Neue Quellen Westliche Ölriesen drängen zurück in den Irak

Die Verträge sollen noch im Juni unterzeichnet werden: Westliche Ölkonzerne wie BP und Exxon stehen kurz vor der Rückkehr in den Irak - 36 Jahre, nachdem Saddam Hussein sie vertrieb. Als Kriegsprofiteure sehen sich die Energiemultis nicht. Sie präsentieren sich lieber als Entwicklungshelfer.


Hamburg - Am 30. Juni soll es soweit sein. Dann würden die Verträge zwischen Konzernen wie Exxon Mobil Chart zeigen, Shell Chart zeigen, Total Chart zeigen und BP und der irakischen Regierung voraussichtlich unterzeichnet, berichtet die "New York Times". Eine offizielle Bestätigung für das Geschäft steht zwar noch aus. Die US-Zeitung beruft sich aber auf mehrere Vertreter des irakischen Ölministeriums, mehrere Quellen bei den Mineralölkonzernen und auf einen US-Diplomaten. Auch Chevron und eine Reihe kleinerer Ölunternehmen dürften wieder Öl im Irak fördern, so die Zeitung. Eine Ausschreibung für die Aufträge hat es nicht gegeben.

US-Soldat vor Ölterminal an der irakischen Küste: Russische, chinesische und indische Unternehmen kommen nicht zum Zug
REUTERS

US-Soldat vor Ölterminal an der irakischen Küste: Russische, chinesische und indische Unternehmen kommen nicht zum Zug

Sollten die Verträge zwischen den Ölmultis und der irakischen Regierung zustande kommen, würden die Konzerne erstmals seit der US-Invasion im Irak im März 2003 wieder Geschäftsbeziehungen mit dem Land aufnehmen. Die Förderlizenzen hatten sie aber schon vor 36 Jahren verloren - der damalige Herrscher Saddam Hussein hatte sie ihnen im Zuge der Verstaatlichung der Ölindustrie entzogen.

Angesichts des hohen Ölpreises verdienen die Konzerne derzeit viel Geld, suchen aber auch verzweifelt nach neuen Quellen. Mehrere Ölförderländer haben angekündigt, der Höhepunkt der Erdölförderung sei bereits erreicht. Für Exxon, Shell, Total und BP kommt ein Engagement im Irak daher gerade recht. Die irakische Regierung ist daran interessiert, die Fördermenge im eigenen Land beträchtlich zu erhöhen. Da dem Land die technischen Möglichkeiten dazu fehlen, ist es auf ausländische Unternehmen angewiesen.

Bei der Kooperation zwischen dem Irak und den Firmen handelt es sich dem Bericht zufolge um nicht öffentlich ausgeschriebene Vergaben. Dennoch hätten sich insgesamt 46 Ölunternehmen, darunter aus Russland, China und Indien, darum beworben. Dass die westlichen Konzerne den Zuschlag bekommen haben, liege daran, dass sie das irakische Ölministerium schon in den vergangenen zwei Jahren kostenlos beraten hätten, sagte ein Ministeriumssprecher.

Die Verträge würden zwar nur ein oder zwei Jahre laufen, den Ölriesen aber eine gute Position für künftige Geschäfte im Irak einräumen, heißt es weiter in dem Bericht. Experten rechnen mit einer massiven Steigerung der Ölproduktion im Irak.

Mit dem Bekanntwerden des Engagements wird erneut Kritik an der US-Politik laut: Seit der US-Invasion wird in der arabischen Welt, aber auch in der amerikanischen Öffentlichkeit der Bush-Administration vorgeworfen, den Krieg nur begonnen zu haben, um sich den Zugriff auf die Rohstoffvorräte zu sichern.

Washington begründet den Krieg dagegen mit dem Kampf gegen Terrorismus. Die "New York Times" schreibt, es sei bislang unklar, welche Rolle die USA beim Zustandekommen der Verträge mit den vier Konzernen haben. Von den betroffenen Unternehmen ist allerdings nur eines - Exxon Mobil - ein amerikanisches. Das irakische Ölministerium beschäftige nach wie vor Berater aus den USA.

Nach Angaben des Ministeriums geht es derzeit um Förderungen auf den größten irakischen Ölfeldern. Sprecher der Ölkonzerne wollten sich zu dem Bericht mit Verweis auf laufende Verhandlungen nicht äußern. Laut "New York Times" ist den Konzernen bewusst, dass sie nach Unterzeichnung der Verträge wie Kriegsgewinnler aussehen könnten. Vertreter der Konzerne betonten der Zeitung zufolge, ihr Know-how nütze auch dem Irak - denn es helfe, die Öl-Infrastruktur des Landes wieder aufzubauen.

kaz

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insgesamt 68 Beiträge
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Haio Forler 19.06.2008
1. .
Zitat von sysopDie Verträge sollen noch im Juni unterzeichnet werden: Westliche Ölkonzerne wie BP und Exxon stehen kurz vor der Rückkehr in den Irak - 36 Jahre, nachdem Saddam Hussein sie vertrieb. Als Kriegsprofiteure sehen sich die Energiemultis nicht. Sie präsentieren sich lieber als Entwicklungshelfer. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,560680,00.html
Entwicklungshelfer ist gut. Beim Brettspiel Risiko hieß es vormals im Handbuch auch "erobern". Das wurde dann in "befreien" geändert. Komisch, und ich dachte wirklich, der Krieg hatte humanitäre Gründe. Wie naiv der Mensch doch sein kann.
dbalzert, 19.06.2008
2. Gute Sache
Gute Sache! Schafft Arbeitsplaetze, bringt Geld ins Land und Oel nach Europa und USA. Ueber die Vergabeverfahren kann man diskutieren, aber lieber westliche Oelkonzerne als chinesische. Hoffe, dass das Geld den Irakern zu gute kommt.
TommIT, 19.06.2008
3. Da ist die Unterscheidung doch ganz einfach
Helfer investieren ohne Gewinnabsicht unter den Doppelstrichen. Ölkonzerne ... Nja kann sich jeder selbst beantworten.
SPONU 19.06.2008
4. US Soldat
Ist das tatsächlich ein US Soldat auf dem Bild? Ohne Uniform und Kopfbedeckung? Sieht das nicht eher nach Blackwatersöldner aus?
kurtwied, 19.06.2008
5. Jaja ...
Ärtze sind "Krankheitsprofiteure", Greenpeace ist "Umweltsverschmutzungsprofiteur", mein Discounter um die Ecke ist "Nahrungsmittelknappheitsprofiteur" ... Ja, die Welt ist schlecht!!!!! Wäre natürlich besser, Irak würde die einzige Einnahmequelle, die sie haben für sich behalten und das Öl der Bevölkerung zum Trinken geben ... Nach dem Motto: lieber den Magen verrenken, als den Ami/Konzern/Fascho/Globaliserungskaptitalisten was schenken ... ach nee ... sie verkaufen es ja ...
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