Neue Prognosen Forscher rechnen für 2006 mit Aufschwung

Gleich zwei Wirtschaftsinstitute haben ihre Prognose für das Wachstum der deutschen Wirtschaft im kommenden Jahr deutlich nach oben korrigiert. Sorgen bereitet jedoch nach wie vor die geringe Kauflust der Verbraucher. Für den Arbeitsmarkt geben die Ökonomen noch keine Entwarnung.


Kiel/Essen - Deutschland befinde sich im Aufschwung, erklärte das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel heute. Die seit dem Frühjahr 2004 andauernde Schwächephase sei überwunden, zu Beginn des nächsten Jahres werde die Konjunktur deutlich an Fahrt gewinnen. Deshalb gehe man davon aus, dass die Wirtschaft im nächsten Jahr um 1,5 Prozent und nicht wie bisher prognostiziert um nur 1,1 Prozent wachsen werde.

Auch das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen korrigierte seine Erwartung deutlich von 1,4 auf 1,6 Prozent nach oben. Die "weiterhin temporeich wachsende Weltwirtschaft, die verbesserte preisliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und einen anhaltenden Investitionsaufschwung", hätten den Ausschlag gegeben für die neue Prognose.

Nach Ansicht der Kieler Ökonomen kommen die Impulse vor allem aus dem Ausland. Auf binnenwirtschaftlicher Seite mache sich der Aufschwung besonders deutlich bei den Ausrüstungsinvestitionen bemerkbar. Schwach bleibe aller Voraussicht nach allerdings auch im nächsten Jahr der private Konsum, erklärten beide Einrichtungen. Vor allem die hohen Energiepreise wirkten sich negativ auf die Kauflust der Verbraucher aus.

"Die Lage am Arbeitsmarkt verbessert sich nur sehr zögerlich", heißt es außerdem in dem Bericht des IfW. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte in diesem Jahr im Schnitt bei 4,80 Millionen liegen, im kommenden Jahr bei 4,61 Millionen und 2007 bei 4,46 Millionen. Noch pessimistischer sehen die Experten vom RWI die Beschäftigungslage: Sie gehen davon aus, dass es im nächsten Jahr durchschnittlich 4,73 Millionen Arbeitslose geben wird. Am Ende dieses Jahres werde der Durchschnitt bei 4,88 Millionen liegen.

Auch der Wirtschaftsweise Rürup ist optimistisch

Trotzdem zeichnen die beiden Einrichtungen mit ihren Gutachten ein wesentlich positiveres Bild von der wirtschaftlichen Zukunft des Landes als noch im Herbstgutachten, dass sie gemeinsam mit den vier anderen führenden Wirtschaftsinstituten vor einigen Wochen vorgelegt hatten. Dort hieß es noch, das Bruttoinlandsprodukt werde 2006 lediglich um 1,2 Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit werde außerdem im nächsten Jahr bei durchschnittlich 4,8 Millionen und damit bei einer Quote von 11,6 Prozent liegen, sagten die Ökonomen damals.

Erst gestern hatte der führende Wirtschaftsweise Bert Rürup entgegen früherer Voraussagen der "Fünf Weisen" einen "kleinen Merkel-Aufschwung" für 2006 vorausgesagt. Das Wirtschaftswachstum werde wohl höher ausfallen, als bisher von den Regierungsberatern angenommen, sagte Rürup, allerdings ohne genaue Zahlen zu nennen. Bislang ging der Sachverständigenrat davon aus, dass die Wirtschaft 2006 um 1,0 Prozent zulegt.

Zur Begründung für seinen Optimismus verwies Rürup auf die Daten zum dritten Quartal, die Auftragseingänge sowie das von der Bundesregierung für 2006 geplante Investitionsprogramm. Der Sachverständigenrat habe seine pessimistische Prognose vor dem dritten Quartal und damit auf Basis einer "anderen Geschäftsgrundlage" erstellt. Auch die Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) auf 2,25 Prozent wird den Aufschwung nach Rürups Ansicht nicht gefährden. "Sie würgt den Aufschwung definitiv nicht ab", erklärte der Ökonom.



