Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Neues Handy-Werk: Rumänische Gewerkschaft wirft Nokia "Sklaverei" vor

Das neue Nokia-Werk im rumänischen Cluj sollte vor allem eines sein - billig. Doch nun ist es selbst den Rumänen zuviel: Das Unternehmen will die Arbeitszeit auf bis zu 70 Stunden pro Woche ausweiten, berichtet der Gewerkschaftsbund. Nokia weist die Anschuldigung zurück.

Bukarest - Rumänische Politiker haben Nokia mit offenen Armen empfangen. Das neue Handy-Werk im siebenbürgischen Jucu soll Arbeitsplätze schaffen, Technologie und Wohlstand in das arme Land bringen. Dass im Gegenzug der deutsche Standort Bochum schließen muss, hat in Rumänien bisher niemanden gestört.

Neues Nokia-Werk im rumänischen Jucu: "Flexiblere" Arbeitszeit
REUTERS

Neues Nokia-Werk im rumänischen Jucu: "Flexiblere" Arbeitszeit

Doch jetzt wird es selbst rumänischen Arbeitnehmern zu viel. Der Gewerkschaftsbund Cartel Alfa hat Nokia vorgeworfen, in seiner neuen Fabrik in Jucu bei Cluj die Arbeitszeit über das in Rumänien zulässige Maß hinaus verlängern zu wollen. Dies wäre "eine neue Form der Sklaverei", sagte der Präsident von Cartel Alfa, Bogdan Hossu, laut der rumänischen Nachrichtenagentur Mediafax.

Nokia selbst wollte sich auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE zunächst nicht äußern. Am Abend teilte das Unternehmen dann aber mit, dass der Bericht der Gewerkschaft falsch sei. Unternehmenssprecherin Arja Suominen sagte in Helsinki, eine Ausweitung der Wochenarbeitszeit über das gesetzliche Limit hinaus sei nicht geplant. Man weise entsprechende Berichte "scharf zurück". Nokia halte sich "weltweit an die arbeitsrechtlichen Bestimmungen und Gebräuche im Rahmen der in den jeweiligen Ländern geltenden Gesetze".

Der rumänischen Gewerkschaft zufolge will Nokia über eine Änderung des rumänischen Arbeitsgesetzes erreichen, dass die Arbeiter in Jucu für 60 bis 70 Stunden pro Woche zur Arbeit verpflichtet werden dürfen. Derzeit seien höchstens 48 Stunden zulässig. Rumäniens Arbeitsminister Paul Pacuraru hatte vor einigen Tagen erklärt, Nokia habe bei ihm eine Änderung des Arbeitsgesetzes mit dem Ziel beantragt, dieses "flexibler" zu machen. Einzelheiten wurden nicht genannt.

Nokia hat am 11. Februar in Jucu mit der Handy-Produktion begonnen. Vorerst hat die Fabrik 350 Angestellte, bis Ende 2009 sollen es 3500 werden.

Die EU-Kommission prüft derzeit, ob Nokia in Rumänien unzulässige Vergünstigungen bekommen hat. Presseberichten zufolge interessiert sich Brüssel insbesondere für die geplante Befreiung des finnischen Konzerns von der lokalen Immobiliensteuer.

Diese Vergünstigung ist nach Angaben des Industriepark-Betreibers in Jucu, Tetarom, nicht nur für Nokia, sondern für alle Mieter des Industrieparks geplant. Derzeit hat der Park "Tetarom III" in Jucu aber juristisch noch nicht den Status eines Industrieparks. Dieser Status ist eine Voraussetzung für die Befreiung von der Immobiliensteuer. Diese Formalitäten sollen binnen zwei Monaten geregelt werden, hieß es.

wal/dpa-AFX

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: