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Neue Industriepolitik: China bremst deutsche Autokonzerne aus

Von , Peking

Fast unbemerkt beginnt China eine neue Autopolitik: Jahrelang haben ausländische Konzerne den Großteil der Gewinne des riesigen Marktes abgeschöpft. Jetzt beendet die kommunistische Regierung die Vorzugsbehandlung - und setzt eigene Technologien und Marken.

Autoindustrie: Peking wechselt seine Strategie Fotos
AFP

Die Zeitenwende kommt leise, so, als wolle man die Betroffenen nicht aus ihrer Partylaune aufschrecken: Ende des vergangenen Jahres verkündete das einstige Planungsministerium eine Reform, die es in sich hat. Die Nationale Kommission für Entwicklung und Reform (NDRC) verabschiedete einen neuen industriellen Leitkatalog, der Ende Januar in Kraft tritt - und der vor allem für deutsche Autokonzerne wie Volkswagen, BMW und Mercedes verheerende Folgen haben könnte.

Denn die haben die Volksrepublik zu ihrem wichtigsten Auslandsmarkt aufgebaut. Schon lange beobachten die Industrieplaner in Peking frustriert, wie die Ausländer auf ihrem Riesenmarkt von Erfolg zu Erfolg eilen. Allein VW verkaufte in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres mehr als zwei Millionen Fahrzeuge in China - das ist ein Zuwachs von mehr als 15 Prozent gegenüber 2010.

Doch damit könnte jetzt Schluss sein. Denn um die "gesunde Entwicklung" der heimischen Autoindustrie zu gewährleisten, strich die NDRC die Herstellung von Autos von der Liste jener Industrien, bei denen ausländische Investoren besonders willkommen sind. Die Zielrichtung der Änderung ist klar: Peking will seinen heimischen Autobauern endlich zum Durchbruch verhelfen.

Heimische Autobauer leiden unter der Abschwächung des Wachstums

Denn gerade heimische Konkurrenten wie beispielsweise BYD ("Build your dreams") leiden im Gegensatz zu den ausländischen Herstellern besonders unter der aktuellen Abschwächung des Wachstums auf Chinas Automarkt. Nachdem Peking staatliche Vergünstigungen für den Autokauf gestrichen hatte, wuchs der gesamte chinesische Markt 2011 nur noch um etwa drei Prozent - gegenüber 30 Prozent im Vorjahr.

Dabei hatten sich die roten Planer den Aufbau ihrer heimischen Autoindustrie anders vorgestellt, als sie China in den achtziger Jahren für ausländische Hersteller öffneten. Ausländische Autobauer durften nur dann in China Fahrzeuge produzieren, wenn sie mit chinesischen Partnern gleichberechtigte Joint Ventures gründeten - und daran hat sich bis heute nichts geändert. Mit dieser Vorgabe hoffte Peking, die Ausländer quasi als Lehrmeister der eigenen Autoindustrie einzuspannen.

Zugleich wollte es den heimischen Marken-Wildwuchs - nach wie vor konkurrieren in China mehr als hundert chinesische Autobauer miteinander - lichten und einige wenige global wettbewerbsfähige Konzerne aufziehen.

Doch es kam anders: Statt den Ausländern moderne Technologien abzuschauen und attraktive Marken aufzubauen, begnügten sich chinesische Staatsbetriebe häufig damit, mit ihren Joint Ventures bequem Geld zu verdienen. Mit ihren eigenen Marken eroberten die Chinesen dagegen nur knapp 30 Prozent des gesamten Automarkts.

Autokonzerne wie Shanghai Automotive Industries (SAIC) verkamen zu schwerfälligen Holding-Gesellschaften - obwohl der Staatskoloss Joint Ventures mit VW und General Motors (GM) unterhält. Das operative Geschäft überließen sie meist den Ausländern. Erst seit einigen Jahren greifen die chinesischen Autokonzerne unter politischem Druck von Peking verstärkt mit eigenen Marken an.

Doch sie kamen zu spät: Denn mittlerweile setzen Weltkonzerne wie VW aufstrebende chinesische Hersteller mit eigenen Billigmarken wie Skoda unter Druck. Demnächst wollen die Wolfsburger ihr Billigsegment in China zum Beispiel noch mit Modellen ihrer spanischen Tochter Seat verstärken.

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1. .
c++ 05.01.2012
China lebt von Exportüberschüssen. Wenn es seine Märkte schließen will, werden die Exportüberschüsse noch größer, zum Nachteil des Landes. Im Übrigen könnte man auch über Gegenmaßnahmen nachdenken und die Importe chinesischer Produkte ausbremsen.
2. Immer wieder die gleichen Fehler ...
frozen 05.01.2012
Seit Jahren wird die Gier über langfristige Strategien gestellt. Darunter leidet die Arbeitskultur in Europa und auf lange sicht werden alle Vorteile technologisch nach China gelenkt. Ich verstehe in diesem Bericht auch nciht soganz, warum chinesische Autobauer nicht schon Kerntechnologien haben. Wurde Volvo nicht von einer chinesischen Firma aufgekauft? Aber dennoch, bekommen die Chinesen nicht was sie wollen, werden sie mit minderen erstmal auskommen müssen. Ob die Bevölkerung sich das gefallen lässt, keine Ahnung. Aber die westlichen Nationen sind selber schuld, wenn China uns mit billig Technologie und riesigen Handelüberschüssen überrollt ... die Firmen legen es ihnen ja bereitwillig vor die Tür. ... oder, vielleicht ja auch nicht. Es wurde ja schon schmerzlich dazugelernt und ein Markt ist nur dann ein Markt, wenn man etwas verkeufen kann und nicht Konkurrenten subventioniert und quasi hilft, das eigenen Unternehmen zu übernehmen.
3. Lemminge
Reqonquista 05.01.2012
Zitat von sysopFast unbemerkt beginnt China eine neue Autopolitik: Jahrelang haben ausländische Konzerne den Großteil der Gewinne des riesigen Marktes abgeschöpft. Jetzt beendet die kommunistische Regierung die Vorzugsbehandlung - und setzt eigene Technologien und Marken. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,807128,00.html
Das sind die Vorteile einer zentralen Planwirtschaft. Sie hat langfristige Ziele vor Augen und setzt sie zu gunsten des Volks durch. Unseren Lenkern ist das egal, sie wollen nur kurzfristigen Erfolg und werden China voll auf den Leim gehen (siehe Solar). Wie sind die Lemminge die einfach auf den Abgrund zulaufen.
4. Bloss nicht...
CMH 05.01.2012
Zitat von c++China lebt von Exportüberschüssen. Wenn es seine Märkte schließen will, werden die Exportüberschüsse noch größer, zum Nachteil des Landes. Im Übrigen könnte man auch über Gegenmaßnahmen nachdenken und die Importe chinesischer Produkte ausbremsen.
Bloß nicht! Woher soll denn dann der Durchschnitts-Geiz-ist-Geil-Deutsche seine Billigklamotten bekommen?
5. China hat die Ausländischen Konzerne schon die ganze Zeit gebremst
beebo 05.01.2012
Die Ausländischen PKW Hersteller hatten seit jeher Probleme in China. China hat die Konzerne gezwungen, in China Autofabriken zu errichten, und nicht alles zu importieren. Ansonsten hat China seine Grenzen einfach dicht gemacht.
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Vier Risiken für Chinas Wirtschaft

Fläche: 9.572.900 km²

Bevölkerung: 1367,820 Mio.

Hauptstadt: Peking

Staatsoberhaupt: Xi Jinping

Regierungschef: Li Keqiang

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