Niedriglöhne Neue Vorwürfe gegen adidas und Nike

Während Nike und adidas-Salomon zur Marketingschlacht des Jahres, der Fußballweltmeisterschaft in Japan und Korea, rüsten, werden vertraute Vorwürfe gegen die Schuhhersteller laut: Die Arbeitsbedingungen in den Fertigungsfabriken in Indonesien sollen nach wie vor unmenschlich sein.


WM-Ball: Nicht nur bei Fußballern umkämpft
AP

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Berlin - Die Vorwürfe sind nicht neu: Unternehmen mit Milliardenumsätzen erwirtschaften ihre Gewinne auf Kosten ihrer Beschäftigten in Niedriglohnländern. Gerade Sportschuhhersteller wie adidas, Nike oder Puma wurden in den vergangenen Jahren immer wieder für die Zustände in ihren Fabriken kritisiert, und immer wieder gelobten sie Besserung. Doch offenbar sind die geschaffenen Überwachungsmechanismen nicht so effizient wie erhofft.

In der Studie "We are not machines" erhebt der Autor Timothy Connor gegen adidas und Nike den Vorwurf, dass trotz punktueller Verbesserungen die Situation der Beschäftigten immer noch nicht befriedigend sei. Zwar seien Regelungen für den Krankheitsfall in Kraft getreten und sexuelle Übergriffe durch die Vorgesetzten seien zurückgegangen. Aber grundsätzlich habe sich an der schlechten Lage der Arbeiterinnen nichts geändert. So seien die Beschäftigten weiterhin unterbezahlt, Arbeitsunfälle an der Tagesordnung, und die Gesundheit sei in einigen Standorten immer noch akut gefährdet.

Vorwürfe an die Sportschuhhersteller
[M]:mm.de

Vorwürfe an die Sportschuhhersteller

Die Firma adidas verweist dazu nur auf den eigenen Verhaltenskodex, dessen Einhaltung von den ausländischen Zulieferern verlangt und von einem internationalen Team überprüft wird. Auch andere Hersteller haben sich Selbstverpflichtungen auferlegt, die die Situation vor Ort verbessern sollen. Für den Autor Klaus Werner ("Schwarzbuch Markenfirmen") haben diese "Codes of conduct" jedoch erhebliche Lücken: "Die Zulieferbetriebe müssen die aufgestellten Standards selbst finanzieren, was die Löhne noch weiter drückt." Zudem fehlen unabhängige Kontrollen, und die Zulassung von Gewerkschaften sei in den Verpflichtungen nicht garantiert. Adidas dagegen sieht seine bisherigen Anstrengungen nicht gewürdigt und verweist auf die bereits erzielten Erfolge.

In den vergangenen Jahren waren die Hersteller, die wie in kaum einer anderen Branche von ihrem Image abhängig sind, immer wieder Protesten und Boykottaufrufen ausgesetzt. So warf ein 13-jähriger Junge aus New York seine alten Schuhe Nike mit den Worten vor die Tür: "Wir haben dich gemacht. Wir können dich auch vernichten."

Auf dem Kongress "Fit for fair", den die "Kampagne für saubere Kleidung" am 3. und 4. Mai in Köln veranstaltet, haben nun alle Beteiligten die Möglichkeit zum Gedankenaustausch.



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