Neuer Stromriese Fusion von RWE und VEW perfekt

Die Stromkonzerne RWE und VEW haben sich mit dem Bundeskartellamt geeinigt. Damit können die Vorstände Gert Maichel (VEW) und Dietmar Kuhnt (RWE) nun ihre Aktivitäten verschmelzen. Die neue RWE AG wird Deutschlands größter Energieversorger.


Fusion perfekt: Gert Maichel (VEW) und Dietmar Kuhnt (RWE)
DPA

Fusion perfekt: Gert Maichel (VEW) und Dietmar Kuhnt (RWE)

Essen - "Freie Fahrt für uns", sagte RWE-Chef Kuhnt am Donnerstag vor der Hauptversammlung des Konzerns unter dem Beifall der Aktionäre. Auch ein Sprecher des Bundeskartellamts bestätigte in Bonn, dass die Bedenken völlig ausgeräumt seien. Bei der Versammlung in Essen waren die RWE-Anteilseigner zur Abstimmung über die Fusion aufgerufen. Die VEW-Aktionäre hatten dem Zusammenschluss bereits am Dienstag mit einer überwältigenden Mehrheit von 99,9 Prozent zugestimmt.

"Der Wettbewerb ist schnell, wir müssen noch schneller sein. Wenn Sie heute der Fusion zustimmen, können wir in diesem Tempo weiterarbeiten", warb der RWE-Chef für den Zusammenschluss. Nach Zustimmung der RWE-Aktionäre soll der neue Konzern bereits mit wirtschaftlicher Wirkung zum 1. Juli an den Start gehen.

Im operativen Geschäft soll das Unternehmen mit dem Namen RWE AG zum 1. Oktober seinen Arbeit aufnehmen. Durch den Zusammenschluss soll der fünftgrößte deutsche Industriekonzern mit rund 170 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 52 Milliarden Euro entstehen.

"Der Zusammenschluss bringt erhebliche Kosten- und Vertriebsvorteile", kündigte Kuhnt an. Zusammen mit den durch die Fusion erzielten Einsparungen seien bis Ende des Geschäftsjahrs 2003/2004 insgesamt Kostensenkungen von mehr als drei Milliarden Euro geplant. Durch die Fusion sollen rund 2 300 Arbeitsplätze gestrichen werden.

Kuhnt kündigte einen grundlegenden Umbau des durch den Zusammenschluss entstehenden Konzern an. "Die neue RWE ist ein neues Unternehmen", sagte er. Sitz der Konzernzentrale und der neuen Gesellschaften für die Bereiche Vertrieb, Erzeugung, Umwelt und Handel soll die Reviermetropole Essen sein. An dem bisherigen VEW- Standort Dortmund sollen die Gesellschaften für die Sparten Gas, Netz und Informationstechnologie angesiedelt werden.

Der neue Konzern wird mit einem jährlichen Stromabsatz von 209 Milliarden Kilowattstunden die Spitzenposition auf dem deutschen Strommarkt von dem gerade erst fusionierten Düsseldorfer Konkurrenten e.on zurückerobern. Die neue RWE AG wird dann außerdem der größte privatwirtschaftliche Energieversorger in Europa sein.

Kuhnt bezeichnete die zurückliegenden Verhandlungen mit dem Bundeskartellamt als "schwierig". Die in der erzielten Einigung gemachten Zugeständnisse im Strom-, Gas- und Entsorgungsmarkt stünden jedoch in keinem Verhältnis zu den Vorteilen der Fusion. Mit der erst am Mittwoch Abend erzielten Einigung im Bereich der Gaswirtschaft seien nun alle kartellrechtlichen Hürden genommen.

RWE muss sich nun von der Beteiligung an dem ostdeutschen Stromversorger VEAG ebenso trennen wie von dem Anteil an der Lausitzer Braunkohle AG. Daneben muss der Konzern seine Beteiligung an dem ostdeutschen Stromversorger envia abgeben, an dem das Unternehmen zu 63 Prozent beteiligt ist. Eine weitere wichtige Komponente der Verhandlungen mit dem Kartellamt seien Zugeständnisse bei der Durchleitung von Strom und Gas gewesen, sagte Kuhnt.



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