Neuer Bertelsmannchef Ostrowski Mehr Innovation, mehr Wachstum, keine Internetprojekte

Der Neue legt die Messlatte hoch: Bertelsmannchef Hartmut Ostrowski will den Konzernumsatz bis 2015 von 20 auf 30 Milliarden Euro steigern. Dafür seien eventuell "harte Entscheidungen" nötig.


Berlin – Hartmut Ostrowski bringt sich in Stellung: Vor 600 Bertelsmann-Managern erklärte der neue Chef heute, der Konzern dürfe sich auf Dauer nicht mit Geschäften belasten, die Wachstumsziele wiederholt verfehlten. "Wir müssen unsere Geschäftsfelder überprüfen und notfalls harte Entscheidungen treffen." Zuletzt war besonders die Musiksparte des Konzerns mit stark schrumpfenden Umsätzen negativ aufgefallen.

Liz Mohn und Bertelsmannchef Ostrowski: Er wolle "Bertelsmann weiter nach vorne bringen", versprach der Neue heute
DPA

Liz Mohn und Bertelsmannchef Ostrowski: Er wolle "Bertelsmann weiter nach vorne bringen", versprach der Neue heute

Der 49-Jährige will sich jetzt auf die Wachstumsbringer konzentrieren. Bis 2012 sollen etwa fünf bis sieben Milliarden Euro gezielt in Geschäftsfelder wie den Bildungssektor und die Dienstleistungsbranche gepumpt werden. Zudem will Ostrowski, der die Konzernleitung bereits von Vorgänger Gunter Thielen übernommen hat, die Stellung Bertelsmanns in rasant wachsenden Märkten wie Russland und Asien verbessern.

Der auf dem Treffen anwesenden Sprecherin der Eigentümerfamilie, Liz Mohn, versprach er: "Liz, ich verspreche, Bertelsmann weiter nach vorne zu bringen." Bertelsmann solle zu einem weltweit führenden Medien- und Serviceunternehmen werden. Er strebe ein deutlich erhöhtes organisches Wachstum von mehr als vier Prozent pro Jahr an, erklärte Ostrowski auf dem Führungskräftetreffen in Berlin. Der Gewinn vor Steuern solle bis 2015 von zuletzt 1,9 Milliarden Euro auf über drei Milliarden Euro gesteigert werden.

Zusätzliche Akquisitonen seien aber aktuell nicht geplant. "An was ich denke, ist zuerst und vor allem organisches Wachstum." Denn wegen seiner privaten Eigentümerstruktur sei Bertelsmann nicht in der Lage und willens, von den Aktienmärkten Fremdkapital aufzunehmen. "Alles wird dominiert von den eigenen Kräften", sagte er. Der Vorteil sei, dass der Konzern "unabhängig von den Diktaten der Börse" wirtschaften könne.

Wegen des recht engen finanziellen Korsetts werde Bertelsmann sein Geld auch nicht in große Internetprojekte stecken, sagte Ostrowski, der bisher die Dienstleistungssparte Arvato geleitet hat und seit 23 Jahren im Konzern arbeitet. Dies könne man nur machen, wenn man ganz viel Geld habe: "Die Wahrscheinlichkeit eines Flops ist oft größer als die eines Erfolgs." An seine Mitarbeiter appellierte Ostrowski, sie sollten offener als bisher für Innovation und Kreativität sein. Es gehe darum, sensibel für neue Märkte und Ideen zu sein. Die Größe des Konzerns sei dabei kein Hindernis.

Der Medienkonzern beschäftigt zurzeit 102.000 Mitarbeiter und ist in über 60 Staaten aktiv. Zum Unternehmen gehören unter anderem die RTL-Gruppe, die Verlagsgruppe Random House sowie eine 50-prozentige Beteiligung an BMG Sony.

ase/Ap/dpa



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