Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Neue Konjunkturprognose: 2007 soll Deutschlands Boom-Jahr werden

Mehr Wachstum als 2006, nur noch 8,8 Prozent Arbeitslose - so rosig waren die Aussichten lange nicht mehr. Das IfW prognostiziert: Die Konjunktur in Deutschland legt stärker zu als bisher angenommen.

Kiel - Für das laufende Jahr werde jetzt ein Wachstum von 2,8 Prozent prognostiziert, teilte das Institut für Weltwirtschaft (IfW) mit. Bisher hatten die Kieler Wirtschaftsforscher lediglich 2,1 Prozent erwartet. Im Jahr 2006 war die deutsche Wirtschaft noch um 2,7 Prozent gewachsen. "Der Aufschwung in Deutschland setzt sich kräftig fort", heißt es in der neuen Vorhersage.

Bauarbeiter in einer U-Bahn-Station: Die Arbeitslosenquote dürfte sich weiter verringern
DDP

Bauarbeiter in einer U-Bahn-Station: Die Arbeitslosenquote dürfte sich weiter verringern

Der Grund: Die vielfach dramatisch beschworenen Auswirkungen der Mehrwertsteuererhöhung zum Jahreswechsel sind tatsächlich nicht der Rede wert. Anders als in der Prognose vom Dezember 2006 erwarte das IfW nunmehr, dass die Produktion im ersten Quartal spürbar gestiegen ist. Dass große Käufe auf 2006 vorgezogen wurden, hatte weniger Einfluss als erwartet.

Auch sonst haben die Wissenschaftler Gutes zu berichten: Der Motor der Aufschwungs bleibe die Binnenkonjunktur, während sich die Exportdynamik abschwächen dürfte, heißt es stattdessen - nachdem zur Sorge vieler Ökonomen jahrelang der Export die wichtigste Konjunkturstütze war.

Das Haushaltsdefizit des Staates wird laut IfW außerdem von 1,7 Prozent in Relation zum Bruttoinlandsprodukt 2006 auf 0,7 Prozent im laufenden Jahr fallen. Verantwortlich dafür seien auch die Anstrengungen der Bundesregierung, das Staatsdefizit zu reduzieren.

Das Erfreulichste aber ist wohl: Die Arbeitslosenquote dürfte sich weiter verringern und von 10,8 Prozent im Jahr 2006 auf 8,8 Prozent in 2007 fallen. Damit wären im Schnitt insgesamt noch rund 3,74 Millionen Menschen ohne Job und damit erstmals seit 2001 weniger als vier Millionen. Im kommenden Jahr dürfte die Quote dann sogar auf acht Prozent sinken, was 3,4 Millionen Erwerbslose bedeutet, so die Forscher. Allerdings werde der Wirtschaftsboom sich dann wegen der zu erwartenden steigenden Löhne etwas abflauen, mit geschätzten 2,4 Prozent bleibe das Wachstum aber robust. Bisher gingen die Kieler für 2008 von lediglich 2,1 Prozent aus.

Am Wochenende hatte schon der Internationale Währungsfonds (IWF) mitgeteilt, dass er ein robustes, dauerhaftes Wachstum in Deutschland erwartet. Eine Umfrage der Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young ergab, dass sich der deutsche Mittelstand so kräftig fühlt wie seit Jahren nicht mehr (siehe Fotostrecke).

Selbst Bauwirtschaft brummt

Nicht ganz so euphorisch wie das IfW, aber trotzdem optimistisch hatte sich kurz zuvor schon das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung geäußert: Die Wachstumsaussichten für Deutschland seien noch etwas besser als angenommen. Das Konjunkturbarometer des Instituts zeige für die Wirtschaftsleistung im laufenden Quartal einen saison- und kalenderbereinigten Zuwachs von knapp 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal an. Dieser Wert liege leicht über der im Vormonat abgegebenen Prognose von gut 0,4 Prozent.

Wichtigste Triebfeder des Wirtschaftswachstums dürfte die Industrieproduktion sein, die nach der Stagnation im Schlussquartal des Vorjahres wieder Tritt gefasst habe, heißt es in der Studie. Auch wenn die Beurteilung der Geschäftslage zuletzt rückläufig gewesen sei, deuteten die jüngsten Produktionskennzahlen gleichwohl auf eine im gesamtwirtschaftlichen Vergleich überdurchschnittliche Expansion dieses Wirtschaftsbereichs hin.

Die Bauwirtschaft - viele Jahre die Sorgenbranche par Excellence - dürfte abermals ein starkes Quartalsergebnis verbuchen. Dabei dürften neben der günstigen Witterung auch Vorzieheffekte im Zuge der Mehrwertsteuererhöhung zur Jahreswende eine Rolle gespielt haben. Ein deutlicher Dämpfer zeichne sich hingegen im ersten Quartal für den Bereich Handel, Gastgewerbe und Verkehr ab. Grund sei die Mehrwertsteuererhöhung.

Von der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) dürften laut IfW im laufenden Jahr keine Impulse mehr ausgehen. Die EZB werde ihren Leitzins im Juni und im September wahrscheinlich um jeweils 0,25 Prozentpunkte anheben, so die Kieler. Zum Jahresende dürfte der Leitzins dann bei 4,25 Prozent liegen. Für den Euro ist ein Wechselkurs von 1,30 Dollar unterstellt.

ase/dpa/Reuters

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
So gut geht es dem Mittelstand: Gesamtergebnisse und Bundesländer

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: