Neue Spesenregelung Deutsche Bank drängt auf Einhaltung der strengen Spesenregeln

Die Finanzkrise und Rotlichtskandale bei anderen Unternehmen haben das Risikobewusstsein bei der Deutschen Bank geschärft: Nach Informationen des SPIEGEL hat das Geldinstitut jetzt ihre Mitarbeiter zur strikten Einhaltung der Spesenregeln vergattert.


Hamburg - Die Ansage ist unmissverständlich. Die Deutsche Bank fordert die strenge Beachtung der Spesenrichtlinien. In einer von April 2008 datierten Fassung des Regelwerks für den Bereich Kommunikation und Soziale Verantwortung heißt es beispielsweise: "Die Deutsche Bank billigt keinerlei Erwachsenen-Vergnügungen und wird solche Ausgaben nicht ersetzen." Die detaillierten Sparvorschläge gelten laut Stefan Baron, Kommunikationschef und Vertrauter von Vorstands-Sprecher Josef Ackermann, mit kleineren Abweichungen im Prinzip für das gesamte Institut.

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt: Duschen in der Flughafen-Lounge
DPA

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt: Duschen in der Flughafen-Lounge

Außerdem solle die Firmenkreditkarte nicht für derartige Lustbarkeiten verwendet werden. Gemeint sind offenkundig Besuche von Bordellen, Striptease-Clubs oder Pornokinos.

Ein Pressesprecher dementierte die Meldung am Sonntag vehement: Es handele sich nicht um eine neue Spesenrichtlinie, sondern um eine überarbeitete Version. Natürlich seien auch schon in der Vergangenheit Bordellbesuche auf Firmenkosten nicht gestattet gewesen.

Dem Regelwerk folgend dürfen die Banker in den USA nur noch zweiter Klasse Bahn fahren. In Deutschland wird die erste Klasse ab einer Stunde Fahrzeit genehmigt, in England erst ab zwei Stunden.

Taxifahrten während eines Streiks im öffentlichen Nahverkehr müssen vorab genehmigt werden. Das gilt auch für alle Geschäftsessen, wobei das erlaubte Ausgabemaximum bei 65 Euro pro Person liegt.

Außerdem erwartet die Bank, dass Mitarbeiter auf Dienstreisen, falls sie frühmorgens ankommen, in der Airport-Lounge duschen, statt das Hotelzimmer bereits für die Vor-Nacht zu buchen. Laut Baron wurde die Spesenrichtlinie kürzlich erneut an seine Mitarbeiter verschickt, da es zu "kleineren Verstößen" gekommen war.

Ein strenges Kostenregiment für Dienstreisen haben längst auch andere Unternehmen eingeführt - schon um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Die Möglichkeiten für Einsparungen auf diesem Gebiet sind groß: Im Jahr 2006 gaben deutsche Unternehmen insgesamt 46 Milliarden Euro für Reisen ihrer Mitarbeiter aus.

Beim Hannoveraner Autozulieferer Continental Chart zeigen zum Beispiel müssen Mitarbeiter, Abteilungsleiter und Vorstände grundsätzlich mit dem Anbieter fliegen, der den günstigsten Preis offeriert. In seinem Regelwerk hat das Unternehmen außerdem bestimmt, welche Klasse Mitarbeiter bei welchen Flügen buchen dürfen, wie groß ein Mietwagen sein soll und welche Kategorie das Hotel am Zielort haben darf. Viele Conti-Mitarbeiter fliegen inzwischen häufiger mit Billig-Airlines wie Tuifly oder Germanwings statt mit der Lufthansa Chart zeigen.

Anmerkung der Redaktion: Die Überschrift und einige Passagen des Artikels wurden im Nachhinein verändert. Die Deutsche Bank legt Wert auf die Feststellung, dass es keine neue Spesenregelung gibt, sondern dass sie vielmehr auf die Einhaltung bestehender Vorschriften drängt.



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