London - Die britische Großbank Lloyds TSB
hat der Übernahme der angeschlagenen HBOS
(Halifax Bank of Scotland) zugestimmt. Dies teilte Lloyds TSB am Donnerstagmorgen in London mit und bestätigte damit vorangegangene Medienberichte. Die HBOS-Aktien reagierten zu Handelsbeginn mit einem Kurssprung von rund 24 Prozent auf die Übernahmevereinbarung, Lloyds-Titel verloren dagegen rund sieben Prozent.

Lloyds-Bank in London: Notfusion mit HBOS zugestimmt
Victor Blank werde Verwaltungsratschef bleiben, während Eric Daniels weiter das operative Geschäft führen soll, hieß es weiter. Lloyds erwartet durch die Übernahme ein Gewinnplus von mehr als 20 Prozent inklusive Kostensynergien. Es wird erwartet, dass die Wettbewerbsbehörden den Deal nicht blockieren werden, weil er von der Regierung unterstützt wird.
HBOS war im Zuge der Finanzmarktkrise in Schwierigkeiten geraten. Der Vorsteuergewinn fiel im ersten Halbjahr 2008 um mehr als 70 Prozent auf rund 1,1 Milliarden Euro, 3,8 Milliarden Euro wurden abgeschrieben. Zuletzt misslang der Versuch, über eine Kapitalerhöhung fünf Milliarden Euro auf dem Finanzmarkt einzusammeln. Am Mittwoch hatten die HBOS-Papiere knapp 20 Prozent schwächer mit 186 Pence geschlossen, nachdem sie zeitweise bis auf 88 Pence abgesackt waren. Vor Jahresfrist waren sie noch knapp 1000 Pence wert.
Die Anordnung für die Notfusion kam offenbar von ganz oben. Laut einem Bericht der "Times" hatte der britische Premier Gordon Brown persönlich mit Lloyds-Chef Sir Victor Blank über eine mögliche Fusion mit HBOS gesprochen. Brown, der Blank gut kennt, habe dem Bankenchef angeraten, einzuspringen und die gebeutelte Hypothekenbank vor der Pleite zu retten. Das Treffen fand laut "Times" am Montag bei einem Privatempfang statt, den die Citigroup
in London ausrichtete. Die britische Regierung dementiert, dass Brown Einfluss genommen hat.
Die britische Aufsichtsbehörde FSA begrüßte die Übernahme. Das beruhige die turbulenten Märkte und stelle wieder Vertrauen her bei Banken und Kunden in Großbritannien. HBOS sei eine gut kapitalisierte Bank und sei weiterhin in der Lage, sich zu refinanzieren.
Lloyds-Chef Eric Daniels sagte, der Zusammenschluss mit HBOS sei keine "Zwangshochzeit", die beiden Institute hätten schon länger miteinander gesprochen. Einen Stellenabbau könne er nicht ausschließen, Medienberichte über den Verlust von 40.000 Stellen hörten sich aber "sehr hoch gegriffen" an. Die Übernahme solle im Jahr 2009 abgeschlossen werden.
Die durch die Kreditkrise in Mitleidenschaft gezogene HBOS ist die größte Hypothekenbank in Großbritannien. Jedes fünfte Immobiliendarlehen wurde im vergangenen Jahr von dem Institut vergeben. Auch bei privaten Sparkonten, Versicherungen und im Investmentbanking gehört die Gruppe zu den größten im Vereinigten Königreich. Sie beschäftigt 72.000 Menschen.
Mit der Fusion setzt sich der Reigen der Notübernahmen in Folge der globalen Finanzkrise fort. Erst am Montag wurde Merrill Lynch
von der Bank of America
gerettet, während Lehman Brothers
Insolvenz anmelden musste. Die größte US-Sparkasse Washington Mutual
hat Berichten zufolge Schritte eingeleitet, sich zu verkaufen. Die Großbanken Wells Fargo und Citigroup
sollen Interesse angemeldet haben.
Auch die Wall-Street-Institution Morgan Stanley
- eine von zwei verbliebenen US-Investmentbanken - nahm Medienberichten zufolge Gespräche über einen Notverkauf oder eine Fusion auf. Unter den Interessenten, so wird gemunkelt, sind die Geschäftsbank Wachovia
- und die chinesische Bank Citic.
ssu/amz/AP/AFP/dpa/Reuters
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