwanderung härter bekämpft werden, kündigte Frattini der "FT" zufolge an. Das Ziel sei auch, die oft gefährlichen Bootsüberfahrten von Afrikanern nach Europa zu stoppen.

In der EU ist die Zuwanderung aus Drittstaaten bisher nicht einheitlich geregelt. Mit Verweis auf die angespannte Arbeitsmarktlage hatte sich in der Vergangenheit vor allem Deutschland gegen eine EU-Regelung gewehrt.

Das will Frattini jetzt ändern. "Wir dürfen Immigration nicht als Bedrohung sehen", sagte er. Seine Pläne will er offiziell beim Treffen der EU-Minister in Lissabon vorstellen. "Wenn Migration gut gemanagt wird, ist sie eine Bereicherung." Ohnehin sei sie ein unausweichliches Phänomen der heutigen Zeit.

Frattini führt vor allem wirtschaftliche Gründe für sein Anliegen an. "Europa steht im Wettbewerb mit Australien, Kanada, den USA und den aufstrebenden Staaten Asiens." Deshalb müsse man die weltweite Mobilität zugunsten Europas nutzen.

"Wir müssen die Arbeitskräfte nach Europa holen, die hier gebraucht werden", wird Frattini zitiert. Vor allem Deutschland, Italien und Ungarn hätten wegen ihrer stark alternden Bevölkerung einen hohen Bedarf an Einwanderern. Europaweit spricht Frattini von 20 Millionen Menschen in den nächsten 20 Jahren.

Von allen unqualifizierten Arbeitskräften, die ihr Heimatland verlassen, gehen derzeit 85 Prozent in die EU, aber nur fünf Prozent in die USA. Bei den qualifizierten Arbeitskräften ist es genau umgekehrt: 55 Prozent wandern in die USA ein, nur fünf Prozent in die EU.

Die Reform der europäischen Einwanderungsgesetze könnte zu einem deutlichen Anstieg des ausländischen Bevölkerungsanteils führen. Laut "Financial Times" könnte er sich bis zum Jahr 2030 mehr als verdoppeln.

wal



Forum - Mehr Zuwanderung - oder weniger?
insgesamt 1119 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
DJ Doena 13.09.2007
1.
Wir brauchen mehr gerichtete Zuwanderung. Selbst wenn wir aus menschlichen Gründen sagen, die Art Personen, die wir bisher aufgenommen haben ("Russland-Deutsche", ostanatolische Familienzusammenführungen), werden wir auch in Zukunft aufnehmen, so müssen wir in Zukunft auch massiv den Zuzug von Fachkräften forcieren. Jetzt werden wieder alle aufschreien, dass wir soundsoviel Millionen Arbeitslose haben, sonundosviel Tausend arbeitslose Ingenieure und Informatiker und das "wir" die doch erstmal in Arbeit bringen sollen. Nur: Versuch doch mal einen Arbeitslosen aus Hamburg dazu zu bewegen, im Ländle einen Job anzunehmen, da bekommste ja eher den Esel zur Tränke. Er würd genug Ausre...äh...gute Gründe finden, warum das leider gerade nicht möglich ist. Wenn die Firma im Ländle aber einen Arbeitnehmer braucht und sich kein Deutscher findet, warum dann nicht auf Ausländer zurückgreifen. Arbeit ist zu keiner Zeit der Menschheitsgeschichte zu den Menschen gekommen, immer sind die Menschen zur Arbeit gegangen. Nur der deutsche Sozialstaatsverwöhnte will davon nichts hören.
Thomas E. 13.09.2007
2.
Zuwanderung ist nicht per se etwas schlechtes, aber sie sollte vernünftig gesteuert werden. Welche Qualifikationen sind gefragt? Danach sollte sich die Einwanderung richten. Stattdessen kommen bzw. kamen viel zu viele Unqualifizierte ins Land, die nur den Sozialkassen zur Last fallen. Ein Blick nach Kanada oder Australien wäre angebracht.
chris1265, 13.09.2007
3.
Zitat von sysopDie EU sieht auf Deutschland einen gigantischen Arbeitskräftemangel zukommen. Einziger Ausweg: mehr Zuwanderung. Liegt Brüssel mit dieser Einschätzung richtig? Braucht Deutschland tatsächlich mehr Zuwanderung - oder weniger?
Auf jeden Fall, die EU und die Bundesregierung haben ja über Jahrzehnte hin bewiesen, dass sie wissen was der deutsche Markt braucht. Darum haben wir auch nur knapp 7 Millionen Erwerbslose und Unternehmen die Milliardengewinne abschöpfen, tausende von deutschen Mitarbeitern entlassen und dann nach 2 Monaten schreien sie bräuchten dringend qualifiziertes Personal, dass nur aus dem Ausland zu beziehen sei. Die machen des schon richtig.
turritom, 13.09.2007
4.
Das Problem das ich sehe ist das man auch die neuen Zuwanderer nicht richtig integriert , lernen kein deutsch , leben in Ihrer eigenen kleinen Welt und Kultur in Deutschland. Das gibt Probleme. Deswegen rege ich mich auch darüber auf. Es gibt einfach Konflikte durch die fehlende Integration. Desweiteren kann man nicht behaupten das alle 4 Millionen Arbeitslosen kein Bock hätten grössere Wege in kauf zu nehmen um einen Job zu bekommen .. das ist Pauschalisierung. Ich denke es ist ja wohl klar das es nur darum geht billigere Arbeitskräfte zu bekommen.
drum 13.09.2007
5.
Zitat von DJ DoenaWir brauchen mehr gerichtete Zuwanderung. Selbst wenn wir aus menschlichen Gründen sagen, die Art Personen, die wir bisher aufgenommen haben ("Russland-Deutsche", ostanatolische Familienzusammenführungen), werden wir auch in Zukunft aufnehmen, so müssen wir in Zukunft auch massiv den Zuzug von Fachkräften forcieren. Jetzt werden wieder alle aufschreien, dass wir soundsoviel Millionen Arbeitslose haben, sonundosviel Tausend arbeitslose Ingenieure und Informatiker und das "wir" die doch erstmal in Arbeit bringen sollen. Nur: Versuch doch mal einen Arbeitslosen aus Hamburg dazu zu bewegen, im Ländle einen Job anzunehmen, da bekommste ja eher den Esel zur Tränke. Er würd genug Ausre...äh...gute Gründe finden, warum das leider gerade nicht möglich ist. Wenn die Firma im Ländle aber einen Arbeitnehmer braucht und sich kein Deutscher findet, warum dann nicht auf Ausländer zurückgreifen. Arbeit ist zu keiner Zeit der Menschheitsgeschichte zu den Menschen gekommen, immer sind die Menschen zur Arbeit gegangen. Nur der deutsche Sozialstaatsverwöhnte will davon nichts hören.
Wie nennt man das denn, wenn die Arbeitsplätze von Deutschland ins Ausland gehen? Zu den ausländischen Menschen kommt die Arbeit dann doch oder? Also... "zu keiner Zeit der Menschheitsgeschichte" ist doch wohl etwas sehr daneben!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.