Wirtschaft


Nordkorea: Machtkampf um die Staatswirtschaft

Von Andreas Lorenz

Warum wurde der nordkoreanische Generalstabschef Knall auf Fall entlassen? Neue Quellen deuten darauf hin: Es geht um die Wirtschaft. Diktator Kim Jong Un will offenbar den Generälen die Macht über die Staatsbetriebe entringen.

Nordkoreas Herrscher Kim Jong Un: Kim junior als vorsichtiger Reformer?Zur Großansicht
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Nordkoreas Herrscher Kim Jong Un: Kim junior als vorsichtiger Reformer?

Der Beifall sei donnernd gewesen als die Soldaten die Nachricht hörten, dass ihr Führer nun den Titel "Marschall" trage. Der neue Rang sei ein Beweis für den "grenzenlosen Respekt der Armee und des Volkes für den großen illustren Kommandeur", meldete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA. Und dieser Kommandeur sei der Beste überhaupt, unbesiegbar und mit "eisernem Willen" ausgestattet, schwärmten Redner auf einer eigens einberufenen Versammlung in Pjöngjang.

Kim Jong Un, erst ein knappes halbes Jahr Herrscher des Landes und bislang nur General, hat sich vor wenigen Tagen selbst zum Marschall befördert und damit bewiesen, dass er und ein enger Zirkel seiner Verwandten das Zepter in Nordkorea fest in der Hand halten. Zuvor war ein einflussreicher Offizier, der Vizemarschall und Generalstabschef Ri Yong Ho, "aus Krankheitsgründen" in den Ruhestand geschickt worden.

Der Sturz Ris hat in der ganzen Welt heftige Spekulationen über Grabenkämpfe im undurchsichtigen nordkoreanischen Machtgefüge ausgelöst. Nun dringen Erklärungen aus dem abgeschotteten Reich. Er sei entmachtet worden, meldete heute die Nachrichtenagentur Reuters, weil der junge Kim und sein Mentor und Onkel Chang Song Thaek dem Militär die Macht über die Wirtschaft entreißen wollten. Reuters beruft sich dabei auf einen Insider. Ri habe gegen diese Pläne opponiert, heißt es - und musste gehen.

Ein Drittel des Haushalts fließt jedes Jahr an die Armee

Trifft diese Version zu, könnte das tiefgreifende Folgen für Nordkorea haben, könnte sich Kim junior gar als vorsichtiger Reformer entpuppen, der sich von seinem Vater, dem "Großen Führer", politisch absetzt. Kim Jong Il hatte die sogenannte Das-Militär-zuerst-Politik (koreanisch: Songun) verwirklicht und damit Nordkorea in einen militaristischen Staat umgewandelt, in dem nicht die Kommunistische Partei, sondern Soldaten das Sagen über alle Bereiche des Alltags, der Außenpolitik und eben auch der Wirtschaft haben.

Die Hoffnung von Kim senior war offenkundig, die Wirtschaft nach der Hungersnot Mitte der neunziger Jahre mit einer strikten militärischen Kommandostruktur wiederbeleben zu können. Knapp 1,2 Millionen Frauen und Männer dienen in dieser Truppe, die zu den stärksten der Welt zählt. 4,7 Millionen Menschen gehören zur Reserve. Rund ein Drittel des Haushalts fließen nach Erkenntnissen ausländischer Fachleute jedes Jahr an die Armee.

"Die Armee ist das Volk, der Staat und die Partei", tönt die Propaganda jeden Tag. Das heißt konkret: Militärs genießen eine bessere Versorgung, sie sind beim Zugriff auf knappe Nahrungsmittel zuerst an der Reihe. Bei jeder Ernte fahren Armee-Lkw vor die Kolchosen und transportieren bis zu einem Viertel der Erträge in die Kasernen. Damit sie von den Bauern nicht betrogen werden, sind ständig Soldaten auf den Staatsfarmen stationiert.

Die Militärs kontrollieren aber auch den Export von Mineralien nach China und kassieren die Erlöse, die sie wiederum in das ehrgeizige Raketen- und Atomprogramm investieren. Zudem verkaufen sie Waffen, vor allem an Iran, Pakistan und Syrien. In den vergangenen Jahren sollen die Herren mit den großen Tellermützen andere Ministerien und die Partei völlig an die Seite gedrückt haben, berichten Experten.

Kim Jong Un will offenkundig dem Militär ein Stück Macht über die Wirtschaft wieder entwinden. Er plant, die staatlich kontrollierte Landwirtschaft zu reformieren. Die Staatsfarmen sollen fortan Marktpreise für ihre Ernten erhalten und 30 Prozent der Erträge behalten, die sie dann auf freien Märkten verkaufen dürfen. Wenn sie mehr produzieren als geplant, müssen sie die Überschüsse nicht abgeben. Die Neuerungen werden derzeit in drei Landkreisen erprobt.

Zudem hat Kim Fachleute in die Welt geschickt, um andere Wirtschaftsmodelle zu studieren. In Huaxi, einem reichen Landkreis in der chinesischen Provinz Jiangsu, sind im letzten halben Jahr sieben nordkoreanische Frauen eingetroffen, die dort den wirtschaftlichen Alltag erkunden sollen. Das berichtet die südkoreanische "JoongAng Ilbo". Die Gäste, so heißt es, sind im Longxi International abgestiegen - einem Fünf-Sterne-Hotel.

