Northern Rock Hypothekenkrise kostet Chefbanker den Job

Die weltweite Kreditkrise sorgt immer noch für Wirbel: Der Chef der angeschlagenen britischen Hypothekenbank Northern Rock hat heute seinen Rücktritt angekündigt. Auch in Deutschland gibt es Ärger - der Mittelstandsbank IKB drohen neue Belastungen.


London/Frankfurt am Main - Der Verwaltungsrat von Northern Rock hat das Rücktrittsgesuch von Adam Applegarth genehmigt, wie das Institut heute mitteilte. Northern Rock war vor Monaten wegen der Krise auf dem Kreditmarkt ins Straucheln geraten. Bis zum Abschluss der strategischen Neuausrichtung bei Northern Rock Ende Februar will Applegarth aber noch im Amt bleiben.

Northern-Rock-Filiale in Kingston: Unvorhersehbare Marktturbulenzen
REUTERS

Northern-Rock-Filiale in Kingston: Unvorhersehbare Marktturbulenzen

Northern Rock ist die prominenteste britische Bank, die im Zuge der internationalen Kreditkrise ins Trudeln geraten war. Eine Geldspritze der britischen Notenbank hatte dem Institut kurzfristig das Überleben gesichert. Aus Angst vor dem Verlust ihrer Ersparnisse hatten Tausende Kunden vor Filialen der Bank Schlange gestanden und ihr Geld abgehoben. Das hatte die Finanznöte des Hauses weiter verschärft.

Im Gegensatz zu anderen Banken setzte Northern Rock für seine Refinanzierung nicht auf die Einlagen der Kunden, sondern war auf die internationalen Geld- und Kreditmärkte angewiesen. Aktuell restrukturiert sich Northern Rock um und schließt dabei auch einen eigenen Verkauf nicht aus.

Applegarth hatte im Oktober vor einem Ausschuss des britischen Parlaments erklärt, der Beinahe-Kollaps der Bank sei unvermeidbar gewesen. Das komplette Austrocknen der globalen Liquidität in Folge der Marktturbulenzen sei völlig unvorhersehbar gewesen.

Neben Applegarth erklärten auch mehrere Mitglieder des Verwaltungsrats heute ihren Rücktritt. David Baker, Keith Currie und Andy Kuipers würden das Gremium verlassen, blieben aber weiterhin Beschäftigte des Unternehmens, hieß es. Ende Oktober war bereits Chairman Matt Ridley abgetreten.

Das Rettungspaket für die IKB reicht womöglich nicht aus

Auch in Deutschland machen sich die Spätfolgen der Hypothekenkrise bemerkbar. Der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB drohen Finanzkreisen zufolge neue Belastungen. Möglicherweise reiche das im Sommer vereinbarte 3,5 Milliarden Euro schwere Rettungspaket nicht aus, sagten Insider der Nachrichtenagentur Reuters. Bei einer Sitzung der Bankenverbände aus dem Rettungspool sei das Thema zur Sprache gekommen. "Es handelt sich um Risiken, die noch nicht realisiert sind, aber auftreten können", hieß es.

Noch sei nicht klar, wer die mögliche Belastung trage. Eventuell könne sie auf die staatliche Förderbank KfW zurückfallen, die 38 Prozent an der IKB hält. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete heute, es gehe um zusätzlich 300 Millionen Euro.

Das 3,5 Milliarden Euro schwere Rettungspaket war im Sommer geschnürt worden, seither haben sich die Marktbedingungen noch verschlechtert. Von der Summe trägt die KfW 2,5 Milliarden Euro. Den Rest teilen sich der Deutsche Sparkassen- und Giroverband, der Bundesverband deutscher Banken (BdB) sowie der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken. Die IKB und die beteiligten Verbände wollten sich nicht äußern.

Das eigentlich auf das Mittelstandsgeschäft fokussierte Institut hatte in der Vergangenheit über außerbilanzielle Zweckgesellschaften große Volumina von Papieren aufgebaut, die im Zusammenhang mit dem US-Markt für schwach besicherte Hypothekendarlehen stehen. Weil angesichts fallender Häuserpreise und steigender Zinsen zunehmend Kredite ausfallen, verlieren die Papiere dramatisch an Wert. Für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr 2007/08 erwartet die Bank einen Verlust von bis zu 700 Millionen Euro.

wal/Reuters/AP



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