Neue Zweiklassengesellschaft McKinsey warnt vor Verfall der Mittelschicht

Deutschlands Mittelschicht wird kleiner - das untermauert der Beratungskonzern McKinsey mit neuen Berechnungen. Millionen Menschen sind vom Abstieg bedroht, denn das bisherige Wirtschaftswachstum reicht nicht aus. Doch die Berater glauben, dass eine Wende zum Besseren möglich ist.


Berlin - Bis zum Jahr 2020 werden nach der McKinsey-Studie nicht einmal 50 Prozent der Bevölkerung noch ein Einkommen auf Durchschnittsniveau haben. Das wären zehn Millionen Menschen weniger als Anfang der neunziger Jahre. Verantwortlich für diese Entwicklung sei das unzureichende Wirtschaftswachstum, berichtete die "Welt am Sonntag" unter Berufung auf die Studie des Beratungsunternehmens.

Vater mit Kind: Wirtschaftswachstum kommt bei vielen nicht an
ddp

Vater mit Kind: Wirtschaftswachstum kommt bei vielen nicht an

"Das Wirtschaftswachstum, das wir in den vergangenen 15 Jahren verzeichnen konnten, hat nicht gereicht, um bei den Bürgern anzukommen", sagte Frank Mattern, Deutschland-Chef von McKinsey. "Für die Menschen in der Mittelschicht bedeutet ein so geringes Wachstum einen Verlust."

In der Studie "Deutschland 2020" vergleichen die Experten die Folgen zweier Szenarien. Im ersten bleibt das Land auf dem bisher eingeschlagenen Pfad schwachen Wachstums. Im zweiten wächst die Wirtschaft weitaus dynamischer. Sollte die Bundesrepublik den ersten Weg weiter verfolgen, könnten fast 30 Prozent der Bürger mit ihrem Einkommen aus der Mittelschicht herausfallen und damit den wirtschaftlichen Anschluss verlieren, berichtete das Blatt.

Beraterfirma hält Wachstum von drei Prozent für möglich

Anders sehe es aus, wenn die Bundesrepublik die Wende zu einer dynamischen Volkswirtschaft schaffte. In diesem Fall sei ein Wachstum von drei Prozent pro Jahr möglich. In einem solchen Szenario könnte sich den Berechnungen zufolge das mittlere Einkommen in Deutschland gegenüber dem Jahr 2006 um über 40 Prozent von 25.000 auf rund 36.000 Euro erhöhen.

McKinsey beruft sich laut "Welt am Sonntag" auf Untersuchungen von elf Branchen, die mehr als 50 Prozent der deutschen Volkswirtschaft ausmachten. Zur Mittelschicht zählen die Experten jene Bürger, die 70 bis 150 Prozent des Durchschnittseinkommens verdienen. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen lag 2006 den Berechnungen von McKinsey zufolge bei rund 25.000 Euro im Jahr.

Mitte laut DIW bis 2006 auf 54 Prozent gesunken

Wachstumsraten von drei Prozent, wie sie die Bundesrepublik zuletzt Mitte der achtziger Jahre erlebte, seien aus Sicht der McKinsey-Experten nicht unrealistisch. "Wir gehen davon aus, dass wir auf einen solchen Wachstumspfad mit drei Prozent pro Jahr kommen können, und das deutlich vor 2020", sagte Mattern dem Blatt. "Die Weltwirtschaft wächst um rund vier Prozent, da müssten doch die drei Prozent eine Ambition sein."

Nach bereits Anfang des Jahres veröffentlichten Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sank der Anteil der Mittelschicht an der Bevölkerung zwischen den Jahren 2000 und 2006 drastisch von 62 auf 54 Prozent, entsprechend einem Rückgang von 49 auf 44 Millionen Menschen.

itz/AP



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descartes101, 04.05.2008
1. Altes Problem, die Lösung ist offensichtlich.
Zitat von sysopDeutschlands Mittelschicht wird kleiner - das hat der Beratungskonzern McKinsey mit neuen Berechnungen untermauert. Millionen Menschen sind demnach vom Absturz bedroht, denn das bisherige Wirtschaftswachstum reicht nicht aus. Doch die Berater glauben, dass eine Wende zum Besseren schaffbar ist. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,551309,00.html
Die Wende zum Besseren ist schaffbar, aber nicht gewollt. Die Abschaffung der Mittelschicht ist beschlossene Sache, von denen die sich selbst als 'Leistungsträger' bezeichnen, die aber tatsächlich nichts leisten, sondern nur sich und Ihresgleichen auf Kostern der Gesellschaft die Taschen voll machen. Die Wende zum Besseren ist nur schaffbar, wenn man die neoliberalen Flitzpiepen endlich in sehr, sehr enge Schranken weist, sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik.
Pu239, 04.05.2008
2. Titel
Da jammern McKinsey und das DIW über die Folgen der von ihnen gesponserten Politik. Man könnte drüber lachen, wenn es nicht so traurig wäre.
lynx2 04.05.2008
3. McKinsey?
Zitat von sysopDeutschlands Mittelschicht wird kleiner - das hat der Beratungskonzern McKinsey mit neuen Berechnungen untermauert. Millionen Menschen sind demnach vom Absturz bedroht, denn das bisherige Wirtschaftswachstum reicht nicht aus. Doch die Berater glauben, dass eine Wende zum Besseren schaffbar ist. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,551309,00.html
................ McKinsey warnt? Gerade die hochdotierten Handlager des Großkapitals und der Finanzmafia und der Zerstörer des Mittelstands, warnen jetzt vor dem Schrumpfen dieser Schicht. Die Helfer der Brandstifter warnen vor dem Feuer und sagen: Wir haben ja nur den Auftrag zur Brandstiftung gehabt und jetzt haben wir das Konzept, wie man das Feuer löscht:
kikolo, 04.05.2008
4. schuldfrage geklaert
es gibt angesichts der probleme des landes keine groessere fehlentwicklung als die merkelei und die grosse koalition.. die sich zusammensetzt aus den parteien die diese grossen probleme in wechselnden regierungen herbeiregiert haben. jetzt zu glauben sie wuerden die von ihnen herbeigefuehrten zustaende aendern ist reines fantasieloses wunschdenken---das der realitaet keinesfalls gerecht wird...und der beweis wird taeglich neu geliefert. wir brauchen neue frische parteien unabhaengige personen.die die probleme wirklich angehn...die von diesen verursachern ja nicht mal mehr gesehen werden.
gutmensch666, 04.05.2008
5. McKinsey ist Mit-Verursacher
Ausgerechnet diese BWLer-klitsche mit neoliberaler Ausprägung äußert sich zu der Umverteilung. Wenn Wachstum bei großen 'Teilen der Bevölkerung ein Minus (!) bedeutet, ist das Umverteilung. Punkt! Mathematik erste Klasse.
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