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Steffen Kahnt 11.08.2005
1.
Auswandern !
Bernd Klehn 11.08.2005
2.
Kein Wunder, dieses ist zwangsläufig das Ergebnis, wenn 400 Milliarden jährlich als Arbeitsstrafabgabe von den untern und mittelen Einkommen eintrieben werden, anstatt sie wettbewerbsneutral als Binnenmarktabgabe (=Mehrwertsteuer, trifft ausländische und inländische Produkte gleichermaßen und fällt bein Export nicht an) zu erheben.
Krischi, 11.08.2005
3.
---Zitat von sysop--- Was sollten wir gegen das schlechte und wirtschaftsfeindliche Image tun? ---Zitatende--- Frau Kuenast von den Grünen fragen - die hat doch immer tolle Ideen und ist eine anerkannte "Wirtschaftsexpertin"!
Randolf Butzbach, 11.08.2005
4. Wie denn?! Mit dem halben Geld?!
Wo soll denn die Binnennachfrage herkommen? Jeder weiß es (auch die Leute vom Statistischen Bundesamt, wenn man sie privat fragt), aber keiner spricht öffentlich darüber: Mit der Einführung des Euro haben zahlreiche Dienstleister und Händler im günstigsten Fall die Preise 1:1 umgerechnet. Teilweise sind Aufschläge von 300% zu beobachten. Dies betrifft insbesondere die Grundbedürfnisse wie Lebensmittel, Auto, Friseur, etc. Faktisch kommt das somit einer Einkommenshalbierung gleich: Wenn ich aber (faktisch) nur noch halb soviel Geld zum Ausgeben habe -- womit soll ich dann den Konsum und damit die Kojunktur und Binnennachfrage ankurbeln? Da nützt es auch nichts, dass die Digitalkameras jetzt nur noch die Hälfte gegenüber von vor drei Jahren kosten (wie das Statistisch Bundesamt mit einberechnet) -- ich kaufe nur so selten eine Digitalkamera. Und wenn, dann kommt die auch noch aus Mangel an deutschen Alternativen aus Fernost -- bringt der Deutschen Wirtschaft also auch nichts.
DFault, 11.08.2005
5.
Wirtschaftsfeindlich?! Ich glaube noch nie zuvor ging es der heimischen Wirtschaft besser. Eine kleine Drohung an die Politik (z.B. Standortschließungen) ist ausreichend um gewisse Steuervorteile zu erlangen (siehe Gewerbesteuer). Aus gleichem Grund verzichten Arbeiter und Angestelle auf Lohnerhöhungen und sind mit Arbeitsplatzgarantien zufrieden. Und das obwohl immer dickere Gewinne eingefahren werden. Ich behaupte unserer Wirtschaft geht es nicht schlecht. Ein großer Teil der schlechten Stimmung ist m.E. von der Wirtschaft so gewollt (gar fociert?). Die schlechte Binnennachfrage kann man -und da gebe ich meinem Vorredner recht- nur durch massive Steuererleichterungen ankurbeln. Habe ich mehr Geld in der Tasche, kann ich auch mehr ausgeben. Oder frei nach dem Motto: Greif' mal einem nackten Mann in die Tasch'! Die MwSt zu erhöhen ist nur dann der richtige Weg, wenn gleichzeitig die "Arbeitsstrafabgaben" zurückgefahren werden. Es ist richtig, dass eine MwSterhöhung aus- und inländische Produkte gleichermaßen trifft, viel wichtiger ist jedoch, dass es arme und reiche Bürger gleichermaßen trifft. Es entstünde also keine Benachteiligung/Bevorzugung. Vielleicht sollte man Frau Künast wirklich fragen...immerhin scheint rot-grün ansatzweise ein Konzept zu haben. Wie ich hörte, möchte die Union im Wahlkampf stärker auf die Fehler und Versäumnisse der rot-grünen Regierung eingehen. Na klar, das lenkt dann ja auch von der eigenen Konzeptlosigkeit ab und man braucht keine verbindlichen Aussagen treffen.
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