Neue "Gas-Opec" Putin kündigt höhere Verbraucherpreise an

Die wichtigsten Gas-Lieferländer der Welt verbünden sich: In einer Organisation namens GEFC wollen sie künftig ihre Interessen abstimmen - also ihre Preise, fürchten Kritiker und warnen vor einer "Gas-Opec". Russlands Premier Putin kündigt schon an, die "Ära des billigen Gases" sei vorbei.


Moskau - Russland, Iran und zwölf weitere große Gasexporteure schließen sich zusammen: Bei einem Treffen in Moskau haben sie ihrem "Forum Gasexportierender Länder" (GECF) eine Satzung gegeben und als Sitz der Organisation Doha in Katar festgelegt. Das teilte der russische Energieminister Sergej Schmatko mit - Ministerpräsident Wladimir Putin machte bei der Tagung auch gleich klar, auf was sich die Verbraucher in Europa einstellen müssen: dauerhaft hohe Gaspreise.

Gasförderung in Russland: Entwicklungskosten steigen
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Gasförderung in Russland: Entwicklungskosten steigen

"Die notwendigen Ausgaben für die Entwicklung von Gasfeldern steigen stark", sagte Putin wörtlich. "Das bedeutet natürlich, dass trotz aller gegenwärtigen Finanzprobleme die Ära billiger Energievorkommen, des billigen Gases vorbei ist." Der russische Energieriese Gasprom Chart zeigenliefert etwa ein Viertel des in der Europäischen Union benötigten Erdgases.

Die Erdgas-Importländer befürchten, dass nun die GECF zu einem Gaskartell nach Vorbild der Organisation Erdölexportierender Länder (Opec) umgebaut wird, um Preise durch Absprachen in die Höhe treiben zu können. Schmetko und andere Teilnehmer des Moskauer Treffens wiesen das zurück. Auch Putin sprach sich gegen eine Politisierung der internationalen Energiebeziehungen aus: "Die Interessen von Produzenten, Verbrauchern und Transitländern lassen sich nur durch klare und langfristige Beziehungen auf marktwirtschaftlicher Grundlage vereinen", sagte er.

Energieexperten in Deutschland erwarten trotz der Ankündigung mit vorerst sinkende Preisen. Die Gaskosten für Normalverbraucher würden im nächsten Jahr um bis zu 25 Prozent zurückgehen, sagte Holger Krawinkel, der Energieexperte des Bundesverbandes Verbraucherzentralen. Der Preisverfall sei Folge des Preisrutsches bei Mineralöl. Wegen der Ölpreisbindung folgt der Gaspreis dem Ölpreis mit einer Verzögerung von etwa sechs Monaten.

Allerdings handelt es sich bei dem Preisrutsch nach Einschätzung Krawinkels nur um eine Atempause für die Verbraucher. Langfristig werde der Gaspreis wegen des wachsenden weltweiten Energiehungers voraussichtlich wieder in die Höhe schnellen.

Auch deshalb drängt der Verbraucherschützer auf mehr Wettbewerb im deutschen Gasmarkt. "Ich bin ziemlich sicher, dass es noch ein Kostensenkungspotential von 10 bis 15 Prozent gibt", sagte Krawinkel mit Blick auf die Gaspreise. Damit der Kunde davon profitieren könne, müssten Bund und Länder aber für mehr Wettbewerb auf dem Gasmarkt sorgen - etwa durch eine Entflechtung der Gasnetze.

sam/AFP/dpa/AP

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