OECD-Prognose Westliche Industrieländer rutschen in Rezession

Düstere Aussichten für Europa und die USA: Die Finanzkrise schlägt voll auf die Konjunktur durch und wird die westlichen Industrieländer in eine Rezession abrutschen lassen. Das berichtet die OECD - allein im laufenden Quartal soll die Wirtschaft der Euro-Zone um 1,0 Prozent schrumpfen.


Paris - Die Wirtschaft in den USA und in der Euro-Zone wird der Prognose zufolge bis zum dritten Quartal des kommenden Jahres schrumpfen, teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mit. Neben dem Minus von 1,0 Prozent im Euro-Raum im laufenden Quartal erwartet sie für die USA sogar ein Schrumpfen um 2,8 Prozent.

Arbeiter in Stahlwerk: Die Finanzkrise schlägt auf die Industrie durch
DDP

Arbeiter in Stahlwerk: Die Finanzkrise schlägt auf die Industrie durch

"Die Wirtschaft des OECD-Raums scheint in die Rezession einzutreten, und die Arbeitslosigkeit steigt in zahlreichen Ländern", teilte die Organisation in ihrem Ausblick für die USA, Japan und die Euro-Zone mit. Für die USA sagt die OECD 2009 ein Schrumpfen des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 0,9 Prozent voraus und 2010 dann ein Wachstum von 1,6 Prozent. Bei Japan rechnen die Pariser Experten mit einem Rückgang um 0,1 Prozent im kommenden und einem Plus von 0,6 Prozent im übernächsten Jahr.

OECD-Vorhersage: So entwickelt sich die Weltwirtschaft

2008 2009 2010
Wirtschaftswachstum
USA 1,4 -0,9 1,6
Japan 0,5 -0,1 0,6
Euro-Zone 1,1 -0,5 1,2
OECD insgesamt 1,4 -0,3 1,5

Inflationsrate



USA 3,6 1,2 1,3
Japan 1,4 0,3 -0,1
Euro-Zone 3,4 1,4 1,3
OECD insgesamt 3,3 1,7 1,5

Arbeitslosenquote



USA 5,7 7,3 7,5
Japan 4,1 4,4 4,4
Euro-Zone 7,4 8,6 9,0
OECD insgesamt 5,9 6,9 7,2

Angaben in Prozent | Quelle: OECD

Bei der Arbeitslosigkeit sagt die OECD in diesem Jahr eine durchschnittliche Arbeitslosenquote von 5,9 Prozent bei ihren Mitgliedsstaaten voraus. Sie werde im Zuge der Krise 2009 auf 6,9 und 2010 auf 7,2 Prozent steigen. Besonders betroffen von einem Anstieg der Beschäftigungslosigkeit ist die Euro-Zone: Nach 7,4 Prozent in diesem Jahr geht die OECD von 8,6 Prozent im Jahr 2009 und 9 Prozent 2010 aus. In den USA erwartet die Organisation in den kommenden beiden Jahren Quoten von 7,3 Prozent und 7,5 Prozent, in Japan 4,4 Prozent und 4,1 Prozent.

"Lage wird nur von kurzer Dauer sein"

"Die Lage der extremen Finanzkrise seit Mitte September wird von kurzer Dauer sein, auf sie wird aber eine längere Periode von Finanzturbulenzen bis Ende 2009 folgen", hieß es in dem Bericht. Danach werde es schrittweise zu einer Normalisierung kommen. Ein wichtiger Faktor für die Wirtschaftsentwicklung sei der Rückgang der Immobilienpreise in zahlreichen europäischen Ländern. Auf Basis früherer Preiszyklen werde diese Phase "noch lange dauern".

Einziger Lichtblick für die Ökonomien der Länder ist den OECD-Experten zufolge die steigende Kaufkraft dank stark sinkender Rohstoffpreise. Die Inflation werde nach Spitzen im Sommer und einem Anstieg in diesem Jahr auf 3,3 Prozent 2009 schrittweise auf 1,7 Prozent zurückgehen und 2010 voraussichtlich bei 1,5 Prozent landen, sagt die Organisation voraus.

EU-Prognose: So schrumpft und wächst Europas Wirtschaft

Land 2008 2009 2010
Belgien 1,4 0,1 0,9
Deutschland 1,7 0,0 1,0
Finnland 2,4 1,3 2,0
Frankreich 0,9 0,0 0,8
Griechenland 3,1 2,5 2,6
Irland -1,6 -0,9 2,4
Italien 0,0 0,0 0,6
Luxemburg 2,5 1,2 2,3
Malta 2,4 2,0 2,2
Niederlande 2,3 0,4 0,9
Österreich 1,9 0,6 1,3
Portugal 0,5 0,1 0,7
Slowakei 7,0 4,9 5,5
Slowenien 4,4 2,9 3,7
Spanien 1,3 -0,2 0,5
Zypern 3,7 2,9 3,2
Euro-Zone insgesamt 1,2 0,1 0,9
Bulgarien 6,5 4,5 4,7
Dänemark 0,7 0,1 0,9
Estland -1,3 -1,2 2,0
Großbritannien 0,9 -1,0 0,4
Lettland -0,8 -2,7 1,0
Litauen 3,8 0,0 -1,1
Polen 5,4 3,8 4,2
Rumänien 8,5 4,7 5,0
Schweden 1,4 0,0 1,8
Tschechien 4,4 3,6 3,9
Ungarn 1,7 0,7 1,8
EU insgesamt 1,4 0,2 1,1
zum Vergleich: USA 1,5 -0,5 1,0
Japan 0,4 -0,4 0,6

Angaben in Prozent | Quelle: EU-Kommission

Angesichts der schweren Konjunkturkrise ruft die OECD die Länder zu Steuersenkungen auf, um die Wirtschaft zu beleben. Über Zinssenkungen hinaus seien zusätzliche makroökonomische Maßnahmen notwendig, heißt es in einem zwei Tage vor dem Weltfinanzgipfel in Washington veröffentlichten Ausblick auf die Konjunkturentwicklung in den USA, die Euro-Zone und Japan. "In normalen Zeiten ist die Geldpolitik das bevorzugte Stabilisierungsinstrument", erklärte OECD-Chefökonom Jorgen Elmeskov. "Aber unter den gegenwärtigen extremen Bedingungen sind Steuererleichterungen eine wichtige kurzfristige Möglichkeit."

cvk/Reuters/dpa/AFP



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