Neue Job-Debatte Februar-Arbeitslosigkeit auf Rekordtief - Politiker wütend über Entlassungswelle

Trotz guter Nachrichten zu den Arbeitslosenzahlen: In Deutschland gibt es eine neue Debatte über Massenentlassungen. Siemens, BMW, Henkel - quer durch alle Branchen werden Jobs gestrichen, obwohl die Konzerne Gewinne einfahren. Die SPD will jetzt Aktienoptionen von Managern zusammenzustreichen.


Berlin - Milder Winter, stabile Konjunktur: Im Februar ist die Arbeitslosigkeit auf 8,6 Prozent zurückgegangen. Insgesamt waren noch knapp mehr als 3,6 Millionen Menschen ohne Beschäftigung. Einen stärkeren Februar-Rückgang hatte die Bundesagentur zuletzt im Jahr 1992 verzeichnet. Gewöhnlich steigt die Arbeitslosigkeit in diesem Wintermonat an.

Die Zahlen vom Arbeitsmarkt sind gut - und trotzdem droht Deutschland jetzt eine neue Entlassungsdebatte.

BMW Chart zeigen will 8100 Mitarbeiter entlassen. Henkel Chart zeigen will 3000 Stellen streichen. Und das, obwohl bei beiden Firmen die Gewinne sprudeln. Siemens Chart zeigen streicht weltweit mindestens 3800 Stellen. Politiker geraten angesichts der aktuellen Entlassungswelle zusehends in Rage - und in Zugzwang.

Auf einen Blick: Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt

Rubrik: :Feb 2008: :Jan 2008: :Veränderung zum Feb 2007
Arbeitslose absolut :3.617.443: :3.659.297: :- 14,8 %
Arbeitslosenquote :8,6 %: :8,7 %: :10,2 % (Quote 2007)
Jüngere unter 25 Jahren :380.894: :372.155: :- 16,3 %
Ältere über 55 Jahren :431.397: :430.369: :- 20,4 %
Offene Stellen :565.341: :528.266: :- 9,4 %
Arbeitslose West :2.347.344: :2.382.876: :- 16,1 %
Quote West :7 %: :7,1 %: :8,4 % (Quote 2007)
Arbeitslose Ost :1.270.099: :1.276.421: :- 12,3 %
Quote Ost :14,8 %: :14,9 %: :17 %

Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Die SPD prescht bereits mit Maßnahmen vor, wie man den Job-Kahlschlag bei Deutschlands Unternehmen eindämmen kann: Die Bezahlung von Managern mit Aktienoptionen müsse begrenzt werden, fordert Rainer Wend, der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion. Zudem müsse überlegt werden, die Spekulationsfrist für Aktien zu verlängern und das Stimmrecht für Aktionäre an die Haltefrist zu knüpfen.

"Wir müssen Anreize setzen, um kurzfristige Spekulationen zu reduzieren", sagte Wend der "Berliner Zeitung". Es sei problematisch, dass Unternehmen immer mehr dazu übergingen, sich nur an der nächsten Aktionärsversammlung zu orientieren, statt sich mittel- und langfristig aufzustellen.

Unions-Fraktionsvize Michael Meister (CDU) sagte der "Berliner Zeitung", es sei nicht nachvollziehbar, dass die Unternehmen einerseits über Fachkräftemangel klagten, andererseits aber Mitarbeiter entließen. Langfristiges Denken wäre, wenn Mitarbeiter entsprechend qualifiziert werden. Die Unternehmen müssten ihre Kommunikationsstrategie überdenken. "Es ist nicht vermittelbar, wenn gleichzeitig Gewinne und Entlassungen verkündet werden", sagte Meister.

ssu/ddp/Reuters



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