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Neue Vorwürfe: Milliardenbetrüger Madoff droht U-Haft

Mit dem Hausarrest im New Yorker Luxusappartement könnte es bald vorbei sein: Dem Ex-Broker Bernard Madoff droht Untersuchungshaft, weil der Milliardenbetrüger angeblich Gegenstände im Wert von einer Million Dollar verschickt und damit gegen Kautionsauflagen verstoßen haben soll.

New York - Im bislang größten Betrugsfall der Finanzgeschichte droht dem ehemaligen Broker Bernard Madoff nun doch die vorzeitige Verhaftung. Der 70-Jährige, der seit Dezember in seinem Luxusappartement im New Yorker Stadtteil Manhattan unter Hausarrest steht, könnte schon bald in Untersuchungshaft landen. In einer gerichtlichen Anhörung am Montag warf ihm die Staatsanwaltschaft vor, Wertgegenstände aus seinem persönlichen Besitz an andere Parteien verschickt und damit gegen Kautionsauflagen verstoßen zu haben.

Ex-Broker Madoff: Wertgegenstände aus dem persönlichen Besitz verschickt
REUTERS

Ex-Broker Madoff: Wertgegenstände aus dem persönlichen Besitz verschickt

Im Zuge des Verzichts auf U-Haft hatte das zuständige Gericht das Einfrieren von Madoffs Vermögenswerten verfügt. Bei den verschickten Gegenständen im Gesamtwert von etwa einer Million Dollar soll es sich Zeitungsberichten zufolge zum Teil um Juwelen handeln. Der zuständige Richter will über den Antrag der Anklagebehörde auf Untersuchungshaft erst in einigen Tagen entscheiden: Zunächst sollen sich beide Parteien schriftlich detailliert zu den Vorwürfen äußern.

Derweil hat der Chefprüfer der US-Börsenaufsicht SEC, David Kotz, eine schonungslose Untersuchung des Verhaltens der eigenen Behörde im Fall Madoff zugesagt. Die Ermittlungen seien im Gange, und er könne versprechen, dass sie unabhängig und so hart sein würden wie nötig, sagte der SEC-Generalinspekteur am Montag in einer Anhörung des Finanzausschusses des US-Abgeordnetenhauses. Der US-Aufsicht wird vorgeworfen, trotz Überprüfungen keine Unregelmäßigkeiten bei den Geschäften Madoffs festgestellt zu haben.

Mit der Anhörung des Finanzausschusses war es das erste Mal, dass sich der Kongress mit dem Betrugsskandal beschäftigte. Im Mittelpunkt des Hearings stand die Frage, warum die SEC-Kontrolleure dem massiven Betrug trotz zahlreicher Warnzeichen nicht auf die Spur kamen. So hatte am Montag das "Wall Street Journal" berichtet, dass die SEC und andere Behörden die Geschäfte Madoffs in den vergangenen 16 Jahren mindestens achtmal unter die Lupe genommen haben. Dennoch flog das mutmaßlich 50 Milliarden Dollar schwere Schneeballsystem mit vielen Geschädigten auch in Europa nicht auf.

Abgeordnete des US-Kongresses warfen der SEC Versagen vor und forderten als Konsequenz eine Neuordnung der Aufsichtsbehörde, "die den Erfordernissen des 21. Jahrhunderts entspreche". Demokraten und Republikaner sprachen von der Notwendigkeit eines Umbaus der Behörde.

Madoff hatte seinen Opfern jahrzehntelang beständig hohe Gewinne versprochen, die er in Wirklichkeit gar nicht erzielt haben soll. An die Investoren schüttete er stattdessen Geld aus, das er von immer neuen Anlegern bekam - ein sogenanntes Schneeballsystem.

In der Anhörung am Montag kündigte Kotz an, die internen Untersuchungen seines Büros würden noch über den vom scheidenden SEC-Chef Christopher Cox erteilten Ermittlungsauftrag hinausgehen. Unter anderem will er nach eigenen Angaben auch die Kontakte zwischen Mitarbeitern der Börsenaufsicht und der Madoff-Familie genau unter die Lupe nehmen. Kotz argwöhnt, dass berufliche und "soziale" Beziehungen zu Madoff das Verhalten der Kontrolleure beeinflusst haben könnten.

kaz/dpa/AP

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