Notstand in Kentucky Preise für Pferde eingebrochen - Zehntausende Tiere leiden Hunger

Einst war Kentucky das stolze Pferdezentrum der USA, heute bringt ein Pony auf einer Auktion nur noch ein paar Dollar ein. Pferdezüchter verdienen kaum noch Geld, viele können ihre Tiere nicht mehr ernähren. Hintergrund ist der eingebrochene Markt für Pferdefleisch.


Staffordsville/USA - Die Gebote für das schwarze Pony auf der Auktion im US-Staat Kentucky sollten eigentlich bei 500 Dollar (380 Euro) beginnen. Als sich kein Bieter meldet, senkt der Auktionator die Höhe des Mindestgebots allmählich. Doch erst zum Preis von 75 Dollar will ein Interessent das Pony kaufen.

Tier-Asyl in Nicholasville: In Kentucky gibt es tausende Pferde, die niemand mehr haben will.
AP

Tier-Asyl in Nicholasville: In Kentucky gibt es tausende Pferde, die niemand mehr haben will.

Der Auktionator gab dem Verkäufer daraufhin die Möglichkeit, das Tier von der Versteigerung zurückzuziehen, doch der lehnte ab. "Ich kann kein Pferd durchfüttern", sagte der Mann. "Ich kann mich kaum selbst ernähren."

In Kentucky, dem Pferdezentrum der USA, gibt es inzwischen tausende Pferde, die niemand haben will. Einige von ihnen sind völlig gesund, andere elend und halb verhungert. Und auch in anderen Teilen der USA gibt es jede Menge Pferde. Der Grund: wachsender Widerstand gegen die Schlachtung von Pferden für den menschlichen Verzehr, nicht zuletzt in Übersee.

Auch in der amerikanischen Öffentlichkeit wächst der Druck auf Pferdeschlachtereien, mehrere wurden mittlerweile geschlossen. Pferde-Auktionshäuser werden überschwemmt mit Verkaufs-Aufträgen, Tierschutzorganisationen geht der Platz für gerettete Rösser aus.

Im Osten Kentuckys sollen Pferdehalter ihre Tiere angebunden und für Tage ohne Futter und Wasser zurückgelassen haben. Andere setzten Pferde in freier Wildnis aus.

Früher holten Aufkäufer unerwünschte Pferde für Pfennigbeträge pro Pfund ab und brachten sie auf überfüllten Lastwagen in die Schlachthäuser. Das Fleisch wurde nach Europa und Asien geliefert. Inzwischen sank die Zahl der geschlachteten Pferde nach Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums von mehr als 300.000 im Jahr 1990 auf etwa 90.000 im Jahr 2005. Und nur ein Schlachthaus in Illinois schlachtet Pferde noch für den menschlichen Verzehr, viele Mitglieder des Kongresses setzen sich für ein völliges Verbot ein.

In mehreren Staaten gibt es ähnliche Initiativen, in Kalifornien ist das Schlachten von Pferden schon seit Jahren untersagt. Und Gesetze verbieten inzwischen Pferdeschlachttransporte mit doppelstöckigen Lastwagen. "Was macht man mit ihnen allen?" fragt Lori Neagle, Direktorin des neuen Kentucky-Pferdeschutzzentrums in Lexington. "Was macht man mit 90.000 Pferden?"

In allen US-Staaten ist es Haltern erlaubt, ihre unerwünschten Pferde zu erschießen. Auf einigen Webseiten gibt es sogar Anleitungen dafür. Aber nicht alle Pferdehalter bringen das übers Herz. Tötet ein Tierarzt ein Pferd, kann das allerdings bis zu 150 Dollar (110 Euro) kosten. Und die Beseitigung des toten Tiers kann ebenfalls teuer werden. Zur Leimherstellung - früher eine Möglichkeit, Kadaver loszuwerden - werden inzwischen überwiegend synthetische Rezepturen verwendet. Und wegen des öffentlichen Widerstands wird Pferdefleisch auch nicht mehr zur Herstellung von Hundefutter genommen.

"Ventil für unverantwortliches Handeln abschaffen"

Schlachtgegner glauben, dass sich der Markt von selbst bereinigen wird und künftig einfach weniger Pferde gezüchtet werden, wodurch die Zahl der unerwünschten Tiere sinken würde. Als Kalifornien 1989 sein Schlachtverbot für Pferde verhängte, sei die Zahl der gestohlenen Tiere zurückgegangen, die Zahl der vernachlässigten oder misshandelten Tiere habe sich nicht wesentlich verändert.

"Wenn man das Schlachten abschafft, schafft man ein Ablassventil für unverantwortliches Handeln ab", sagt Chris Heyde von der Tierschutzorganisation Society for Animal Protective Legislation. "Das sind Tiere, kein Paar Schuhe."

Während der Preis für Pferde eingebrochen ist, sind die Kosten für Futter, Unterkunft und Tierarzt gleich geblieben. Tierasyle, die Pferde aufnehmen, sind weitgehend voll, wie Kathy Schwartz sagt, Direktorin eines solchen Heims in Maryland. "Eines der Pferde, die wir aufgenommen haben, war nur noch ein Knochengerüst. Es hatte Schmerzen vor Hunger und Parasitenbefall und Verletzungen", sagt Schwartz. "Sein Halter dachte, es leben zu lassen, sei besser, als es zum Schlachter zu geben. Das Leben ist tatsächlich besser - dann, wenn man das Tier füttert und sich darum kümmert."

Jeffrey McMurray/AP



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