Mit Material von Reuters

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insgesamt 29 Beiträge
hubertrudnick1 20.07.2012
Wenn das was im Artikel steht, dann sollte man den kleinen Dicken aber auch zu verstehen geben, dass er sehr vorsichtig sein muss, sonst könnte ihm was unvorhersehbares geschehen. HR
Zitat von sysopWarum wurde der nordkoreanische Generalstabschef Knall auf Fall entlassen? Neue Quellen deuten darauf hin: Es geht um die Wirtschaft. Diktator Kim Jong Un will offenbar den Generälen die Macht über die Staatsbetriebe entringen. Nordkoreas: Kim Jong Un kämpft mit dem Militär um die Wirtschaft - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,845600,00.html)
Wenn das was im Artikel steht, dann sollte man den kleinen Dicken aber auch zu verstehen geben, dass er sehr vorsichtig sein muss, sonst könnte ihm was unvorhersehbares geschehen. HR
lifeguard 20.07.2012
in dem steckt ja ne menge. scheint doch nicht so eine machtlose marionette des militärs zu sein, als die er anfangs hingestellt wurde. aber man sollte ihn nicht unterschätzen
Zitat von sysopWarum wurde der nordkoreanische Generalstabschef Knall auf Fall entlassen? Neue Quellen deuten darauf hin: Es geht um die Wirtschaft. Diktator Kim Jong Un will offenbar den Generälen die Macht über die Staatsbetriebe entringen. Nordkoreas: Kim Jong Un kämpft mit dem Militär um die Wirtschaft - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,845600,00.html)
in dem steckt ja ne menge. scheint doch nicht so eine machtlose marionette des militärs zu sein, als die er anfangs hingestellt wurde. aber man sollte ihn nicht unterschätzen
polltroll 20.07.2012
...steht bevor, wenn er tatsächlich versuchen sollte das Land zu reformieren. Wenn überhaupt, dann nach chinesischem Vorbild. Da wird nur eine scheibchenweise Entmachtung des Militärs helfen, sonst wird er sich irgendwann zu [...]
...steht bevor, wenn er tatsächlich versuchen sollte das Land zu reformieren. Wenn überhaupt, dann nach chinesischem Vorbild. Da wird nur eine scheibchenweise Entmachtung des Militärs helfen, sonst wird er sich irgendwann zu seinem Vater gesellen. Kleiner Tipp aus der Ecke der Kapitalisten: Die Entscheider immer schön mit Dollars geschmeidig halten. ;-)
Bruder Theodor 20.07.2012
Er ist ein Dicker, und das zeigt irgendwie, dass er nicht ganz glücklich ist. Nordkorea ist - gem. der Pressemitteilungen - wirtschaftlich am Ende. Ein Militär, das alles verschlingt, was die zivile Wirtschaft aufzubringen schon [...]
Zitat von lifeguardin dem steckt ja ne menge. scheint doch nicht so eine machtlose marionette des militärs zu sein, als die er anfangs hingestellt wurde.
Er ist ein Dicker, und das zeigt irgendwie, dass er nicht ganz glücklich ist. Nordkorea ist - gem. der Pressemitteilungen - wirtschaftlich am Ende. Ein Militär, das alles verschlingt, was die zivile Wirtschaft aufzubringen schon längst nicht mehr in der Lage ist mit einer Waffentechnik ausgestattet, die ohnehin Unterlegenheit mit einem Kriegsgegner vorhersagt. Genau dort an der Schnittstelle zwischen Zivilwirtschaft und Militär tut es weh in Nordkorea, und genau dort scheint er seine Finger auf die Wunde zu legen. Das Problem nur an dem der letzten kommunistischen Staaten ist, dass er sich nicht so ohne Weiteres einem westlichen-kapitalistischen System zuwenden kann, will man hier eine weitere Wiedervereinigung beginnen, denn Letzteres befindet sich in einer zunehmenden Rettungsschirmblase, die wie Plastikmüll im Meer über jenes quermeerein die Kontinente ansteuert. Nordkorea sieht sich vielleicht einer Aufgabe gegenübergestellt ähnlich wie China sie hat und hatte, einerseits am Kommunismus festzuhalten, andererseits sich für den freien Markt zu öffnen. Ein vereintes Korea wäre als Ziel des Ganzen natürlich interessant.
eltribun 20.07.2012
bevor man ihn gleich zaghaft zum koreanischen JFK hochstilisiert. Noch ist nichts großes passiert, ausser Machtverschiebung. Und wenn er es ernst meint, sollte er langfristig neben China eher andere Modelle einbeziehen, wobei ich [...]
bevor man ihn gleich zaghaft zum koreanischen JFK hochstilisiert. Noch ist nichts großes passiert, ausser Machtverschiebung. Und wenn er es ernst meint, sollte er langfristig neben China eher andere Modelle einbeziehen, wobei ich eher pessimistisch bin, was die Verbesserung der Menschenrechte und Lebensbedingungen dort betrifft. Aber wer weiss, kann mich ja irren und der Dicke bewegt wirklich was, und in 15 Jahren gibts die Wiedervereinigung....
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  • Freitag, 20.07.2012 – 18:41 Uhr
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Fläche: 122.762 km²

Bevölkerung: 24,346 Mio.

Hauptstadt: Pjöngjang

Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

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Nord- und Südkorea
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Am 9. September 1948 rief der kommunistische Politiker Kim Il Sung im Norden die Demokratische Volksrepublik Korea aus. Sie entwickelte sich, zunächst in enger Anlehnung an die Sowjetunion, zu einer kommunistischen Volksrepublik. 1998 wurde dessen Sohn Kim Jong Il Regierungschef. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush bezeichnete Nordkorea zusammen mit Iran und dem Irak als "Achse des Bösen" , die aufrüstet, um den Frieden der Welt zu bedrohen.



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