Neue Prognose: Regierung schraubt Konjunkturerwartungen radikal nach unten

Die Wirtschaftsleistung bricht nach Einschätzung der Regierung dramatisch ein. Laut einem Pressebericht erwarten die zuständigen Ministerien einen Rückgang um fünf Prozent - statt der bisher prognostizierten minus 2,25 Prozent. Die Koalition rechnet nun mit riesigen Löchern in der Staatskasse.

Berlin - Die Bundesregierung wird ihre Konjunkturprognose drastisch nach unten korrigieren. Laut "Süddeutscher Zeitung" erwarten die zuständigen Ministerien in diesem Jahr einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um fünf Prozent. Bislang liegt die offizielle Prognose noch bei minus 2,25 Prozent.

Stahlwerk: Aus optischen Gründen eine Vier vor dem Komma?
DDP

Stahlwerk: Aus optischen Gründen eine Vier vor dem Komma?

Dem Bericht zufolge wird die neue Prognose in der kommenden Woche bekanntgegeben. Grund für den Pessimismus seien Auftragseinbrüche in wichtigen Branchen wie dem Maschinenbau und der Elektroindustrie.

Einzelne Koalitionsvertreter versuchten zwar noch, die neue Schätzung aus optischen Gründen mit einer Vier vor dem Komma zu versehen, schreibt die Zeitung. Das erste Quartal sei jedoch so schlecht verlaufen, dass eine derartige Schätzung seit Wochen als überholt gelte.

Angesichts der neuen Vorhersage könnte die Arbeitslosigkeit im Jahresschnitt um bis zu eine Million Menschen nach oben schnellen, heißt es weiter. Die Rezession werde zudem riesige Löcher in die Staatskassen reißen. Experten weisen allerdings darauf hin, dass diese Entwicklung ohnehin feststand - unabhängig von der Frage, ob die Wirtschaft um vier, fünf oder sechs Prozent schrumpft.

Mit ihrer neuen Prognose zieht die Bundesregierung nun mit zahlreichen Forschungsinstituten gleich. Die meisten Ökonomen erwarten mittlerweile einen Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr von vier bis fünf Prozent. Die Analysten der Commerzbank schließen auch ein Minus von sieben Prozent nicht aus.

Merkel gibt sich optimistisch

An diesem Montag zeigte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) allerdings optimistisch. Auf der Hannover Messe, der weltgrößten Industriemesse, äußerte sie die Hoffnung, "dass wir langsam am Tiefpunkt angekommen sind".

Zuvor hatten sich bereits die deutschen Maschinenbauer zuversichtlich gezeigt. Zur Mitte des Jahres erwartet der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) eine Trendumkehr bei den Auftragseingängen. "Wir rechnen ab Jahresmitte mit dem Ende der bisherigen Talfahrt bei den Auftragseingängen", sagte der Hauptgeschäftsführer des VDMA, Hannes Hesse.

Andere Experten sind deutlich skeptischer. So sieht der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) keine Trendwende der Konjunktur. "Der ökonomische Mainstream prognostiziert einen Rückgang der diesjährigen deutschen Wirtschaftsleistung um vier bis fünf Prozent. Nichts spricht gegenwärtig für eine rasche Erholung - weder in Deutschland noch anderswo", sagte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel.

Besonders hart trifft die Krise die Elektroindustrie, die daher skeptisch bleibt. Die Branche erwartet in diesem Jahr einen deutlichen Umsatzrückgang. "Wahrscheinlich ist ein Minus um die zehn Prozent", sagte Friedhelm Loh, Präsident des Verbands ZVEI.

wal/Reuters

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