Notplan für 180 Anlagen Konjunkturkrise erschüttert BASF

"Wir stellen uns auf harte Zeiten ein": Die Konjunkturkrise erfasst den weltgrößten Chemiekonzern BASF. 80 Anlagen müssen zeitweise schließen, hundert die Produktion drosseln - betroffen sind weltweit 20.000 Beschäftigte, davon 5000 in Ludwigshafen. Die Aktie des Konzerns stürzt ab.


Ludwigshafen - Der Chemiekonzern BASF senkt wegen des weltweiten Konjunktureinbruchs erneut seine Gewinnprognose - und ergreift an seinen Standorten drastische Gegenaktionen. "Rund 80 Anlagen weltweit werden vorübergehend außer Betrieb genommen", teilte der Weltmarktführer mit. Außerdem drossele man die Produktion "in gut hundert Anlagen".

BASF-Arbeiter in Ludwigshafen: Probleme in den Sparten Auto, Bau, Textil
DPA

BASF-Arbeiter in Ludwigshafen: Probleme in den Sparten Auto, Bau, Textil

5000 Mitarbeiter des Stammwerks Ludwigshafen sind dem Unternehmen zufolge betroffen, weltweit insgesamt 20.000 Mitarbeiter. "Wenn immer möglich, werden dabei flexible Arbeitszeitinstrumente eingesetzt", sagte Konzernchef Jürgen Hambrecht.

Die "Produktionsanpassungen sollen über die flexible Handhabung von Arbeitszeitinstrumenten wie Zeitguthaben und Urlaub aufgefangen werden". Es gehe vor allem um Betriebe, die für die Abnehmerbranchen Automobil, Bau und Textil produzierten. Größtenteils seien die Maßnahmen bereits eingeleitet worden. Sollte die Nachfrageschwäche anhalten, sei Kurzarbeit nicht ausgeschlossen. Für einzelne Anlagen sei eine verringerte Auslastung bis Januar 2009 geplant.

Zweite Senkung der Gewinnprognose binnen kurzer Zeit

BASF wird der Mitteilung zufolge in diesem Jahr den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sowie vor Sondereinflüssen des Vorjahres nicht mehr erreichen - damit nahm BASF die Gewinnprognose zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit zurück. Der Konzern hatte erst Ende Oktober sein Gewinnziel nach unten gesetzt und angekündigt, es bedürfe erheblicher Anstrengungen, um das Ergebnis des Vorjahrs zu erreichen. Zur damals geäußerten Prognose, den Umsatz 2008 steigern zu wollen, äußerte sich BASF am diesem Mittwoch auch auf Nachfrage nicht.

Die Entwicklung im kommenden Jahr sei schwer einschätzbar. Der Konzern richte sich "auf harte Zeiten ein", sagte Konzernchef Jürgen Hambrecht mit: "Schon Ende Oktober haben wir auf das schwierige wirtschaftliche Umfeld hingewiesen. Seitdem hat sich die Nachfrage unserer Kunden in wichtigen Märkten nochmals deutlich verschlechtert." Vor allem Kunden aus der Automobilindustrie hätten bereits erteilte Aufträge "kurzfristig storniert".

Die BASF Chart zeigen-Aktie brach nach der Mitteilung dramatisch ein: Die Titel verloren mehr als 13 Prozent auf 22,05 Euro und bildeten damit das Schlusslicht im Dax. Zuletzt war das Papier um 14,67 Prozent auf ein Mehrjahrestief von 21,70 Euro gesunken.

kaz/Reuters/AFP/dpa-AFX

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