Neues Videoportal Google expandiert in China

Erst mobile Suchdienste, jetzt ein Videoportal: Der Internetkonzern Google baut sein China-Geschäft massiv aus. Dazu muss das Unternehmen Kooperationen mit chinesischen Firmen eingehen.


Peking - Erst gestern hatte Google Chart zeigen in China einen neuen Suchdienst übers Handy gestartet. Nun soll auch eine Plattform zum Tausch von Videos angeboten werden. Dazu beteiligt sich der Konzern an Xunlei Networking Technology. Die chinesische Internetfirma wird täglich von 50 Millionen Besuchern angeklickt. Noch im laufenden Jahr will Xunlei die Grenze von 700 Millionen Nutzern erreichen.

Google in China: Auf chinesisch heißt das Unternehmen "Gu Ge"
AP

Google in China: Auf chinesisch heißt das Unternehmen "Gu Ge"

Auch bei den mobilen Suchdiensten arbeitet Google mit einem chinesischen Unternehmen zusammen: dem mit 300 Millionen Kunden größten Mobilfunkanbieter der Welt, China Mobile. Bisher kommt Google mit Suchdiensten in China nur auf einen Marktanteil von 16 Prozent, der chinesische Konkurrent Baidu erreicht etwa 57 Prozent des Marktes.

Über 120 Millionen Internetnutzer und 400 Millionen Handykunden machen China zu einem der wichtigsten Märkte für Internet- und Telekommunikationsfirmen. Durchschlagende Erfolge lassen aber auf sich warten, deshalb setzen ausländische Firmen verstärkt auf Kooperation mit chinesischen Firmen. Jahrelang hatte etwa Ebay versucht, sich auf dem chinesischen Markt zu etablieren, erreichte aber nach Schätzungen nicht einmal 30 Prozent Marktanteil. Jetzt soll in einer Kooperation mit dem chinesischen Internetportal "Tom Online" eine neue Auktionsseite entstehen.

Auch Microsoft setzt auf Zusammenarbeit: Erst im Dezember wurde die Kooperation mit Baidu bekannt gegeben. Yahoo wiederum hatte schon 1999 versucht, sich in China zu behaupten. Erst mit einer Portalseite, später mit einer schlanken Suchmaschine - jedoch vergeblich. Das Geschäft wurde an die chinesische Firma Alibaba abgegeben, im Gegenzug erwarb Yahoo für eine Milliarde Dollar einen Anteil von 40 Prozent.

Trotz der riesigen Zielgruppe gibt es im China-Geschäft immer wieder Probleme: Betreiber von Internetportalen sind gesetzlich verpflichtet, auffällige Nutzer zu melden. Außerdem durchkämmen Polizisten das Internet auf der Suche nach missliebigen Inhalten. Filter sperren dann automatisch den Zugang. Unter den blockierten Seiten sind auch ausländische Nachrichtenseiten. Letztes Jahr geriet Yahoo in die Kritik, weil ein politischer Aktivist verhaftet wurde, nachdem E-Mails an chinesische Behörden ausgeliefert worden waren. Auch Google beugte sich dem Druck und sperrte auf der chinesischen Seite bestimmte Suchanfragen, etwa solche nach dem Massaker auf dem Platz des himmlischen Friedens von 1989.

ore/Reuters/dpa



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