Nutzerdaten-Skandal AOL-Technologiechefin muss gehen

Es war ein ziemlich peinliches Versehen: Informationen über 660.000 Nutzer waren beim Internetanbieter AOL über drei Monate hinweg frei zugänglich. Nun muss Technologiechefin Govern ihren Hut nehmen. Und der angeschlagene Internetanbieter leitete eine Untersuchung zum Datenschutz ein.


New York - Der ehemalige Technologiechef John McKinley solle übergangsweise die Aufgaben von Maureen Govern übernehmen, hieß es in einem Memorandum von AOL, das der Nachrichtenagentur Reuters vorlag. Außer Technologiechefin Govern, die erst seit September des vergangenen Jahres bei AOL tätig war, verlassen noch zwei weitere Mitarbeiter das Unternehmen. AOL lehnte eine Stellungnahme ab. Aus Unternehmenskreisen verlautete, mit den Entlassungen solle dafür gesorgt werden, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederhole

AOL-Werbe-CDs: Informationen über 20 Millionen Stichwortsuchen
AP

AOL-Werbe-CDs: Informationen über 20 Millionen Stichwortsuchen

Die Internet-Tochter des Medienkonzerns Time Warner hatte Anfang August reumütig eingeräumt, Informationen über rund 20 Millionen Stichwortsuchen von fast 660.000 anonymen Nutzern über einen Zeitraum von drei Monaten im Internet freigegeben zu haben. Zwar wurden die Schlagwortsucher dabei nur durch eine Nummer gekennzeichnet, was ihre Identifizierung schwierig macht. Dennoch sind nach Angaben von Experten in manchen Fällen durchaus Rückschlüsse auf die Identität möglich. Veröffentlicht wurden die Daten auf einer neuen AOL-Website, die für Internet-Wissenschaftler bestimmt ist. Diese Forscher befassen sich damit, wie Menschen im Netz nach Informationen suchen.

Die Veröffentlichung der Daten verstoße gegen die Firmenpolitik, entschuldigte sich AOL. Der Vorfall hatte Datenschützer auf den Plan gerufen, die von den US-Behörden eine Überprüfung des Umgangs mit Daten bei AOL forderten. Der für AOL zuständige Manager beim Mutterkonzern Time Warner, Jonathan Miller, teilte in einer E-Mail an die Beschäftigten mit, dass eine interne Untersuchung zum Datenschutz bei AOL eingeleitet worden sei.

Der Skandal kratzt am ohnehin bereits angeschlagenen Ruf des Internetriesen. AOL hat im Kampf um die Werbekunden gegen seine Hauptkonkurrenten Yahoo und Google an Terrain verloren und sah sich deshalb Anfang August gezwungen, die Streichung von weltweit rund 5000 Stellen in den kommenden sechs Monaten anzukündigen. Um sich im harten Wettbewerb um das Anzeigengeschäft im Internet besser behaupten zu können, arbeitet das Unternehmen derzeit an einem radikalen Strategiewechsel. Breitbandkunden soll die Nutzung von E-Mail- und Multimediadiensten künftig nicht mehr in Rechnung gestellt werden.

ase/AFP/reuters



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